Mega-Yachtbau Video: Jongert zeigt 105 Fußer 3200 P a la Wally

Entstehung eines Riesen

Die holländische Jongert Werft stellt mit ihrer neuen 32 Meter Slup ein Patchwork Boot mit Deckhaus und Heckterrasse a la Wally vor. Ein Video gibt Einblicke in den Bauprozess.

Jongert

So kennt man Jongert Yachten, hier die 40 Traditional © Jongert

Jongerts das waren in den siebziger Jahren diese koggenartigen Zweimaster mit holzvertäfeltem Achterkastell, angehobener Poop und goldener Schiffsglocke am Besan. Große Pötte mit Klüverbaum und Galeonsfigur für vermögende Rheinländer, die mal eben in 2 1/2 Stunden zu ihrer privaten Robinsonade nach Mallorca düsen. Wo anstelle der Kanonenpforten Fenster in den weiß gestreiften Rumpf eingelassen sind. Diese Operettenschiffe segelten wie Betonmischer.

Nun sind die goldenen Jahre vorbei, als Herbert Dahm die holländische Werft mit seinem Vertriebstalent groß machte und die behäbigen Stahlpötte weggingen wie Altbier und Kölsch zum Feierabend. „T“ wie gewollt Traditionell ist nicht mehr gefragt. Jongert setzte mit Erfolg auf die modernere Cruising „C“ Serie.

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Die neue Jongert 3200 P soll mit viel Komfort, mit Deckssalon, Gästeplicht, separatem Steuerstand und Heckterasse a la Wally segeln © Jongert

Prominente Manager wie VW Patriarch Ferdinand Piëch oder der United Internet Gründer  Ralph Dommermuth segeln moderne Jongert-Yachten. Auch die größte, bislang gebaute Jongert, eine 45 m Slup im traditionellen Look, scheint einem Eigner aus dem deutschsprachigen Raum zu gehören. Sie heißt „Wellenreiter“.

P wie Performance

Heute gehen große Yachten nur, wenn da ganz groß „P“ wie Performance drauf steht. Deshalb schweißt der holländische Metallbaubetrieb jetzt die Jongert 3200 P. Mit ihrem Panorama-verglasten Deckshaus und der achtern ins Schippen-artig offene Heck eingelassenen Veranda vor der Eignerkajüte ist sie ein echtes Patchwork Boot.

Insider kennen diesen direkten Zugang zum Meer von den Wallys. Luca Bassani dachte sich diese Variante gemeinsam mit Konstrukteur German Frers und der südenglischen Werft Green Marine anlässlich seiner 88 Füßer „Tiketitan“ (1998) und „Tiketitoo“ (2001) aus.

Jongert

Der Deckssalon des neuen Modells soll viel Licht herein lassen © Jongert

Bei diesen Booten wurde der wertvolle Platz mittschiffs vom Kielmanagement (dem sperrigen Neigekielmechanismus bei „Tiketitan“) und dem Motorraum in Anspruch genommen, weshalb Bassani aus der Not eine Tugend machte. Er packte den Salon ins Heck vor einen verglasten Spiegel.

Wally Seeterrasse

Daraus wurde dann die Wally-Seeterrasse mit direktem Zugang aus der Eignerkajüte. Die Sache ist so pfiffig, das sogar mal eine mittelgroße Swan im Auftrag eines norddeutschen Eigners mit dieser Lösung entwickelt wurde. Nachahmen ist einfacher als sich sowas selbst ausdenken.

Jongert

Fenster in der Bordwand sind heute obligatorisch, die Seeterasse a la Wally setzt jetzt auch in Holland durch © Jongert

Bei der 32 m Jongert, wie sie gerade am IJsselmeer entsteht, sind in der Heckterrasse zwei Bänke an Back- und Steuerbord vorgesehen. Wie bei den richtig großen Wallys ist die Eignerkajüte achtern so tief unterhalb der Terrasse eingelassen, das man morgens beim Aufwachen leider nicht aus dem King- oder Queensize Doppelbett nach achtern aufs Meer gucken kann. Man muss dafür extra aufstehen.

Diesen Nachteil wird der Eigner der Bootes eher verschmerzen als die Tatsache, das es sage und schreibe hundert Tonnen Wasser beiseite schiebt. Beladen und mit vollem Tank deutlich mehr. Mit einer Segeltragezahl von 4,9 wird das Schiff in der mediterranen Thermik, wie sie im Hausrevier der Jongerts nun mal üblich ist, leider elendig parken. Da wird der Hybridbetrieb „träges Dümpeln“ oft durch „flottes Dieseln“ ersetzt werden.

 

Jongert 3200 P das Boot

Länge: 32 m
Breite: 8,87 m
Tiefgang: 4 – 6 m
Verdrängung leer: 97,5 t
Baumaterial: Alustar Aluminiumlegierung
Rumpfgeschwindigkeit: 12,6 kn
Mast und Baum: Karbon
Groß: 262 qm
Fock: 250 qm
Code Zero: 463 qm
Stagsegel: 109 qm
Gennaker: 731 qm
Konstruktion: Doug Peterson
Interieur Design: Rhoades Young

Jongert Geschichte

1953 beginnt Jan Jongert mit dem Bau kleiner Motorboote. 1961 werden die ersten Segelyachten vom Typ „Trewes“ und „Zwalker“ geschweißt. 1969 Auftakt der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Herbert Dahm. Die sogenannte Traditional-Linie wird aufgelegt und die Schiffe werden konsequent als Jongerts vermarktet. Anfang der achtziger Jahre entsteht mit Herbert Dahms „Mephisto“ die erste Aluminium Regattayacht von Jongert: ein komfortabel ausgestatteter Maxi. Mitte der neunziger Jahre wird der Faltkiel zur Tiefgangsreduzierung der immer größeren Jongerts entwickelt. 2003 übersiedelt der Betrieb von Medemblik zum Waterpark Wieringermeer direkt am Isselmeer. 2007 steigt Jongert mit einem 39 m Schiff in den Bau großer Motoryachten ein. Zwei Jahre später übernimmt die holländische VeKa Gruppe die seit einer Weile strauchelnde Werft. 2012 wird mit der Entwicklung der 3200 P die sogenannte Performance Linie eingeführt. Jongert  blickt auf 325 Motor- und Segelyachten aus Stahl oder Aluminium zurück.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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Ein Kommentar „Mega-Yachtbau Video: Jongert zeigt 105 Fußer 3200 P a la Wally“

  1. avatar Brigitte sagt:

    Leider können die meisten “normalen” Menschen von solchen Yachten nur träumen. Ob aus Deutschland oder den Niederlanden, zig Millionen sind für solche Luxusyachten fällig. Deutlich günstiger sind hingegen Anbieter aus China. Habe hier einen interessanten Artikel darüber gefunden http://www.luxusyacht-kaufen.de/?page_id=1136 Auf der Seite wird es in Kürze auch bald viele Hersteller und Produkte aus der ganzen Welt geben. Sowohl für Reiche wie auch Wassersportfreunde mit kleinerem Geldbeutel ist da sicher was mit dabei.

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