Langfahrtsegler: Die Geschichte der Wilts und ihrer “Freydis”

Amphibisches Leben

Der Tsunami

In der Nacht vom 10. auf den 11. März 2011 hat Heide Wilts im fernen Heidelberg einen Alptraum vom Verlust des Schiffes. Er wird mit dem Erdbeben und dem fürchterlichen Tsunami Wirklichkeit, überflutet die Ostküste Japans teilweise, kostet vielen Menschen das Leben und löst die Atomkatastrophe von Fukushima aus.

Der Sog des Tsunami zerrt die „Freydis“ zunächst aus dem Hafen. Eine Woge spült sie unrettbar in die Felsen. Die Wilts haben mehr als einfach „nur“ ihr Schiff, sie haben ihre Arche, ihr schwimmendes Zuhause verloren, einen treuen Begleiter, mit dem sie durch dick und dünn segelten, der ihnen einmal in Südamerika ausbrannte und den sie vor Deception Island am Rand der Antarktis beinahe verloren hätten, aber wieder flott machten.

All das, den erlebnisreichen letzten großen Törn der „Freydis II“ von Alaska nach Japan, das Drama des verloren geglaubten, bald entdeckten, zunächst rettbar geglaubten und schweren Herzens aufgegebenen  Bootes schildert der soeben erschienene 230-seitige Band von Heide Wilts. Das Buch ist im Ostfriesland-Verlag SKN erschienen. Es wird innerhalb Deutschlands kostenlos verschickt.

Nach dem Verlust ihres Schiffes haben die beiden Endsechziger nicht lange gezögert und sich in einem Alter, wo die meisten längst die Segel gestrichen haben oder aufhören, zügig ihre dritte „Freydis“ ausbauen lassen. Praktisch: das Kasko existierte in der gewünschten Eisklasse. Damit sind sie seit 2012 unterwegs. Die Wilts halten einfach Kurs. Denn da ist ja noch die siebte Weltreise, die das sympathische Ehepaar weiter segeln möchte.

Ihre neue „Freydis“ liegt derzeit in Bundaberg, das ist in der Nähe von Brisbane an der Ostküste Australiens. Von dort werden sie Anfang Januar ausgerechnet wieder in das gefährliche, von Seebeben und Tsunamis heimgesuchte Gewässer Japans aufbrechen, um dann weiter nach Kamchatka und zu den Aleuten zu segeln. Dort, wo es noch ungemütlicher ist, als bei uns im Winter. Wo man beim Landgang auf Grizzlys achten muss. Wo es aber garantiert keine Ampeln mit Countdown bis zur Grünphase für den nächsten 200 m Spurt und natürlich keine Kaffeeketten mit Muzak Musik gibt.

Die Wilts stillen einfach ihre Seenot. Noch ein paar Erledigungen in Heidelberg, ein paar Vorträge, Emails und Besorgungen, ein neuer Unterwasseranstrich, dann legen die segelnden Globetrotter wieder ab. Sie werden unterwegs 72 Jahre alt. Das neue Buch von Heide Wilts gibt Einblick in dieses beeindruckende Seglerleben. Empfehlens- und lesenswert!

„Freydis III“

Reinke 16 M Ice Spezialversion, Konstruktion Kurt Reinke, Alu Rumpf und Deck gebaut von F. Benjamins in Emden, Ausbau M. Matzerath Düren, Länge über Alles 16,90 m, Rumpf 15,90 m, Breite 4,45 m, Tiefgang 2,60 – 1,60 m, Verdrängung 28 t, acht Kojen in vier Kajüten, 2000 l Diesel, 1.400 l Frischwasser.

Besonderheiten: ein um 15 cm erhöhter Freibord, größerer Ballastanteil (9,5 t Blei als Innenballast), dreifacher Boden und Schwenkkiel zum Trockenfallen, durchgehender Skeg zum Schutz von Ruder und Schraube, geschlossenes Deckhaus mit dicken Verbundglasscheiben, zusätzliche Steckschotten zur Verriegelung des Niedergangs, deutlich überdimensioniertes Rigg mit gekürztem Mast, doppelte Spibäume, lattenloses 50 qm Groß, 85 qm Rollgenua, 160 qm Passatbesegelung (zwei Genuas), 44 qm Rollfock, 20,50 qm Trysegel an separater Mastschiene, 165 qm Blister, 200 und 250 qm Spinnaker, marinisierter 126 PS Mercedes OM 366 Diesel (wie beim vorigen Schiff).

Weitere Informationen, auch zu Mitsegelgelegenheiten

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

3 Kommentare zu „Langfahrtsegler: Die Geschichte der Wilts und ihrer “Freydis”“

  1. avatar x-claim sagt:

    Obwohl ich eigentlich immer schon gerne diese Art Bücher lese, habe ich um die Bücher der Wilts bisher immer einen Bogen gemacht. Warum nur? Nun zumindest gefallen mir diese Reinke-Kreuzer nicht, obwohl sie sicherlich mehr als zweckmäßig für diese Art von Reisen sind!

    Ich denke ich werde meine bisherige Ablehnung nochmal gründlich überdenken, denn der Artikel hat mein Interesse geweckt – Danke dafür!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 1

  2. avatar Leseratte sagt:

    Ich liebe Weltumsegler- und Abenteuerbücker und auch die Reisen der Wilts sind wirklich beeindruckend. Leider sind die Bücher allesamt jedoch extrem langweilig geschrieben. Ein bisschen wie bei Erdmann. Schade!

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

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