Wally Yachts: Dritte Wallycento im Bau – Wie es um die Edel-Marke bestellt ist

Lebenszeichen von Wally

Vom Yachtbauträger zur Werft

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Regattataugliche 100 Fuß Grenzmaßklasse mit Salon für zehn, Bugstrahler und Fenstern über dem Falz in der Bordwand © Wally

Nach dem Bau der ersten Wally Yachten durch verschiedene Werften und Entwicklung der Motoryachtrange wurde Wally vom Yachtbauträger zur Werft mit Betrieben im tunesischen Bizerta (WMagic), der Toskana und im italienischen Fano (Wally Europe).

Das tunesische Kapitel ist beendet. Der Betrieb in Fano, wo 2006 die 44 m Slup „Esense“, zwei Jahre später die 45 m lange „Saudade“ und 2012 die  50 m lange „Better Place“ entstanden, wird derzeit „restrukturiert“, wie es in Monaco heißt. Das Projekt „Saudade“ ging für Wally nicht unbedingt erfreulich über die Bühne. Die November 2010 bekannt gemachte Beteiligung des Risiko Kapital Investors „Archimedia BVI“ ist Geschichte. Ein neuer Investor wird gesucht.

Wally backt kleinere Brötchen

Dennoch geht die Wally-Story weiter. Nur backt Bassani jetzt kleinere Brötchen. Den Bau großer Segelyachten, die Bedienung eines fragil kleinen Nischenmarktes, der eine Werft selten auslastet, leistet sich Wally nur noch ausnahmsweise, wie bei der im vergangenen Jahr von WallyEurope abgelieferten „Magic Carpet 3“.

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Bei der Judel/Vrolijk Konstruktion ‘Hamilton’ verschwindet die Box für den Hubkiel und den Mast neben dem leicht nach steuerbord versetzten Gang ins Vorschiff © Gilles Martin Raget/Wally

Die Wallycento, jene 30 Meter große Grenzmaßklasse zum Regattasegeln in der 100 Fuß Kategorie, wird eher als Wally bei anderen Werften gebaut. Der Beitrag von Luca Bassani dazu war die Entwicklung einer neuen Klasse und der Vertrieb des Konzepts durch Wally.

Alles andere überlässt der Wahlmonegasse dem Eigner, seinem Berater/Skipper, dem Konstrukteur und der Werft seines Vertrauens. Das ist clever, weil es dem Ego und der Experimentierfreude des Eigners Spielraum lässt. Denn für technisch interessierte Segler war es schon immer das Salz in der Suppe, das Boot selbst mitzuentwickeln. Das gehört zum Spiel in dieser Liga dazu.

Zugleich bleibt Wally damit in Seglerkreisen im Gespräch in der Hoffnung, dass sich das Blatt im Yachtbau und auch für Bassani wendet, und Wally selbst wieder interessante Segelboote bauen kann.

Dritte Wallycento bestellt

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Schöner Wohnen auf 100 Fuß. Blick aus der Navi-Ecke durch den Salon von ‘Magic Carpet 3′. Im Gang der Kasten für die Hubkiel und Mast © Guillaume Plisson/Wally

Nun freut sich Bassani über die Bestellung einer dritten Wallycento. Ein amerikanischer Eigner lässt sich das Schiff in die 100 Fuß Box Rule bauen. Wie bereits die erste Wallycento namens „Hamilton“ (2012) entsteht das Boot beim südenglischen Komposit-Spezialisten Green Marine. Gezeichnet wird es wie die zweite Wallycento „Magic Carpet 3“ vom kalifornischen Konstruktionsbüro Reichel Pugh.

Im Unterschied zu ihrer Vorgängerin wird der Neubau ein Ruderblatt statt zwei erhalten außerdem eine in Segelstellung einziehbare Propellerwelle und sogar ein Bugstrahlruder. Mit dem Bau des Bootes wurde bereits begonnen. Die Form zum Laminieren des Rumpfes soll im Januar fertig, der Rumpf bereits Mitte Februar sein. Im Juni 2015 soll aufgetakelt werden.

Bassani ist stolz auf die dritte Wallycento. Er sieht weiteres Potenzial in der von ihm geschaffenen Klasse: „Welcher Segler träumt nicht davon, mit der Geschwindigkeit eines Maxi zu cruisen und sich bei einer Regatta im Grand Prix Level mit vergleichbaren Booten zu duellieren?“

Regattataugliche Fahrtenboote

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Auch an ein Regal für die Nespresso Kapseln wurde bei ‘Magic Carpet 3′ gedacht © Guillaume Plisson/Wally

„Mit der Wallycento wurde eine neue Generation schneller, regattatauglicher Fahrtenboote geschaffen“ wirbt Bassani für seine neue Klasse. Je nach Kurs (Kreuz, raumschots oder bei achterlichem Wind segelnd) soll sich der Wallycento-Prototyp zehn bis 30 Prozent schneller als die früheren Wally Hundertfüßer „Y3K“ und „Indio“ zeigen. Die Yachten sind ist ein Viertel leichter und bieten mehr Decksfläche und Volumen unter Deck.

