Braschosblog: Mit der Schäre beim Sydney-Hobart, Rolly Tasker gestorben

Der Hochsee-Meilenfresser

Känguruh-Jagd und Angel-Ausflüge

Aus bescheidenen Mitteln viel zu machen, sich den kostspieligen Segelsport selbst zu finanzieren, Chancen zu erkennen und zügig zu nutzen, das ist dem 1926 geborenen Rolland Tasker in die Wiege gelegt. Interessanter noch als die Känguruh-Jagd, zu welcher der junge Tasker seinen Vater in die Wildnis Westaustralien begleitet, findet er die Angelausflüge.

Die führen ihn aufs Wasser, den Swan River bis Fremantle und später weiter auf den Indischen Ozean hinaus. Als zehnjähriger entwirft und baut Tasker sein erstes Boot. Er finanziert sich das Material mit dem Verkauf von selbst im Fluss nebenan gefangenen Krabben.

Olympisches Silber und FD-WM Titel

"Siska IV" mit hoher Formstabilität. © Tasker Sails

Mit der Vollendung eines unfertigen, günstig gekauften 12 qm Sharpie steigt er 1942 in jene Klasse ein, in der er 1956 bei der Olympiade in Melbourne eine Silbermedaille ersegelt. Zwei Jahre später wird Tasker Weltmeister im FD. ‘61 öffnet der clevere Improvisateur unter abenteuerlichen Umständen seine vierte Segelmacherei in Hongkong.

Im Jahr darauf unterliegt er in Florida nach einem harten Fight knapp Poul Elvström und Hans Fogh bei der FD WM. Seinen Vorschoter stellt Tasker der amerikanischen Presse als Kanguruh-Fänger vor. Er erklärt, sein Buddy würde die Tiere daheim eigenhändig an ihrem langen Schwanz aus dem Busch zerren.

Damals infiziert er sich als Segelmacher und Mannschaftsmitglied der australischen Herausforderung mit der 1:4 gegen „Weatherly“ unterlegenen „Gretel“ mit dem America’s Cup Fieber. 1964 fängt er mit der Modellsammlung für sein sehenswertes Museum an.

Vermessungs-Intrige gegen Siska IV

"Siska IV" ist schnellste Yacht beim Sydney-Hobart Race darf aber offiziell nicht starten. © Tasker Sails

Während Tasker sein neues Schiff nach Sydney überführt, erfährt er per Funk von einer Vermessungs-Intrige, die „Siska IV“ von der regulären Teilnahme an der Regatta ausschließt. Er startet dennoch, fünf Minuten vor dem Feld und führt souverän, zwanzig Stunden vor „Apollo“, der offiziellen Siegerin. Im Orkan des desaströsen Fastnet Rennens bewährt sich Taskers Aluminiumschlitten ebenso wie beim wenig später gestarteten 11.500 Seemeilen langen Parmelia Rennen von Plymouth via Kapstadt nach Fremantle.

Die ereignisreiche, kräftezehrende Hochseeregattasegelodyssee hält Tasker nicht davon ab, wenig später erneut zur Überführung nach Sydney abzulegen. Das brutale Sydney-Hobart Race beendet „Siska IV“ als zweite nach berechneter Zeit. „Bumblebee IV“ quert als erstes Schiff die Ziellinie.

"Siska V" startet beim Fastnet Race. © Tasker Sails

1982 entwirft Tasker seine fünfte Siska und lässt die Konstruktion vom argentinischen S&S Schüler German Frers optimieren. Er baut das Boot gemeinsam mit seiner Crew zügig in „Feierabend“arbeit nebenher. Fünf Jahre später versucht er vergeblich mit einem eigenen Siska-Syndikat den America’s Cup in Fremantle zu erhalten, kann sich mit einem angenommenen 3 Millionen US Dollar Projekt nicht gegenüber den üblichen 26 Millionen Dollar Budgets durchsetzen.

Mitte der 90er Jahre schließt Tasker seinen in Schwierigkeiten geratenen Segelmacher-Betrieb im thailändischen Pattaya und baut im Alter von 68 Jahren gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Kerry in Phuket seine zwölfte Segelmacherei auf. Hier werden für preisbewusste Kunden in einem der größten und modernsten Betriebe der Welt Segel genäht, Masten und Beschläge gebaut.

In Fahrtenseglerkreisen und für kostenbewußte Eigner ist das Logo einem roten Segel und einem schwarzen Bumerang seit Jahrzehnten ein Begriff. Tasker nähte es 1949 erstmals auf eines seiner Tücher. Als sogenannt weißes Label werden Tasker Segel auf vielen Serienbooten geliefert.

"Siska V" überlebt die Fastnet-Katastrophe 1979. © Tasker Sails

Der Betrieb exportiert mittlerweile in 61 Länder. Tasker Sails stehen hinter der Vertriebsadresse Sail Select. Seit einer Weile gehört der Bremer Sven Cornelius zur Tasker Sails Geschäftsleitung.

Anfang vergangenen Jahres war der 85-jährige Tasker mit seiner internationalen Segelmachercrew noch bei der METS in Amsterdam. 2,2 Millionen Segel, 340.000 havariefrei gesegelte Meilen, zweitausend Siege in sechs Jahrzehnten Regattasegeln, ein außerordentliches Seglerleben.

Der große Stolz des „Mister Siska“ war das 2008 eröffnete Australian Sailing Museum in Mandurah südlich von Fremantle mit einer sehenswerten America’s Cup Sammlung. Am 22. Juni 2012 ist Mister „Siska“, der Selbermacher vom Swan River in Perth, jener Hochseesegler, der mit einem 40er Schärenkreuzer die Bass Straße ansteuerte und dabei gleich Alan Bond alt aussehen ließ, an einem Krebsleiden gestorben.

Rolly Tasker in späteren Jahren. © Tasker Sails


avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

3 Kommentare zu „Braschosblog: Mit der Schäre beim Sydney-Hobart, Rolly Tasker gestorben“

  1. avatar Peter sagt:

    Bei Braschos schreibt niemand Kommentare. Warum? Weil man einfach nur liest und genießt. Weiter so!

  2. avatar Florian sagt:

    Ich stimme meinem Vorredner zwar zu, muss aber dennoch meine Verwirrung bei den Captions der letzten beiden Bilder gestehen. Dort wird von Siska V gesprochen, aber es geht um Siska IV, oder?

    Ich liebe diese Artikel !!

  3. Wir schätzen den tollen Artikel von Herrn Braschos sehr. Vielen Dank! Sven Cornelius – Rolly Tasker Sails –

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neun − vier =