Kleinkreuzer-Törn zu den Kanalinseln Teil I: Von St. Malo über Jersey bis Alderney

Mit dem Segen von oben

Stefan Mauer hat schon kundig und amüsant über einige seiner Segelabenteuer auf SegelReporter berichtet. Es ging per Kielzugvogel nach Vlieland, zum Männertörn vor Neustadt, und schließlich mehrfach mit dem Jollenkreuzer durch das Wattenmeer. Nun hat er „als Fan von Tidengewässern“ erstmals die Kanalinseln ins Visier genommen.

Mont Saint Michel Trockenfallen
Mit dem Segen von oben! Trockenfallen vor Mont Saint Michel. © Stefan Mauer

Von St. Malo aus wollen wir eine Woche lang Schauplätze der Seeräubergeschichten aus Kindertagen besuchen. Natürlich gilt es, die Segelzeit zu maximieren – also starten wir Freitagabend im Rheinland, um das Boot am nächsten Morgen mit dem Vormittagshochwasser einzuslippen.

Der Plan geht auf: wir nutzen Traumwetter und ablaufendes Wasser zum ersten „Beutezug“. Von St. Malo zieht uns der Gennaker durch türkise See Richtung Iles Chausey, der einzigen französischen Kanalinselgruppe, ca. 20 Meilen östlich von St. Malo. Das Wetter hält, der Wind nicht ganz, weshalb wir zwischendurch motoren müssen, um nicht zurückgetrieben zu werden.

Der Törn im Gebiet der Kanalinseln.

Iles Chausey ist technisch gesehen eine Inselgruppe, deren größte den trügerischen Namen Grande-Île trägt und als einzige besiedelt ist. Neben einem Leuchtturm finden sich einige vor allem im Sommer bewohnte Häuser, vor denen Muringtonnen liegen und uns zum Übernachten einladen. Die Iles Chausey waren einer der Steinbrüche für den Mont-Saint-Michel, und Historikern zufolge wurden Transportschiffe bei Flut zum berühmten Felsen “getrieben“ und bei Ebbe leer zurück.

Am nächsten Morgen herrscht beste Sicht und wenig Wind, als wir kurz nach Hochwasser starten, um mit dem Ebbstrom die 23 Meilen entfernte erste englische Kanalinsel Jersey zu erreichen. Den Anfang macht die Durchquerung der Iles Chausey: das angeblich größte Archipel Europas besteht bei Ebbe aus 365 „Inseln“. Mindestens 10m Tidenhub später sind davon nur noch ganze 22 über Wasser, durch die wir uns anhand von Landmarken und Peilbaken navigieren.

Trockenfallen im Gebiet der Kanalinseln. © Stefan Mauer

Nachdem wir das Felslabyrinth hinter uns gelassen haben, kümmern wir uns um die anstehende Einreise in einen Nicht-EU-Hafen. Bei Erreichen der 12-sm-Zone setzen wir Flagge „Q“ (Quarantäne). In Jersey machen wir im Vorhafen am Besuchersteiger fest und warten auf das Erscheinen eines Zollbeamten. Uns trennt ein Sill von der Marina, das deren Wasserstand bei ablaufendem Wasser sichert. Als sich kein Zollbeamter blicken lässt, fragen wir telefonisch in der Hafenmeisterei nach, was wir tun sollen.

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