Im Daysailor Trend: „Tango“ von der Yacht- & Bootswerft Stapelfeldt

Mal eben und ohne Gedöns

Moderne, nachtschwarze Foliensegel und formverleimtes Mahagoni: der Daysailer Tango auf der Schlei © Yachts- und Bootswerft Stapelfeld

Moderne, nachtschwarze Foliensegel und formverleimtes Mahagoni: der Daysailer Tango auf der Schlei © Yachts- und Bootswerft Stapelfeldt

Mit dem bekannten wie bewährten keep-it-simple-Daysailer-Konzept besinnt sich mancher Segler auf das, was auf dem Wasser zählt. Auf unbeschwerte Stunden unter Segeln, die neue alte Einfachheit des Seglerlebens wie mit der Jolle in der beinahe vergessenen Jugend. Als mal eben und ohne Gedöns für ein paar schöne Stunden bei passendem Wind in den Tag, Nachmittag- oder Abend hinein gesegelt wurde.

Es braucht weniger Schiff als meist angenommen um auf dem Wasser glücklich zu werden. Eigentlich genügt ein gescheites, einhand-taugliches Boot. Deshalb werden überall auf der Welt, wo es etwas mehr Geld und einen verfeinerten seglerischen Geschmack gibt, offene Kielboote gebaut, mit denen man rasch zur Sache kommt und ansehnlich wie flott unterwegs ist. Das können nicht nur Holländer mit der Essence 33, oder der Eagle 44, die Amerikaner mit der W 37 oder der Friendship 36, Bayern mit der Lake 35“ oder die Italiener mit der variantenreich gebauten Brenta.

Der Judel/Vrolijksche Daysailor Tango bietet einen interessanten Mix aus zeitgemäßer Segelhardware und formschön verarbeitetem Mahagoni © Boots- und Yachtwerft Stapelfeld

Der Judel/Vrolijksche Daysailor Tango bietet einen interessanten Mix aus zeitgemäßer Segelhardware und formschön verarbeitetem Mahagoni © Boots- und Yachtwerft Stapelfeldt

Das können auch schleswig-holsteinische Bootsbauer um Jo Vierbaum, wie der Stapellauf und Probeschlag des 28 Fußers namens „Tango“ der Yacht- und Bootswerft Stapelfeldt zeigt. Nicht jeder wird den hier auf Wunsch des Eigners nach Plänen des Bremerhavener Konstruktionsbüros Judel/Vrolijk realisierten Mix aus traditioneller Anmutung und zeitgemäß leichter Hardware mögen. Liebhaber der schlanken Linie wird das recht breit geratene, Barkassen-artige Heck stören. Ihm fehlt die Eleganz und Finesse traditioneller Formen. Aber so werden Boote heute gezeichnet. Die nach achtern durchgezogene Breite hat halt ihre Vorteile. Sehenswert und interessant ist die „Tango“ allemal. Ebenso das Zusammenwirken von ansehnlich verarbeitetem rotbraunem Mahagoni und schwarzer Hightech Faser. Natürlich hat das vermeintlich einfache Boote ein paar Gadgets wie den ausfahrbaren Gennakerbaum und sämtliche Schikanen der unter Deck in die Plicht zu vier Klaviaturen geführten Fallen und Strecker. Saukompliziert musste es in der Jollenzeit unter Deck mindestens sein, ist also in Mahagoni und Karbon heute gern gesehen.

Die Vorbereitungen zum Stapellauf zeigen ein moderat flaches, U-spantiges Unterwasserschiff mit zeitgemäßem Bleitorpedo am Ende der Kielfinne © Boots- und Yachtwerft Stapelfeld

Die Vorbereitungen zum Stapellauf zeigen ein moderat flaches, U-spantiges Unterwasserschiff mit zeitgemäßem Bleitorpedo am Ende der Kielfinne © Boots- und Yachtwerft Stapelfeldt

