Braschosblog: Wie Terry Brabant die J-Class “Velsheda” aus dem Schlamm holte

Der Drachen für die Dagobert Ducks

Die Geschichte der J-Class ist schillernd. Damals, in den dreißiger Jahren vergnügten sich der Eisenbahnmagnat Harold Stirling „Mike“ Vanderbilt, der Lebensmittelhändler Sir Thomas Lipton, der Flugzeugfabrikant Sopwith oder der Kaufhausbesitzer W.L. Stephenson mit den 40 Meter langen Segelschlachtrössern, die sich ähnlich wie Drachen eigentlich nur für ein paar schöne Stunden zwischen den Regattabojen eigneten.

`Velsheda´ kracht in aller Schönheit durch die Wellen. So war es nicht immer. © J-Class

`Velsheda´ kracht in aller Schönheit durch die Wellen. So war es nicht immer. © J-Class

Das ist heute nicht anders, wo reiche Segler wie beispielsweise der amerikanische Immobilienkaufmann John William den „Ranger“ Nachbau, sein Landsmann Jim Clark den „Endeavour II“ Nachbau „Hanuman“ oder der holländische Geschäftsmann Ronald de Waal „Velsheda“ segelt. Elizabeth Meyer hat 1989 vermutlich zehn Millionen Dollar in die “Endeavour” gestecku, um sie zum Leben zu erwecken, und aktuellen Projekte werden mit 20 bis 30 Millionen Euro beziffert.

Doch die Dagobert Ducks unserer Tage sind nicht die wahren Helden der J-Class. Das sind die beinahe vergessenen Träumer, die Phantasten und Visionäre, die diese Schiffe einfach irgendwie aufbewahrten, für die Nachwelt erhielten und mit Hingabe und mit eisernem Durchhaltevermögen die Ärmel hochkrempelten.

Etwa das Ehepaar Renee und Richard Saville Lucas, das seit 1947 eine ganze Flotte (bestehend aus „Endeavour I“ und zunächst auch „II“, „Velsheda“ und „Lulworth“) des immerhin noch schwimmenden englischen Tafelsilbers in den Schlamm des Hamble vor ihr Ufergrundstück Crableck Yard schob. „Shamrock V“ segelte als Ketsch getakelte „Quadrifoglio“ in der Händen der Familie Canu im Süden mit den Mittelmeerfähren um die Wette.

Es sind Leute wie das Ehepaar Vivienne und John Amos, die das notdürftig mit Dachpappe schwimmfähig gehaltene Wrack der „Endeavour“ später vom Medina Riva nach Calshot Spit holte und die Bürde dieses Wahnsinnsprojekts nach fünfjähriger Fron mit dem Schweißgerät vermutlich richtig günstig an Elizabeth Meyer abgab.

Schrotthändler Terry Brabant

Es ist der Southamptoner Schrotthändler Terry Brabant, der die hinfällige „Velsheda“ irgendwann Mitte bis Ende der siebziger Jahre kaufte, allerdings nicht, um sie wie in seinem Gewerbe üblich zu verwerten. Brabant richtete sie zum Segeln her.

In Südengland hörte ich wunderbare Geschichten über diesen längst nach Florida ausgewanderten Mann. Er soll vom Segeln zwar keine Ahnung gehabt, aber beschlossen haben, es auf diesem unhandlichen Schiff zu lernen. Und das auch noch im Solent, einem von Sandbänken eingeengten und von Strömungen durchspülten Gewässer.

Der sympathische wie joviale Takler und Mastenbauer Harry Spencer erzählt mir an einem Ostermorgen in seiner Werkstatt die Geschichte, wie er für Brabant einen Stahlmast baute. Er musste preiswert sein, weil der Wille des Eigners, „Velsheda“ wieder zu segeln, größer war als seine Brieftasche. Außerdem musste die annähernd 50 m lange Röhre halten. Leider war die Takeltechnologie der dreißiger Jahre vergessen. Spencer half dennoch. Er hatte den Knall Brabants begriffen.

avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

4 Kommentare zu „Braschosblog: Wie Terry Brabant die J-Class “Velsheda” aus dem Schlamm holte“

  1. avatar Chris sagt:

    vermutlich blöde frage: aber wieso schreibt carsten jetzt das braschosblog? 🙂

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

  2. avatar Minifahrer sagt:

    Manno – und ich dachte immer, der 12er von 1936, auf dem ich mal mitfahren durfte, war ein Monster. Hier verschieben sich die Proportionen deutlich…

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  3. avatar hanseatic sagt:

    Wunderschönes Filmdokument! Danke für’s “Ausgraben”!

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  4. Klasse Dokument! Guter Begkeittext. Danke fürs online stellen!

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *