Superyacht: Von der Motoryacht zum 105 Meter Klopper mit Dyna Rigg

Besser als Dauerdieseln

Die holländische Werft Oceanco, bisher bekannt für sehr große Motoryachten, baut ihren ersten Segler, eine 105 m Yacht mit Dynarigg a la „Maltese Falcon“.

Dykstra

Der Rohbau des 105 m Seglers unterwegs zur Werft © Dykstra Naval Architects

Wir Segler wissen es schon lange: Motorboote machen Krach, müffeln und sind eigentlich nur teuer. Sie vibrieren. Sie schaukeln. Ihre CO2 Bilanz ist schlimm. Das Aufregendste ist das Ablegen. Danach möchte man möglichst schnell ankommen. Zu viel Lärm,  Geschaukel und Gestank.

Jeder Segler, der bei achterlichem Wind mal durch die Pestilenz permanent wabernder Abgase getuckert ist, weiß wie grausam Dauerdieseln ist. Eine Art Strafe. Motorboote machen das Meer zur schnurstracks zu querenden Piste. Langsam fahren kostet weniger, ist aber langweilig. Mutwillig unnötige Kurven oder im Kreis fahren hilft vorübergehend. Es geht aber auf Dauer auch nicht.

Man muss wenig können außer bezahlen

Andererseits haben Motorboote schon ein paar Vorteile. Man muss für ihren Betrieb wenig können außer sie bezahlen. Das Ding mit eingelegtem Gang und ohne Festmacher vom Liegeplatz ziehen und ab und zu an der Tanke längsseits gehen lässt sich rasch lernen.

Zum Tanken müssen bloß die Knallbüdel (Fender) in der richtigen Höhe mit einem gescheiten Seemannsknoten angebunden und die Festmacher rüber gereicht werden. Große Motorboote mit mehreren Decks sind komfortabel wie Kreuzfahrtschiffe. Es gibt reichlich Platz.

Verglaster Pool

Dykstra

Nur im Hafen ist Ruhe. Der Oceanco-Werftbau ‘Vibrant Curiosity’ von 2009 in Flensburg. Fünf Decks auf 85 m © Wikipedia/Ztarbreaker

Zum Beispiel an Bord der „Vibrant Curiosity“ des schwäbischen Schraubenhändlers Reinhold Würth beispielsweise finden neben dem Eigner 14 Gäste in komfortablen Kajüten Platz. Der 85 m lange und 14 m breite Fünfdecker hat mittschiffs ein verglastes Atrium und achtern einen von unten einsehbaren Pool. Keine Ahnung wozu man sowas braucht. Wird wohl aber schon irgendeinen Zweck haben.

Nach 5.500 Meilen bei zahm gefahrenen 14 Knoten sind 284.500 Liter weg. Dann haben die beiden 16-Zylinder mit jeweils 4.680 PS den Sprit verfeuert. So viel bunkern dauert. Das nervt. Es kostet.

Beim üblichen Spritpreis kriegt man für 1 x volltanken ne Eigentumswohnung oder eine umfänglich ausgestattete Dehler 46  – oder drei regattaklare Drachen mit gescheitem Harbeck-Trailer.

105 Meter Motorsegler zum Spritsparen

Die gute Nachricht für die Würths unseres Planeten:  Die Tankintervalle lassen sich mit einem Motorsegler deutlich strecken. Dazu muss bloß auf zwei Decks, das Atrium und den Pool achtern verzichtet werden. Die neue bei Oceanco gebaute Yacht wird mit 105 statt 85 m dafür deutlich länger und schnittiger als die  „Vibrant Curiosity“. 344 Füße machen im Hafen mehr her.

Die Arbeit mit den lästig schweren Segeln, Setzen, Trimmen, Reffen, Bergen bleibt dankt Dynarigg im Rahmen. Das ist seit dem vielbeachteten Prototypen „Maltese Falcon“ ein Klacks.

Und die Rahen des Segelroboters sind ein Hingucker. Sie sehen aus wie eine moderne Skulptur. Schön beleuchtet kann man sich die mit einem Cocktail in der Hand abends vom Deck aus mal ansehen.

