Lütje 33: Hübscher Edel-Daysailer aus deutschen Landen

Fürs Auge und zum Segeln

Die Hamburger Lütje Werft und die Bremerhavener Konstrukteure Judel/Vrolijk entwickelten einen 33 Fuß Daysailer, der gestalterisch zwischen gestern und heute unterwegs ist und mit seglerisch bewährten Lösungen punktet. Muss nur noch jemand die 283.000 Euro auf den Tisch legen.

Lütje Yachts

Smarter Mix aus traditioneller und moderner Form: Senkrechter Vorsteven und klassisch positives Yachtheck © Lütje Yachts

Senkrechter Steven, ein gestreckt aus dem Wasser gehobenes, klassisches Yachtheck, ein U-spantig flaches Unterwasserschiff mit effektiven Anhängseln, dazu ein zeitgemäß praktisches Rigg, das sind die Merkmale eines Projekts, das nicht zufällig an die 2008 vorgestellte „Wallynano“ und die im Mai auf SR vorgestellte „Essence 33“ erinnert.

Die in ungewöhnlichem Rosa lackierte Wallynano floppte. Es blieb bei drei von Nedship im türkischen Antalya und der Cantiere Roma in Italien gebauten Booten. Was auch am Missverhältnis vom Preis zur Qualität lag. Das smarte, mit dem Charme klassischer Kutter spielende Design und eine kesse Farbwahl reichten nicht. Ein ab 215 Tausend Euro aufwärts angebotener Daysailer muss auch mit einwandfreiem Bootsbau überzeugen.

Handlicher Daysailer

Wally Nano

Die Entwicklung des Lütje Daysailers wurde von der 2008 vorgestellten Wallynano inspiriert, geht aber gestalterisch einen anderen Weg © Wally

In den vergangenen Monaten hat sich das Konstruktionsbüro Judel/Vrolijk & Co und die Lütje Werft auf Wunsch eines Lütje-Kunden mit dem Thema „handlicher Daysailer in traditionellem Gewand“ beschäftigt. Herausgekommen ist ein Projekt, das sich mehrfach von der „Wallynano“ und der „Essence 33“ unterscheidet.

Es ist zunächst einmal praktisch. Wie in unseren Gewässern üblich, gelangt man über den Bug an Bord und kann auch vorwärts damit anlegen. Es bekommt nämlich keinen Klüverbaum verpasst.

Auch lässt sich unterwegs bei wechselndem Wind das passende Vorsegel setzen. Denn der Segelwechsel wird an Deck um Welten einfacher und sicherer, als auf dem Klüverbaum hockend. Auch die Spielerei der achtern umlaufenden Schanz im Stil der Kutter des „Royal Yacht Squadron“ gibt es nicht. Das Wasser läuft ohne Speigatten vom Achterdeck ab.

Retro-Daysailer mit Cupper-Großschot

Lütje Yachts

Ansehnlich geformtes Holz und das moderne Deckshaus mit farblich hervorgehobener Dachlinie zeichnen die Lütje 33 aus © Lütje Yachts

Auch sonst soll die „Lütje 33“ ein praktisches, modernes Boot werden. Von gestern ist einzig die Anmutung des über Wasser sichtbaren Rumpfes mit seinem steilen Steven und dem achteren Überhang, dessen Linien eleganter gerieten als bei der hinten fülligen „Essence“.

„Segelspaß und Einhandtauglichkeit waren neben der charmanten Anmutung unsere zentralen Vorgaben für das Boot. Die Schoten der Selbstwendefock sowie die Großschot werden in Griffweite des Steuermanns an den steuer- und backbordseitigen Winschen geführt“, erklärt Werftinhaber Böhm.

Die Großschotführung zum effizienten und flinken Segeltrimm wurde übrigens 1981 von Judel-Vrolijk für den Admiral’s Cupper „Düsselboot“ entwickelt und ist seitdem als sogenanntes „German Cupper System“ bekannt. Bei der „Lütje 33“ werden beide Schoten elegant unter Deck zu den Winschen geführt.

