Braschosblog: Törn nach Portofino – Heimat des Geld-Adels

Über Elefantenrücken zum Edelhafen

Mit weißem Sturmfetzen über Elefantenrücken

Eigentlich müsste ich in Le Grazie bleiben, den dörflichen Charme des Hafens genießen und abwarten, bis der Wind nachlässt. Ich könnte den beiden rothaarigen Besitzerinnen der Vinothek bei der Beaufsichtigung ihrer Dobermänner zugucken. Ich würde den Popen bei der täglichen Straßenseelsorge beobachten und schmunzeln, wie er sich um die eindeutig dem weltlichen Leben zugewandten Weinhändlerinnen kümmert. Das Leben ist eine Komödie und in Italien wird sie immer schön farbenfroh aufgeführt.

Geschützte Felsenbucht mit überhöhten Preisen. © Portofino Tourism

Der Deutsche dagegen arbeitet ja immer, er kämpft auch im Urlaub, wenn es ein richtiger werden soll. Scheißviel von vorne, Elefantenrücken? Na da wird halt mit dem kleinen weißen Sturmfetzen vor und ein oder zwei Reffs hinter dem Mast durchgebrettert.

Deshalb lege ich mit den Segelfreunden ab und wir trotzen den unwirtlichen Bedingungen draußen vor Palmaria und der Isola del Tino unter reduzierten Segeln den Kurs nach portus delphini, wie die alten Römer die felsige Bucht nannten, ab.

Vor der Steilküste der Cinque Terre gehen die Wogen hoch. Schaumgekrönte Brecher rollen uns entgegen. Nach einer Stunde haben wir uns an die Verhältnisse gewöhnt und gelernt, das Boot schonend über die Buckelpiste zu steuern. Wie eng ist das Spektrum der Verhältnisse von Wind, Wellengang, Küstenformation und Temperatur, wo es sich auf dem Meer nicht bloß schlecht bis recht aushalten, sondern leben lässt?

Schlupfwinkel der Piraten

Weiter draußen queren wir die Strömungsgrenze zwischen dem nordwestlich, entgegen dem Uhrzeigersinn durch das ligurische Meer ziehenden und dem vom Wind südöstlich geschobenen Wasser. Wir segeln aus dem grünen, küstennahen Gewässer mit der Farbe einer gekachelten Badeanstalt übergangslos in ein bodenlos dunkles Blau. Ein Spektakel, das ich noch nie gesehen habe. Abergläubische Naturen würden umkehren.

Zwei Welten. Fischerboot neben Edel-Mobo in Portofino. © Portofino Tourism

Meile für Meile würgen wir das arg auf der Seite gekrängte, stampfende und gelegentlich bis zur Mastspitze bebende Boot im Zickzack Kurs die Küste hoch. Die Sonne wandert und lässt die Terrassen der Cinque Terre in köstlichem Grün leuchten. Der Wald, die Weinberge und das Meer. Die terrakotta-farbenen Würfel der Dörfer kleben wie Bienenwaben an den abschüssigen Hängen, quellen da und dort aus den engen Schluchten hervor.

Ich verstehe, warum dieser Küstenstrich einst als uneinnehmbar sicheres Land galt und Piraten die Schlupfwinkel mochten. Eine traditionsreiche Route. Einst schaukelten hier die Marmorfrachter vom toskanischen Carrara nordwärts – bei passendem Wind, versteht sich. Oder die genuesische Seemacht La Superba schickte ein paar Schlachtschiffe zum notorisch widerspenstigen Pisa.

Am späten Nachmittag lässt der Nordwestwind locker. Mit ausgerefftem Groß und einer gescheiten Fock spurten wir im letzten Licht auf die Landzunge von Portofino zu. Die Sonne verschwindet hinter den Bäumen. Die kurze Dämmerung des Südens lässt wenig Zeit zur Orientierung. Rechts funkeln bereits die Lichter von Rapallo und Santa Margherita.

Portus Delphini – willkommene Zuflucht

Portus Delphini. Ein perfekt geschütztes, ostwärts in den Golf von Tigullio geöffnetes Becken, ein schluchtartig enges Versteck. Einst, im Zeitalter der motorlosen, schwerfällig zeitfressenden Frachtsegelei eine willkommene Zuflucht oder gern wahrgenommener Zwischenstopp. Heute ein gediegenes Idyll am Ende des Naturschutzgebiets Monte di Portofino.