Das in 1,80 m Tiefe am Ende der Karbonfinne mitgeführte Blei unter dem gerade mal 8 ½ m langen Boot und die Breite versprechen ein formstabil steifes Boot für windreich nördliche Gewässer. Damit bleiben viele Häfen und Ankerplätze der Schlei und dänischen Südsee erreichbar. Dank einziehbarem Gennakerbaum ist das Boot wie gehabt über den Bug begehbar. Einziger Wehrmutstropfen ist der Umstand, dass solch ein schönes Boot nach dem Segeln unter der Überalles-Persennig verschwinden sollte, damit die „Tango“ möglichst lange so schön bleibt wie bei ihrem Stapellauf im Sommer. Aber praktische Plastikboote, die man nicht vor der Sonne schützen muss, gibt es ja beinahe wie Sand am Meer.

 

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Der Daysailor „Tango“ von der Yacht- & Bootswerft Stapelfeldt in Zahlen

Länge 8,50 m, Breite 2,69 m, Tiefgang 1,80 m, Gewicht leer 1,8 t, am Wind Besegelung circa 40 qm, raumschots 90 qm, Bauweise Spruce und Mahagoni formverleimt, Struktur in Karbon Sandwichbauweise, im Sichtbereich überfurniert. Kielflosse, Ruderblatt, Mast und Baum aus Karbon, 3 Di Segel von North. Werft: Yacht- & Bootswerft Stapelfeldt, Kappeln

Andere Daysailor, die auf SR zum Thema waren:

Essence 33
Eagle 44
W 37
Friendship 36
Lake 35“
Brenta

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Im Daysailor Trend: „Tango“ von der Yacht- & Bootswerft Stapelfeldt“

  1. avatar SR-Fan sagt:

    Schöner Artikel – wie immer 😉

    2 Fragen:
    Warum wird die ziemlich große Breite auf Masthöhe nicht für eine breitere Selbstwendeeinrichtung genutzt?

    Wie funktioniert denn die Justierung der Fallen-/Streckereinrichtungen. Das wird auch auf den Fotos der Yacht – wo dieser Bereich näher fotografiert wurde – nicht weiter erläutert.
    http://www.yacht.de/multimedia/galerie/tango-wolf-im-carbonpelz/a83505/fotostrecke/4886863/4885991.html#imageSeries

    VG

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  2. avatar SR-Fan sagt:

    @Braschos

    Die Zierstreifen sind ja von Werft zu Werft, bzw. von Entwurf zu Entwurf unterschiedlich. Allerdings gibts doch auch historische bzw. berühmte Entwürfe (z.B. A&R) – sozusagen als Markenzeichen.
    Vielleicht gäbe so was ja auch mal einen netten Artikel her?

    VG

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  3. avatar Erdmann sagt:

    SR-Fan, zur zweiten Frage Deines ersten Kommentars: Ganz einfach, Du ziehst an der entsprechenden Strippe, hilfst erforderlichenfalls mit Verlegen der Leine zur nächsterreichbaren Winsch nach. Eigentlich wie bei allen modernen Booten. Geöffnet wird mit dem kleinen Stropp über der Klemme. Je nach Funktion und Zug auf der Leine wird dann kontrolliert mit der Hand gefiert.

    Ziergöhlen als Signatur namhafter Konstrukteure und Werften von Fife über Burmester bis Sangermani wären mal ein schönes Thema, oh ja. Dank für Deinen Hinweis!

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Naja, wie man an den Strippen anzieht war mir schon klar 😉 Nur, das halten und lösen war mein Problem. Hatte mir das mit Klemmen/Stoppern nicht vorstellen können. So wie Du das jetzt beschreibst hört sich das nach einer “Constrictor”-Lösung an?! Ich dachte, die gibts erst seit 2(?) Jahren, scheint sich dann ja flott durchgesetzt zu haben. Gerade im Bezug auf Fallen reichen Klemmen ja meist nicht aus und die Stopper eignen sich nicht für den Unterdeck-Einbau (und sind recht voluminös).

      Auf den Ziergöhlen-Artikel freue ich mich schon. 😉

      VG

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  4. avatar Ketzer sagt:

    Nur ein Rumpf, keine Foils, keine 40 kn.

    Next.

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