Lütje Yachts

Das Panorama-verglaste Dach soll von vorn bis zum Schiebeluk Licht hinein und neugierige Blicke draußen lassen. © Lütje Yachts

Raffiniertes Deckshaus-Design

Gestalterisches Highlight wird der markante Aufbau. „Dessen farblich abgesetzte Schulter kontrastiert das dunkle Mahagoni der Aufbauseite, die wie bei klassischen Booten bis neben den Mast geführt wird und den Aufbau optisch streckt“ erläutert Designer Jan Kuhnert vom Bremerhavener Büro Judel/Vrolijk & Co.

Er ähnelt dem beinahe vergessenen „Mastgarten“, wie man ihn von klassischen  Jollenkreuzern und Yachten her kennt. „Diese Form setzt den Mix aus klassischer Anmutung und zweckmäßig modernen Linien des Rumpfes auch an Deck fort“ meint Kuhnert.

Lütje Yachts

Die bis neben den Mast gezogene Dachlinie streckt den Aufbau optisch. Das große Steuerrad wird anstelle einer Pinne als Option erhältlich sein © Lütje Yachts

Die Schultern korrespondieren farblich mit dem Zierstreifen über dem Wasserpaß und der Fußleisten-Außenkante. Beim gezeigten Rendering sind sie passend zum blauen Rumpf weiß. Abhängig von der Farbwahl für den Rumpf ergeben sich interessante Möglichkeiten von klassisch dezent bis hin zu ausgefallenen Kombinationen.

Abweichend von dem gezeigten Rendering kommt das durchdachte Boot werftseitig mit einer Pinne, Alumast und 14 PS Yamaha mit Saildrive daher. Auf Wunsch gibt es das Boot auch mit der gezeigten Radsteuerung und weiteren Extras.

Nicht gerade ein Raumwunder

Es versteht sich von selbst, dass dieser für’s Auge und zum Segeln gedachte Daysailer nicht alles bieten wird, was 33-füßige Raumwunder heute versprechen. Die „Lütje 33“ ist für schöne Segelstunden zum Feierabend, am Samstag- oder Sonntagnachmittag auf dem Wasser gedacht. Dennoch dürfte es zwei Personen für ein stilvolles Segelwochenende oder eine Woche in der dänischen Südsee Unterschlupf bieten. Stehhöhe und fließend warm Wasser gibt es ja ganzjährig daheim und zwischendurch auch an Land.

Die „Lütje 33“ dürfte ein edles, raffiniertes Segelspaßboot werden, das man sich lange ansehen und mit Genuss segeln kann. Wer sich mehr Wumms für’s Leichtwindrevier oder Raumschotskurse wünscht, kann die „Motorisierung“ (wenn auch stilbrüchig) mit einem modernen Fat-Head-Großsegel und seitlich aus dem Vorschiff ausfahrbarem Gennaker Rüssel aufmotzen.

Wally Nano

Die Wallynano kam mit rauchverglastem Deckshaus und starrem Küverbaum, der das an Bord gehen vorn und das Anlegen vorwärts erschwert © Wally

Nun muss sich bloß noch jemand derart für das Projekt begeistern, das Jan-Hendrik Böhm und seine Bootsbauer am ehemaligen Hamburger Holzhafen die Mallen aussägen und aufstellen können. Dabei muss die Werft dem Interessenten nicht das Blaue vom Himmel versprechen. Lütje hat mit gediegenen Einzelbauten für anspruchsvolle Eigner bewiesen, das sie Qualität und stilistisch ausgefeilte Boote liefert. Siehe die 40-kn Hochgeschwindigkeitsmotoryacht „Feara“ oder die „Marlene“.