Übrigens entwickelt und baut Wally nach wie vor Boote, wenn auch Motorboote. Neulich wurde in Marina di Ravenna die zweite Wallyace, ein voluminös hochbordiger Verdränger eingewassert. Die Baunummern drei und vier werden bereits vorbereitet. Schon kurios, dass Bassani ausgerechnet mit diesem dicken Brummer Erfolg hat! Unnötig zu erwähnen, dass sich im Markt der Pocket-Superyachten mit gedrungenen Linien einige versuchen. Und natürlich sind auch die Nachahmer schon da.

Und ausgerechnet im norditalischen Erbusco bei der Maxi Dolphin Werft, wo Bassani mir vor zwanzig Jahren den Rohbau der „Genie of the Lamp“ zeigte, entsteht gerade die „Wallypower 55“. Auch die Pläne für einen 50-füßer als Nachfolger der 47 sind weit gediehen. Die Range reicht vom 13 m langen 40 Knoten Einsteigermodell Wallyone zum 22 m langen, bis zu 45 kn schnellen Wallypower 73.

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Blick in den Salon von ‘Magic Carpet 3’ © Guillaume Plisson/Wally

Mit den agilen und markanten Wallypower Tagesausflugsbooten und der behäbigen Wallyace Arche für verbummelte Buchtentage ist Wally, das einstige Enfant Terrible der Yachtbranche, in der Realität der Yachtbranche angekommen.

Da sind Luca Bassani, der die geerbte Freiheit auf seine Weise, mit unkonventionellen Ideen und endloser Begeisterung für neue Yachtkonzepte zu nutzen verstand, für 2014 noch manche dicke Pötte und markante Spritsäufer zu wünschen. Auch wenn die Mehrheit von uns da bloß zugucken kann.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

8 Kommentare zu „Wally Yachts: Dritte Wallycento im Bau – Wie es um die Edel-Marke bestellt ist“

  1. avatar Klaus sagt:

    “Das liegt an der geplatzten New Economy-Blase und weiteren Eintrübungen des Wirtschaftslebens. Sie hinterlassen seit einem Jahrzehnt heftige Bremsspuren in der Luxusgüterindustrie Yachtbau.”

    Die böse Wirtschaft und Ihre folgen auf die Superyachtbranche:

    2013 saw some interesting statistics for a supposedly downward turning industry.
    338 new superyachts were sold.
    79 Million was the most expensive.
    77m was the largest.
    180m was the largest launched.
    120m was the largest ordered.
    36m was the average length placed on order.
    235 superyachts were launched.

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  2. avatar Erdmann sagt:

    Klaus,

    1. die von mir erwähnte Entwicklung ist eine Tatsache, die nicht wegzureden ist. Wally hat vom Optimismus der New Economy profitiert. Dann platzte die Blase, kam 9/11 und so weiter. Doch das ist, wie im Artikel zu lesen, nur ein Teil der Geschichte.

    2. Deine Statistik ist ja ganz schön, nur bezieht sie sich überwiegend auf Motoryachten. Der Bau sehr großer Segelyachten war für Werften wie Abeking & Rasmussen beispielsweise entweder ein riskantes, zögernd wahrgenommenes Schaufensterprojekt – siehe „Extra Beat“, „Arrayan“ oder „Hetairos“ – oder wurde/wird, wie bei Lürssen – siehe „Twirlybird“ oder „Eos“ – nur ausnahmsweise gemacht.

    Große Werften bauen, wenn Sie erfolgreich sein wollen, sehr große Motoryachten. Das sind schon der Größe halber konventionelle, clever verpackte, mit Gadgets bestückte Verdränger. Die Branche nennt sich ‚Butterschiffe’. Butterschiffe gehen anscheinend immer.

    3. Zum Thema mittelgroße Segelyachten der 50, 80 oder 100 Fuß Kategorie:

    Sieh Dir mal die Produktbereinigung bei Nautor auf wenige, vergleichsweise konservative Modelle von 53 bis 115 Fuß an. Dazu den Versuch Ferragamos, eine eigene Motoryachtrange ins Laufen zu kriegen.

