Wally Cento Superyacht: 100 Fußer “Magic Carpet 3” für ex Rennfahrer Lindsay Owen

Fliegender Teppich

Baunummer zwei der neuen Wally Cento Klasse debütierte bei der Palmavela vor Mallorca. Lindsay-Owens neue Wally beweist: es geht eben auch ohne Gimmicks und Gadgets.

Wally Magic Carpet

pen für das hydraulische Schotmanagement: Die Baunummer 2 der neuen Wally Cento Klasse. Mit diesem aufgeräumten Cruiser-Racer findet Wally wieder auf seine Spur zurück © Jesus Renedo/Wally

Es ist etwas ruhiger um die monegassische Edelmarke Wally geworden. Die Zeiten, als Luca Bassani zwei Boote gleichzeitig auf eigene Rechnung bauen ließ, König Juan Carlos unter dem Targabügel seiner zweiten „Wallygator“ gesehen wurde, oder Bassani es mit seinem 50 Knoten Batmannboot, der „Wally Power“ unübersehbar krachen ließ, die schillernden neunziger Jahre sind vorbei.

Nach dem abgefahrenen und nicht realisierten Rendering eines Palmen-bepflanzten Kümos (Wally Island) oder des Deltaförmigen schwimmenden Objekts namens „Why“ baut Wally neben den markanten Tendern neuerdings behäbige Verdrängermobos wie die „Wally Ace“. Übrigens nicht ganz erfolglos, wie der derzeitige Bau zweier weiterer Exemplare dieses pfiffigen 26 m Konzepts beweist.

Wally Magic Carpet

Mit der neuen Wally Cento Klasse verabschiedet sich Wally von den Gadgets und Gimmicks und konzentriert sich mit bewährtem Hubkiel und dem Fokus auf eine gewichtsparende Bauweise auf zentrale seglerische Gesichtspunkte © Jesus Renedo/Wally

Die geplatzte New Economy Blase, die Attacke auf das World Trace Center und weitere Erschütterungen des Wirtschaftslebens haben auch in Monaco und an den sonnigen Küsten des Mittelmeeres Bremsspuren hinterlassen. Auch im Luxussegment des Yachtbaues kämpft die Branche ums Überleben. Werften fusionieren oder werden sang- und klanglos geschlossen.

Hinzu kommt, dass Bassani nach dem Abfackeln seines viel bewunderten aber eben auch kostspieligen Ideenfeuerwerks mit Wally endlich Geld verdienen muss. Die Privatschatulle der vermögenden lombardischen Unternehmerfamilie steht für weitere Experimente nicht mehr zur Verfügung.

Die Ende 2010 bekannt gegebene Beteiligung des Investors Archimedia hat geholfen. Doch ist die Geschäftsführung von John Hunt seit Februar 2012 bereits wieder Geschichte. Wally überwintert, backt kleinere Brötchen und liefert dennoch bemerkenswerte, selbst gedachte und eigenwillige Boote wie die vergangenes Jahr aufgetakelte 50 m Slup „Better Place“.

Lindsay-Owens dritte Wally

Teil von Bassanis cleverer Markenführung – man muss im Gespräch bleiben – ist die neue Wally Box Rule einer 80 und einer 100-Fuß Klasse. Sie lässt dem Eigner mit der Wahl eines Konstrukteurs seiner Wahl und auch einer Werft nach eigenem Gusto genug Platz für persönliche Vorlieben und – in dieser Liga ganz wichtig – das eigene Ego.

Er kann, muss aber nicht von Wally bauen lassen. Das Konzept funktioniert, siehe die Wally Cento namens „Hamilton“, ein Green Marine Werftbau nach Plänen von Judel/Vrolijk im vergangenen Jahr  und die soeben in Betrieb genommene Nr. 2 namens „Magic Carpet 3“.

Es ist die dritte Wally gleichen Namens für Eigner Sir Lindsay Owen-Jones und er berichtet begeistert vom Regattadebüt bei der Gaastra Palmavela: „Gerade mal zwei Wochen nach Inbetriebnahme des Bootes haben wir sämtliche Wettfahrten souverän mit fünf bis zwanzigminütigem Vorsprung gewonnen.

Wally Cento Magic Carpet

Mit 640 qm am 46 Meter Mast lief die dritte Magic Carpet anläßlich der Palmavela vor Malloca gut. Die Begegnung mit Hamilton, einem Green Marine Werftbau von Judel/Vrolijk steht noch aus © Jesus Renedo/Wally

Magic Carpet 3 ist eine schöne Bestätigung nach zweijähriger Beschäftigung mit dem Projekt“ berichtet der frühere englische Autorennfahrer und ehemalige Boß des Kosmetikkonzerns L’Oréal. Auch bei der Farbwahl ist der Eigner sich mit einem schlicht blauen Boot und einem weißen Aufbau – diesmal den Flanken der Klappen für das hydraulische Schubgestänge des Magic Trim Schotmanagements – treu geblieben. Eine Wally geht eben auch klassisch ohne Flipflop-Lackierung mit Chamäleon-Metallic Effekten!

Deutlich schneller als “alte” Wally

Komplett zum Fahrtensegeln ausgestattet soll die Segelleistung ganze zwei Prozent unter der aktueller Nettomaxis wie „Esimit Europa 2“ liegen und im Vergleich zu einer herkömmlichen 100 Fuß Wally in einer anderen Liga segeln. Die neue Wally Cento soll vor dem Wind zehn Prozent, und bei halbem Wind bis ein Drittel schneller sein. „Sie springt wunderbar an und ist nach der Wende innerhalb von zwanzig Sekunden wieder im alten Tempo“ wird berichtet.

