Vendée Globe Flash: Alex Thomson gibt auf – Der Hugo-Boss-Skipper steuert Kapstadt an

"Reparatur nicht möglich"

Alex Thomson bricht die  Vendée Globe ab. Der britische Hugo-Boss-Skipper erklärt, dass er den Schaden am Steuerbord-Ruder nicht reparieren kann.

Der britische Vendée Globe-Skipper Alex Thomson steuert mit seiner Hugo Boss nach einem Freitagabend erlittenen Schaden am Steuerbord-Ruder Kapstadt in Südafrika an. Er wird das Solo-Rennen ohne Zwischenstopp um die Welt aufgeben.

Alex Thomson hatte schon mal bessere Laune. © Alex Thomson / Hugo Boss

Nachdem Thomson an den letzten fünf Tagen und Nächten viel Zeit mit der Reparatur der inneren Bug-Struktur verbracht und viel Zeit in der parallel auftretenden Flautenphase verloren hatte, trat der Ruderschaden genau zu dem Zeitpunkt auf, als er seine Aufholjagd starten wollte. Er hatte den Breitengrad der Roaring Forties erreicht wo sein IMOCA der neuesten Generation eigentlich Höchstleistung bringen sollte.

Aber nach dem Schaden musste er die Fahrt weiter auf 10 bis elf Knoten verlangsamen, als die Konkurrenz doppelt so schnell war, fiel auf Platz 15 zurück 700 Meilen hinter dem Führenden Charlie Dalin und gab nun bekannt Kapstadt anzusteuern. Er ist zurzeit etwa 1600 Seemeilen davon entfernt.

Die aktuelle Situation im Renen am 28.11. (14h Ranking)

In einer kurzen Erklärung des Teams heißt es: “Thomson löste am Abend die Verbindung zum Steuerbord-Ruder und segelt seither die Yacht mit nur mit dem Luv-Ruder. Nach Beurteilung der heutigen Situation haben Skipper und Team entschieden, dass die einzige sinnvolle Vorgehensweise darin besteht, die Regatten zu beenden und das Boot nach Kapstadt zu segeln”.

Alex Thomson sagte: “Leider ist eine Reparatur nicht möglich. Wir akzeptieren daher, dass dies für uns das Ende des Rennens bedeutet. Ich selbst, mein Team und unsere Partner sind natürlich tief enttäuscht. Wir glauben, dass das Beste in diesem Rennen noch vor uns lag”.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

6 Kommentare zu „Vendée Globe Flash: Alex Thomson gibt auf – Der Hugo-Boss-Skipper steuert Kapstadt an“

  1. avatar breizh sagt:

    Sehr sehr schade für Alex aber auch für das ganze Rennen.
    Leider muss nicht nur Alex aufgeben sonder auch die Gitana Crew hat ihren Versuch abgebrochen. Damit rast nur noch der Sodebo Ultim den IMOCA hinterher.
    Nachdem Jean Le Cam jetzt wieder in Gesellschaft von foilenden IMOCA unterwegs ist, bin ich auf den direkten Vergleich gespannt. Irgendetwas wird er sich schon einfallen lassen. Aber die foilenden Herren können jetzt ja gasgeben, da Jean Le Cam ja in der Nähe ist, um sie wenn nötig (was ich nicht hoffe) abzubergen :).

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    • avatar Lyr sagt:

      „ Aber die foilenden Herren können jetzt ja gasgeben, da Jean Le Cam ja in der Nähe ist, um sie wenn nötig (was ich nicht hoffe) abzubergen :)“

      Welch prophetischen Worte… 😳

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar pl_j.kuehl sagt:

    Ich finds auch sehr sehr schade für Alex und das Rennen. Wirklich extrem enttäuschend.

