Finnische Nautor Werft auf Erfolgskurs im Megayachtbau

35 m in Serie

Die finnische Nautor Werft hat gerade das vierte Exemplar ihrer Swan 115 verkauft.

Auf den ersten Blick ist die Swan 115 ein weiteres, großes Exemplar dieser hochbordigen und breiten Boote, wie sie heute weltweit von praktisch allen Werften gebaut werden. Es gibt da – teils zu recht – ätzende Spitznamen für, wobei Bettenburg, Kreidefelsen oder Schwimmpanzer noch die harmloseren sind.

Bella Figura

Doch versteht es der argentinische Ästhet German Frers, die Proportionen im Rahmen zu lassen. Er geht nicht voll in die Breite. Heute haben bereits 30 m Boote über acht Meter Relingsabstand.

Auch den Freibord hält Frers ansehnlich. Nautor-Yachten sind modern und markant, kommen aber nicht so brutal und maßlos daher wie heute üblich.

Swan 115, Nautor

Die Swan 115 soll mit halb vollen Tanks (half load) an die hundert Tonnen verdrängen. Dank der Breite geriet der U-spantige Rumpf flach © Nautor

So machen die Swans meistens, auch wenn sie dem Trend zum Komfort-Kreuzer folgen, also sprich breiter und höher werden, eine Bella Figura.

Die Swan 115 gibt es in zwei Aufbau-Varianten. Als sogenannte „FD“ (Flush Deck) Version mit einem niedrigen Deckshaus mit der Nautor-typischen blauen Aufbauflanke und als „S“ mit einem halbhohen Aufbau, angehobenen Salon und Blickkontakt nach draußen. Die Animationen zeigen auch einen markant aufs Deck gedeckelten Aufbau mit einem umlaufenden Fensterband. Ein geschickter stilistischer und verkäuferischer Versuchsballon.

Swan 115, Nautor

Keine Experimente: Der blaue Rupf der Swan 115 FD kaschiert die Fenster in der Bordwand. Auch die Nautor-typisch blaue Flanke des Aufbaues ist wieder da © Nautor

Swan 115, Nautor

Die Doppelruderanlage der 35 m Slup passt zum Hubkiel mit 3,5 m Hafentiefgang. Der markante Aufbau der Swan 115 S ist ein Versuchsballon © Nautor

Es ist ein zurückgenommenes Design ohne Extreme, Experimente und Spielereien. Man geht verhalten mit der Zeit, folgt dem Trend gebremst.

Auch die Swan 115 ist als aktuelles Nautor-Flaggschiff Teil dieser cleveren Markenführung in einer Branche, wo das Bedürfnis aufzufallen oder Trendsetter zu entwickeln manchmal mit Erfolg verwechselt wird. Siehe Wally.

Nautor’s Erfolgsgeheimnis

Erfahrene Eigner möchten aber keine Fisimatenten. Sie brauchen nicht den letzten modischen Schrei, sondern ein Boot, mit dem sie eine Weile Spaß und möglichst keinen Ärger haben.

Das erklärt den Erfolg des neuen Nautor Flaggschiffs. Ein halbes Jahr seit der Präsentation sind bereits drei Schiffe im Bau. Jetzt wurde das vierte Exemplar verkauft. Das erste Exemplar möchte die Werft im Sommer 2015 auftakeln. Baunummer vier wird ein Flushdecker und 2016 folgen.

115 Fuß sind 35 Meter. Die größte Swan hat damit die Abmessungen von Giovanni Agnellis „Extra Beat“ von 1988. Dieses Schiff war damals ein Paukenschlag. Agnelli ließ einen um Faktor 1,5 vergrößerten Maxi vom Stapel. Vor 2 ½ Jahrzehnten wurde die Segelyacht dieses Formats mit der Abeking & Rasmussen Baunummer 6405 quasi neu erfunden. Die Hardware dazu wie Kiel, Ruderanlage oder der Mast auch. Heute wird solch eine 35 Meter Slup in Serie gebaut. Verrückt.

Die Produktbereinigung, sprich Konzentration auf sieben Modelle  – von der Swan 53, 60, 66, 80, 90, 105 bis zur 115 – und das beharrliche Bemühen um das endlos variierte Thema Cruiser-Racer geht für Nautor auf. Hinzu kommen Erfahrung und Image der 1966 gegründeten Werft.