    Oder die Übernahme von Baltic Yachts durch die deutsche Firma Otto Bock: Den Versuch der Finnen das Geschäft mit Refits auch anderer Fabrikate abzupuffern, zugleich die gezielte Neuausrichtung auf Branchen, wo sich das abgefahrene Komposit Know How nun auch unterbringen lässt.

    4. Abpuffern: die holländische Royal Huisman Werft, hat längst eine Refitabteilung gegründet. Das ist mehr als Kundenbindung. Das ist laufendes Geschäft.

    Ein fehlender Großauftrag oder zwei fehlende kleinere Boote und es wird eng für solche Segelyachtspezialisten, die schon lange sehr gute Yachten bauen, einen Ruf, einen Namen haben. Also lassen die sich unterschiedliche Antworten einfallen.

    Wally überlebt mit Motorbooten und macht neuerdings jedes Jahr mit der nächsten Wallycento von sich reden.

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  3. avatar Christian1968 sagt:

    In jedem Fall mal wieder ein typischer Braschos-Artikel: einfach gut, superinteressant und mit Informationen, die zumindest ich sonst nirgends bekomme. Danke!

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  4. avatar x-claim sagt:

    Geht da nicht was durcheinander? Mit deinem Hinweis auf die geplatzte Blase der New Economy etc. deutest du doch an, das kein Geld da ist um solche Boote zu kaufen. Und Klaus listet auf, was so an Yachten im letzten Jahr verkauft wurde – egal ob Motor- oder Segelyacht: Geld ist da! Möglicherweise ist der Markt mit segelnden Superyachten übersättigt? Möglicherweise ist das Konzept des Herrn Luca Bassani doch nicht so genial?

    Wenn ich mir die Inneneinrichtung dieser segelnden Superyachten angucke, dann habe ich das Gefühl in der Designer Abteilung eines Möbelhauses zu stehen und nicht auf einer Yacht. Zum segeln sind diese Einrichtungen denkbar ungeeignet. Hierin unterscheiden sich auch Yachten wie Wild Oats und Wally. Die einen werden kompromisslos gesegelt, die anderen wollen auch im Hafen etwas “Her machen”. Das Problem ist meiner Meinung, das die Yachten alla Wild Oats immer schneller segeln werden als diese Yachten al’a Wallygator. Und ich kann mir nicht viele der potenziellen Kunden einer Wally vorstellen, die sich wegen des leckeren Cappuccino im eigenen Salon gerne vom Konkurrenten auf der Regatta-bahn überholen lassen.

    Das Wally Konzept funktioniert evtl. als Einheitsklasse – aber auch dort muss man sich dann die eigenen schwächen schön trinken. Man könnte auch sagen der schöne Schein der der Wallys hält nicht was er verspricht.

    Gehört hier evtl. nicht wirklich hin, aber: Neulich sah ich bei einem Yachtdesigner auf der Seite eine 44 Fuß Yacht mit 4 Kabinen und 4 (vier) Toiletten – natürlich für den Chartermakrt, aber ich frage mich ernsthaft – was soll son Mist?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

  5. avatar andreas borrink sagt:

    Man kann über über Bassani sagen, was man will, aber er hat jedenfalls dieses wohl typisch italienische Gefühl für Formen und guten Stil.

    Für mich die absolute Traumyacht:

    http://www.wally.com/nano/

    Größer muss nicht und Pink kommt gut. Mit sowas an einem warmen Augustabend bei SO 3 nach Wedel und zurück, das würde mir völlig reichen. Immer schön bescheiden……..

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Leider ist die Konstruktion am Markt nicht so erfolgreich gewesen, wie von den Bassani/Hoek erwartet. Das mag auch daran liegen, dass in dieser Bootsgröße/Zielgruppe deutlich mehr Anbieter unterwegs sind und schon kurz danach ähnliche Boote den Markt “überschwemmten” – je nach Fasson sportlicher oder auch klassischer gelagert.

      VG

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      • avatar andreas borrink sagt:

        Habe aber noch keines gesehen, das auch nur annähernd so gut gelungen ist!

        Vermutlich haben die “potentiellen” Kunden sich beim Preis verschluckt. Den kenne ich zwar nicht, aber aus Giebelstadt, Greifswald oder Fronkreisch gibt es für den Kurs vermutlich 60 Füsse (mit 8 Klos UND Badeleiter)!

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        • avatar SR-Fan sagt:

          Wenn ich das richtig in Erinnerung habe lag der Preis bei rund ner 1/4 Mio. EUR. Keine Ahnung ob das für die Zielgruppe ein Problem darstellt – ich gehöre (leider) nicht dazu ;-(

          VG

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