Für die „Lütje 33“ spricht auch der Werftstandort Hamburg. Da kann der Auftraggeber ab und zu ohne große Umwege bei der Baustelle nach dem rechten schauen und überweist die fälligen Raten nicht ins Ausland mit unklarer bis wackeliger Rechtslage.

 

Technische Daten der Lütje 33

Länge 10,20 m
Breite 2,70 m
Tiefgang 1,80 alternativ 1,60 m
Motor 14 PS Yanmar Saildrive
Dieseltank 40 Liter
Verdrängung circa 2,8 t
Ballast 1 t
Ballastanteil circa 36 Prozent
Am Wind Besegelung 47 qm
Gennaker 60 qm
Konstruktion Judel/Vrolijk & Co.
Werft Lütje Yachts
Ausstattung: Jefa-Steuersystem, AWL Grip Lackierung, 2 Batterien, darunter 140 Ampere Bordnetz, LED Positionslampen, Windinstrument, Wegerung im Vorschiff, V-Koje im Bug und Salonpolstern, 2 Andersen ST 40 Winschen, Vorsegelrollanlage, Selbstwendefock, Zweisalings-Alumast, Dyform Wanten, Triradial geschnittene Segel
Preis: 283.000 €

 

Lütje Werft

Die 1956 am ehemaligen Hamburger Holzhafen gegründete Lütje Werft baute Segelyachten wie den 41-Füßer „Bird of Dawning“, den 70-Füßer „Yasooda“ oder den 47-Füßer „Marlene“.

Unter der Leitung von Thomas Lütje und Mitwirkung von Böhm entstanden Motoryacht-Sonderanfertigungen der „Classic Coaster“ Range, anspruchsvolle Einzelbauten wie die 40 Knoten schnelle „Feara“ für einen namhaften deutschen Eigner, nostalgische Edelbarkassen wie die 50-füßige „Georgia“.

Neulich übernahm der langjährige Mitarbeiter Jan-Hendrik Böhm den Betrieb, der vergangenes Jahr die Edelbarkasse „Elbe 33“ baute und eine kleinere 28- Fuß Schwester vorstellte.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Lütje 33: Hübscher Edel-Daysailer aus deutschen Landen“

  1. avatar x-claim sagt:

    Einiges gefällt mir an dem Design, anderes nicht. Bei 283.000€ für 10,2 Meter Schiff gehe ich doch lieber direkt zum Konstrukteur und lasse mir zeichnen, was mir zu 100% gefällt…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

    • avatar JB sagt:

      Gut, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt!
      Mir gefällt das Boot sehr gut.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  2. avatar Sid Vicious sagt:

    Wann dürfen wir mit der Vollzugsmeldung rechnen?

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  3. avatar Ketzer sagt:

    Hahaha, Downgrading bei fixem Preis, alles klar. Einfach nur lachhaft.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

  4. avatar Alex sagt:

    283k EUR für einen 33ft Daysailer und dann keinen Kohlemast?
    Da sollte dann keine Toleranz größer als 0,1mm sein um den Preis zu rechtfertigen.

    Oder es ist nur ein Marketingpreis um aus der Kiste ein “Snob-Produkt” zu machen?

    Na ja, wer sich aktuell wegen der Reichensteuer sorgen macht, für den ist das sicher eine Größenordnung vergleichbar wie bei uns, wenn wir uns Gedanken über eine neue Fock machen.

    Aber nett schaut das Teil ja aus!

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  5. avatar Alex2 sagt:

    Gibt es schon. Nennt sich Trias und ist gebraucht im guten Zustand für ca. 15.000 zu haben (mit Holzdeck etwas mehr).
    Hat zwar keine Schlupfkajüte, aber für die Differenz im Kaufpreis kann man sich bestimmt ganz tolle Unterkünfte im Zielhafen mieten, falls man tatsächlich mal einen MEHRTÄGIGEN Wochenendtörn nicht nur plant sondern auch durchführt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 4

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