    Jedoch hat die Vergangenheit gezeigt, und das ist allen bewusst, das etwa 40% der Teilnehmer wegen Defekten ausfallen. Wie sage Boris: “Zu 80% steht das Ergebnis jetzt schon fest, in der einen Schraube, die bricht oder dem einen Kabel, welches korrodiert ist.” Realistischer zweckdienlicher Fatalismus.

    Es fällt jedoch auf, dass von den schweren Schäden bisher eigentlich nur (Geheim)Favoriten betroffen waren – Corum, Charal, L´Occitane en Provence, Linked Out, Boss). Und bisher war noch keiner im Southern Ocean. Das führt zu der Frage, ob diese High-End-Racer vielleicht einfach an der Grenze des technisch machbaren angekommen sind. Da geht es in der Carbon-Technik ja darum, die Fasern nicht nur einfach drauf zu laminieren – Vakuum – Tempern etc. pp.. Sondern es wird die Ausrichtung der Fasern in Belastungsrichtung berechnet. Wenn da bei der Verarbeitung ein paar nicht entdeckte größere Lufteinschlüsse an der falschen Stelle sind gibt es ein richtiges Problem.

    Ein Skipper des Volvo Ocean Race äußerte sich in die gleiche Richtung. Sie hätten beim letzten Rennen Bedingungen erlebt, von denen er bezweifelt, dass es die imocas überstanden hätten.

    Was meint Ihr dazu?
    Jens

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

    • avatar Till sagt:

      Ja die imoca sind extrem Filigran und absolut am Limit, allerdings ist das ja auch nichts neues, Le Cam wurde 2008 ja selbst schon mit gebrochenem Kiel von prb gerettet, da war eben der Kiel am absoluten Limit um den Wasserwiederstand zu verringern. Auch gab es damals diverse Mastbrüche. Imoca sind genau wie früher die VO70 immer am absoluten Limit entwickelt. Deluxe bin foiler halten natürlich ein bisschen besser, immerhin wurden damit teils schon 250000sm und mehr zurückgelegt. Dadurch sind natürlich alle Kinderkrankheiten ausgemerzt. Dieses mal war es für die Neubauten natürlich umso schwerer, immerhin sind durch den Lockdown mehrere Monate Test und Vorbereitung verloren gegangen. Um Alex ist es natürlich sehr sehr schade, Hugo Boss war ihm ja bisher immer treu und ich hoffe das bleibt auch so. Wie diverse Konkurrenten gestern sagten braucht die vendee Globe einen sieg von Alex… für die Bekanntheit wäre das ein ziemlicher Schub.

      Die imoca für das Ocean Race werden vermutlich wesentlich massiver ausgelegt, wobei es bei den alten VO70 auch diverse Ausfälle gab, bei One Design Klassen ist das ganze natürlich deutlich einfacher, da packt man einfach mal 500kg extra Material in die Konstruktion. Möglicherweise wäre ein Mindestgewicht für imoca sinnvoll, in Kombination mit dem Einheitskiel könnte das zu robusteren Konstruktionen führen.

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  3. avatar Harry sagt:

    Ich habe mir vor vier Jahren ein Dutzend Imocas von innen angesehen, darunter PRB und Jean le Cams Schiff, sie machten auf mich alle den Eindruck, ausgesprochen solide gebaut zu sein. Keiner will mit angeknackstem Schiff das Rennen aufgeben. Natürlich zittern und vibrieren die Schiffe beim Segeln, aber das sollen sie auch. Von Rob James ist das Zitat überliefert: Wenn nichts bricht, war das Schiff zu schwer gebaut. Deswegen sind die Tests so wichtig. Die Schiffe müssen gesegelt und dann verstärkt werden. Ich vermute, dass kein fürs Vendée gebauter Imoca ein (Volvo-)Ocean Race aushält, ohne entsprechend modizifiziert, also verstärkt zu werden. Auch die Volvo-70-Boote waren an die Belastbarkeitsgrenze gebaut. – Ein Mindestgewicht bringt nichts, denn das wandeln die Konstrukteure sofort in aufrichtendes Moment um.

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