Braschosblog: Mit der Schäre beim Sydney-Hobart, Rolly Tasker gestorben

Der Hochsee-Meilenfresser

"Siska II" mit Mega-Spinnaker. © Tasker Sails

Zur Southern Cross Serie mit abschließendem Sydney-Hobart Rennen überführt er das Schiff Ende 1971 gemeinsam mit seiner mehrköpfigen Crew, zu der auch Taskers zweite Frau Sara gehört. Seine erste Ehe ist am Seglergesamtkunstwerk mit vielen Reisen, einigen Terminen und Taskerschen Bootsbauprojekten gestrandet. Sara Tasker passt  um Welten besser zur Agenda des Segeljunkies, der neben dem laufenden Geschäft und regionalen Regatten an der Westküste das nächstbessere Sydney-Hobart Boot im Kopf hat.

Dankbar für flotte Geburt

Nach einem erneut vorn absolvierten Sydney-Hobart Rennen, diesmal mit Konkurrenten wie Ted Turners siegreichem, zum Offshoresegeln adaptierten 12er „American Eagle“, Hochseerennern wie „Kialoa“ oder „Ondine“, geht es anlässlich des Trans Tasman Race zum neuseeländischen Auckland. Von dort gegen den Uhrzeigersinn nördlich um Australien herum zur Mündung des heimatlichen Swan River bis Fremantle bei Perth.

Die Geburt von Taskers zweiter Tochter Sophie steht natürlich auch in einem seglerischen Kontext. Bei der morgendlichen Ankunft im Krankenhaus erklärt Tasker den Hebammen, er wäre für eine flotte Geburt dankbar, weil er nachmittags eine Verabredung auf dem Wasser habe. Im zarten Alter von zwölf Tagen ist die Tochter bei ihrer ersten Regatta an Bord.

Rennsegeln annodazumal. Auf auf "Siska" zählt die Fläche mit dem Big Boy. © Tasker Sails

Nach einem ¾ Tonner-Intermezzo ist Tasker reif für die dritte „Siska“, die er diesmal vom damals weltweit führenden Yachtkonstruktionsbüro Sparkman & Stephens  in New York entwerfen lässt. Zwar vermisst das Boot günstig, der erhoffte Erfolg bleibt aber aus. Tasker tituliert die 15 Meter lange IOR Konstruktion als „lahme Ente“.

Das ist dem Selfmademan aus der Abteilung „man muss eben alles selber machen“ eine Lehre. Nie wieder wird Tasker für eine Konstruktion bezahlen. Höchstens bittet er mal, wie später bei seiner letzten und fünften „Siska“ den seinerzeitigen IOR und Maxi-Matador German Frers um die Optimierung des Rennwerts.

“Saskia IV” der Hochsee-Meilenfresser

Eigentlich ist Tasker mit seiner Segelmacherei in Hongkong, wo im großen Stil preiswert genäht wird und einer Niederlassung in Frankreich gut ausgelastet. Er hat Familie und könnte nun sesshafter werden. Abgesehen von einem lange entbehrten America’s Cup Sieg australischer Herausforderungen, an deren ersten Tasker als Segelmacher für „Gretel“ 1962 auch mitgewirkt hat, und die ihn Zeitlebens beschäftigen wird, fehlt ihm der Triumph beim Sydney-Hobart. Nach einem langen Arbeitstag und dem Abendessen mit der Familie zieht er sich zurück und entwirft in wenigen Stunden „Siska IV“ jenes Schiff, das den Hochseesegelmeilenfresser weltberühmt machen wird.

Innenausbau von "Siska IV" ist selbstgemacht. © Tasker Sails Kopie

Länge läuft, über die Bootsbreite generierte Formstabilität, geringes Gewicht für die große Raumschots-Sause und eine haltbare Bauweise für die Beanspruchungen hart gesegelter Hochseerennen, das ist Taskers Rezept. Seine “Siska” wird mit 77 Fuß annähernd so groß wie die 60 Zentimeter längere S&S Konstruktion „Kialoa III“,  allerdings deutlich, Tasker zufolge 40 Prozent leichter.

Es gibt da nur ein Problem. Er hat nicht so viel Geld wie Jim Kilroy, der als kalifornischer Immobilienkaufmann die Dollar zügig fürs Maxi Segeln versenken kann. Also baut Tasker die nächste „Siska“ wieder selbst. Sie entsteht kurz und schmerzlos binnen 20 Wochen in der Nähe von Taskers Segelmacherei in Perth.

"Siska IV" © Tasker Sails Kopie

Im April 1978 wird Taskers 23. Boot beplankt. Die Kojen sind in die Rahmenspanten eingelassen, eine synchron getischlerte, mittschiffs angeordnete Pantry und sogar eine Spielzeugecke für Tochter Sophie gibt es. Er ist halb Familienmensch. „Siska IV“ soll ein zehntel der etwa 3 Millionen Dollar teuren „Kialoa III“ gekostet haben.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

3 Kommentare zu „Braschosblog: Mit der Schäre beim Sydney-Hobart, Rolly Tasker gestorben“

  1. avatar Peter sagt:

    Bei Braschos schreibt niemand Kommentare. Warum? Weil man einfach nur liest und genießt. Weiter so!

  2. avatar Florian sagt:

    Ich stimme meinem Vorredner zwar zu, muss aber dennoch meine Verwirrung bei den Captions der letzten beiden Bilder gestehen. Dort wird von Siska V gesprochen, aber es geht um Siska IV, oder?

    Ich liebe diese Artikel !!

  3. Wir schätzen den tollen Artikel von Herrn Braschos sehr. Vielen Dank! Sven Cornelius – Rolly Tasker Sails –

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