Luca Bassani bezeichnet die Wally Cento „als Inbegriff, als DNA“ seiner Segelyachtrange. Dank laminieren in gefrästen Formen und Hightech Materialien soll das Gewicht unter 50 Tonnen geblieben sein. Die Bauweise reduzierte den Spachtelanteil und ergab im Vergleich zu gleich großen Wallys wie „Y3K“ oder „Indio“ ein deutlich leichteres Kasko.

Mit der Wally Cento nimmt Bassani Abschied von Gadgets und Gimmicks wie Neigekiel und zahlreichen, durch den Rumpf geschobenen Schwertern, die German Frers bei „Tiketitoo“ damals verzweifeln ließ. Eine weniger experimentierfreudige Ausstattung der Boote und die Besinnung auf wartungsärmere Systeme, die praktisch immer funktionieren, werden den Eigner und vor allem seine Crew freuen, die das alles im technikfeindlichen Salzwasserklima in Schuss halten muss.

„Ich glaube jeder Segler träumt von einem State of the Art  Regattaboot, mit dem man gewinnen und den August mit der Familie an Bord verbringen kann“ sagt Bassani. Das war das Konzept seiner ersten Wallygator, dem 25 Meter langen, IOR und IMS vermessenden Sangermani Werftbau von 1991.

Spannendes Duell mit “Hamilton”

Die anstehende Begegnung der Judel/Vrolijkschen Wally Cento „Hamilton“ mit der Reichel/Pugh Konstruktion „Magic Carpet 3“ dürfte ein interessantes Duell werden. Der 100 Fuß Klasse selbst sind als vergleichsweise vernünftigem, weil vielseitigem Konzept weitere Neubauten zu wünschen. Es wäre schade, wenn der clevere Charmeur und Yachtkonzeptionist Luca Bassani sich künftig ganz den Mobos oder besegelten Kümos mit pagodenförmigem Aufbau zuwenden würde.

Wer möchte bei der Wally Cento nicht auf der hohen Kante hocken – wenn es unbedingt sein muss auch mit weißer Hose zum blauen Blouson – oder am Rad stehend über das Flugzeugträgerbreite Deck auf das gleißende Mittelmeer gucken? Der Silberpfeil „Hamilton“ oder die noble blau-weiße „Magic Carpet 3“ sind verdammt coole Kisten.

 

Wally Cento „Magic Carpet 3“

Baunummer 2 der Wally 100 Boxrule
Länge: 30,47 m
Breite: 7,20 m
Tiefgang (Hubkiel): 4,40 – 6,20 m
Verdrängung: 50 t
Am Wind Besegelung: 640 qm
Raumschotsbesegelung: 1.420 qm
Mastlänge über Deck: 46 m
Auarüstung: zehn Harkenwinschen, Groß- und Selbstwendefockschot mit Cariboni/Caritec Magic Trim
Konzept: Wally/Luca Bassani
Konstruktion: Reichel/Pugh
Gestaltung Exterieur und innen: Wally/Luca Bassani
Werft: Wally Europe Italien
Klassifikation der Struktur: Germanischer Lloyd
Bauweise: Prepreg mit high bis intermediate modulus Karbon, Interieur aus Nomex Waben
Teakdeck mit Titanbeschlägen
Rigg: Southern Spars  aus hochmodularem Karbon mit gepfeilten Salingen und V-förmigem Baum; Fathead Großsegel mit doppelten Push-Button Achterstagen
Maschine: 350 PS  mit einziehbarem Propeller
max Fahrt unter Maschine: 11 kn
Tank: 1.500 l Diesel, 1.500 l Frischwasser
Seewasserentsalzer für 100 l die Stunde
Aufteilung: Eigner-, zwei Gäste- und zwei Crewkabinen

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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8 Kommentare zu „Wally Cento Superyacht: 100 Fußer “Magic Carpet 3” für ex Rennfahrer Lindsay Owen“

  1. avatar Marsha sagt:

    Sechsmeterzwanzig Tiefgang: geht das noch auf der Elbe? 🙂

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    • avatar ganesha sagt:

      im fahrwasser schon…(durchschnitt 10.5-12m bei MHW); nur zwischen den staks wirds
      gar nix…..und nur da kann man bei ggl tide meter machen, nichwahr?

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  2. avatar Erdmann sagt:

    och, wenn Du schön in der Mitte bleibst sind 6,20 kein Problem. Für Elbsegler ist die WallyCento aber nicht direkt gedacht, obwohl man da im Unterschied zu manchem Deckssalon Boot schön nach vorn gucken kann.

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  3. avatar Jan-X sagt:

    Höhö, das Ding beim Blauen Band der Niederelbe. Am besten unter Yardstick (43 oder so). Aber im Ernst: kann Sie Rambler, Leopard oder Esmit schlagen?

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    • avatar Stefan sagt:

      …darum geht es bei den wally cento nicht. Hier geht es um eine Konstruktionsklasse, die vergütungsfrei gegeneinander segeln können.

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  4. avatar Erdmann sagt:

    das dürfte für einen Fest(hub)kieler mit Interieur zum Fahrtensegeln schwer werden gegen Boote, die mit Neigekiel, Wasserballast und herausgenommenem Kajütausbau starten.

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  5. avatar G54 sagt:

    Trotzdem sauschönes Schiff !

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