Erfahrung mit großen Segelflächen

„Dank der Entwicklung von Schiffen wie „Maltese Falcon“, dem 90 m Schoner „Athena“ und der 56 m langen Rainbow Warrior III haben wir Erfahrung mit der Handhabung großer Segelflächen,“ berichtet Thys Nikkels von Dykstra Naval Architects   in Amsterdam.

Wie bei sehr großen Yachten üblich ist der Rumpf aus Stahl, der Aufbau aus Aluminium. Abgesehen davon, daß der Rohbau fertig ist und das Schiff im Frühjahr 2016 in Betrieb genommen werden soll sind leider keine Einzelheiten in Erfahrung zu bringen.

„Auch bei großen Yachten zeichnet sich ein Trend zum umweltfreundlicheren Segler ab“ berichtet Nikkels. „Der braucht weniger Sprit und nutzt die Wind- und Sonnenenergie“. Na, ist doch prima wenn sogar die Würths unseres Planeten mit ihrem Spielzeug noch die Kurve kriegen. Das Atrium und den Pool haben die doch daheim schon. Weglassen!

Eigentlich ist es zum Segeln nie zu spät. Es macht keinen Krach, müffelt nicht, kostet weniger und macht Spaß.

Die Mega-Yacht Werft

Oceanco ist eine vergleichsweise junge Werft. 1987 begannen Geschäftsleute aus Südafrika, Motoryacht-Rohbauten in Holland fertig zu stellen. Unter der Führung eines Griechen konzentierte sich die Werft 2002 auf Motoryachten der 80 m Plus Range. Der Betrieb befindet sich in Ablasserdam etwa 20 km von Rotterdam. Oceanco hat Konzepte von 80 bis 120 m in der Schublade, verfügt über eine geheizte 145 x 45 m Halle und liefert jährlich zwei große Yachten aus. Kunden werden von einem Design- und Verkaufsbüro in Monaco betreut.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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13 Kommentare zu „Superyacht: Von der Motoryacht zum 105 Meter Klopper mit Dyna Rigg“

  1. avatar Kluchschieter sagt:

    Haha, wofür mein einen von unten einsehbaren Pool braucht? Ich schmeiss mich weg!!
    Ein Schelm der böses dabei denkt.

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    • avatar Klaus sagt:

      Das brauchen die Leute, die auch Löcher in die Trennwänder öffentlicher Klos bohren.

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      • avatar Kluchschieter sagt:

        Muss ja einen Grund haben warum solche Kutter gerne auch mal Pornobratzen genannt werden 🙂

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  2. avatar Tom sagt:

    Also meine Segelei müffelt ab und zu schon mal…

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  3. avatar Heinrich sagt:

    Ich glaube nicht, dass die Nachfrage groß sein wird. Denn diese Motorbratzenfahrer wollen doch genau Lärm und Abgase verbreiten, denn das klingt so schön stark, mächtig und männlich.

    Und täuscht über die eigene Unsicherheit und den kleinen Schwanz hinweg. Das gleiche kann man doch auf unseren Straßen beobachten.

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    • avatar Piet sagt:

      Finde ich ziemlich pauschal was du so sagst.

      Ich fahre z.b. mittelklasse, habe ich dann auch einen durchschnitts Dödel?
      Und kleinwagen-fahren habe immer den größten?

      Ich denke es geht immer darum ob man sich sowas leisten möchte / kann.

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      • avatar RMM sagt:

        Dann bestelle ich mir wohl jetzt meinen Smart.

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      • avatar Heinrich sagt:

        Tschuldige, aber Dein Mittelklassewagen läuft für mich in der Nutzfahrzeugliag. Ich rede eher so von Porsche, Maserati und dgl. Mindestens V8, besser V12 mit Verbrauch >20l muss es schon sein

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  4. avatar dubblebubble sagt:

    Daß das Teil wie für Boris Jelzin designed aussieht – vulgo: Scheissoptik – stört wohl keinen?

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    • avatar Heini sagt:

      Vor allem stört es nicht die potentiellen Kunden. Guck Dir die Perini Navis an, sehen alle Scheisse aus, trotzdem über 50 % Marktanteil bei den großen Pötten.

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  5. avatar Marco sagt:

    Wer sich eine so grosse Yacht leisten kann, dem ist Geld fürs Tanken eh egal und fällt unter “Kleingeld”. Daher denke ich, dass es ein eher segelbegeisterter Käufer sein wird.

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