Nautor setzt auf Qualität

Diese vierte große Swan bestätigt den Kurs der finnischen Werft bei erschwerten wirtschaftlichen Bedingungen und allerorten wachsender Konkurrenz. Das weltweit verfügbare Faserverbund Knowhow und entsprechende Kapazitäten lässt Konzepte und Renderings sprießen. Mancher branchenfremde hat sich bekanntlich in diesem Markt versucht. Und natürlich wird es weiter versucht.

Man konnte oder kann große Boote nebenan beim Leichtbauspezialisten Baltic, bei dem mailändischen Projektentwickler Nauta, bei Wally in Monaco oder Southern Wind in Kapstadt bestellen.

Der feine Unterschied: Die Finnen müssen ihren Kunden erst gar nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Sie zeigen seit vielen Jahren mit erstklassiger Qualität, gediegenen Kunststoffbooten und einem an und unter Deck selten zu sehenden Teak- und Mahagonifinish, was Qualität ist.

Jeder Newcomer behauptet heute, er könnte das auch. Aber wer sich eine Nautor-Yacht gründlich ansieht, weiß wie hoch die Latte wirklich liegt. Es lohnt sich übrigens für jeden Segler, sich mal in Ruhe eine Swan anzuschauen, auch wenn so ein Boot – jedenfalls neu –  komplett außerhalb der persönlichen Reichweite liegt.

Schön zu sehen, das die Nautor-Story weiter geht. Auch wenn die Geschichte und Geschicke der Edelmarke für praktisch jeden Segler ein unbezahlbarer, irrealer Film bleibt.

Swan 115 in Zahlen

Länge 35,20 m (115,5 Fuß), Wasserlinie 32,84 m, Breite 8,12 m, Tiefgang (Hubkiel) 3,50 – 5,75 m, Verdrängung leer 95,6 t, Ballast 32 t, Groß 356 qm, Fock 304 qm, Gennaker 630 qm, Maschine 450 PS Scania, Dieseltank 5.500 l, Wasser 3.000 l, Warmwassertank 220 l, 24 V Bordnetz mit 1.440 Amperestunden, zwei 3 PS Dieselgeneratoren für 230/400 Volt, Webseite

Swan 115, Nautor

Der Viersalingsmast gehört zum bereits eingewasserten Boot. Die Schale muß erst noch in Jakobstad zur Swan 115 werden © Nautor

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Finnische Nautor Werft auf Erfolgskurs im Megayachtbau“

  1. avatar Bootsbaumeister sagt:

    Ist das jetzt ein Artikel oder wird das eine Werbebroschüre für Swan? Oder ist das einfach Werbung oder ein Pressetext?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 26

    • avatar w m sagt:

      Werbung – und die kleine Bootswerft von gegenüber hat dadurch keine Chance mehr ihre 115ft Yacht an den Mann zu bringen. Einfach schrecklich 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

  2. avatar G54 sagt:

    Jeder, der segelt, weiss was eine Swan ist.
    Ich verstehe den Artikel als Begeisterung des Autors über eine Firma, die beste Qualität mit gutem Design ohne Schischi und überzogene Trends vereint. Ich teile diese Begeisterung, auchbwenn ich mir so ein Schiff nie leisten kann. Nicht mehr und nicht weniger.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 39 Daumen runter 3

  3. avatar T.B. sagt:

    Schöner, informativer Artikel, danke dafür!

    German Frers zeichnet wirklich schöne Schiffe!
    Der Spant ist aber oft sehr U förmig bzw. schlicht flach.
    Super auf raumen Kursen, aber gegenan?

    Gegenargument: Wer so ein Schiff (i.d.R. nur im Urlaub) fährt, sucht sich seinen Kurs nach Wind und Gusto aus und bolzt nicht gegenan.

    Ich bin im letzten Jahr mit einem noch größeren GF Design mit 10kn unter Maschine in einer alten, flache 1-2m Dünung gefahren. Eine Welle war dann wohl nicht so flach…das hat so geknallt das ein FlatTV aus der Verankerung gebrochen ist und die Crew im Vorschiff kurzzeitig “schwebte”, um anschließend um so härter aufzuschlagen.

    Raumschots ging das Teil dafür um so besser…Vmax 19.5kn im Surf…5,5 Tage von England nach Teneriffa (~1500 sm), 1.5 Tage Maschine, 3 Tage 25-45 kn NNE!

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    • avatar Segler99 sagt:

      Warum bolzt man denn auch mit 10kt unter Maschine durch die Dünung?

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 2

      • avatar T.B. sagt:

        Äh….bolzt?

        Das war Crusing Speed…wir wollten ja ankommen.

        Aber Du hast auch recht, es war stockdunkel und ich hab die Wellen nicht sehen können. Vorher und nachher war alles cool und smooth.

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