Hier muss alles bleiben, wie es war. Für den Menschen, den notorischen Veränderer, ein praktisch unhaltbarer Zustand. Portofino gehört zu den wenigen Orten der Welt, wo er gelingt. Ganz einfach, weil hier Bewahrer mit Einfluß wohnen, die die Strippen für den Erhalt des Ist-Zustands ziehen.

Der Wind wird unstet, das Meer beruhigt sich. Aus rauschender Fahrt wird sanftes Plätschern. Eine mächtige Kiefer beschirmt das Gemäuer der Burg San Giorgio, wo der englische Konsul Montague Yeats-Brown einst seinen Tee trank und die Champagner Baronin von Mumm die famose Aussicht nach Rapallo zu Füßen des Apennin-Gebirges genoss.

Kerzengerade stehen die Zypressen am Hang, stumme Wächter des subtropischen Gartens. Eine eigenartige, jenseitig schöne Enklave. Klösterliche, gelegentlich von sarazenischen Rabauken, heute dem Fremdenverkehr besuchte Abgeschiedenheit.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

6 Kommentare zu „Braschosblog: Törn nach Portofino – Heimat des Geld-Adels“

  1. avatar richter sagt:

    danke, da kriegt man richtig gusto!

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  2. avatar Backe sagt:

    Sehr schöner, farbenfroher Bericht, der Lust auf mehr davon macht!

    Leider hat Brascho in seinem Bilderrausch zu erwähnen vergessen, dass man als “normalsterblicher Segler” (also mit einer Yacht unter 20 Metern und ohne 5-monatige Voranmeldung) mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit von den Hafenmeistern abgewimmelt wird.
    Uns selber ist es auf unserem ersten Baby-Törn mit unserer alten X-382 Thanx Anno 2004 jedenfalls so ergangen – bis wir es im letzen Moment mit einem “Rührseligkeitstrick” doch noch geschafft haben: Wir haben einfach unsere damals gerade 6 Monate alte Tochter Kaya ins Cockpit geholt und ihr die schönen bunten Häuschen gezeigt… Unser kleiner “Hafen-Joker” konnte scheinbar selbst den härtesten italienischen Marinero erweichen, und so durften wir gnädigerweise bleiben. Aber nur per una notte, per vavore!
    (Den gleichen Trick haben wir übrigens später öfter angewand… u.a. 2008, als wir geschlagene 5 Tage in der eigentlich wegen einer Regatta ausgebuchten Marina St. Giorgio direkt vis a vis vom Marcusplatz mitten in Venedig liegen durften. Ce bella Italia!)

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    • avatar Erdmann sagt:

      Interessanter Trick, werde ich mir merken.
      Also, wir sind da ohne mehrmonatige Voranmeldung und mit einem Boot leider deutlich unter 20 m einfach so reingefahren. Es war wie geschildert schon spät, der Gastliegerabwimmler schon beim pasta essen. Das schwierigste beim Anlegen war, im Dunkeln die Mooringboje zu erwischen und beim Vorwärts “einparken” nicht mit dem Bug auf die Mole zu donnern. Aber dafür gibt es ja den rechtzeitig eingelegten Rückwärtsgang.

      Es war aber auch nicht im August und nicht bei einem VIP Event.

      Am nächsten Morgen wurden wir natürlich gefragt, wann wir denn ablegen. Wir haben das bis gegegn Mittag herausgezögert und in der Bucht von San Fruttuoso ankern und ne Runde schwimmen war schön.

      Richtig schlimm = schnöselig fand ich Monaco und die Häfen der südfranzösischen Küste. In Monaco grüßen den normalsterlichen Segler ja nicht mal die Fenderanbinder von den großen Perinis und die Kommunikation mit dem Hafenmeister von Monaco erschöpfte sich in der Antwort “no”. Aber da muß man ja auch nicht hin.

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      • avatar Backe sagt:

        In Monaco waren wir – was maximal blauäugig war – ausgerechnet am Wochenende vor der Formel 1 … Die Liegeplatz-Frage war natürlich der absolute Lacher (auf Seiten des Hafenmeisters).
        Weil wir zur vorgerückten Stunde aber trotzdem nicht noch mal auslaufen wollten, haben wir uns einfach an die Tankstelle gelegt. Der Tankwart, der am nächsten Morgen klopfte, war zwar ein bisschen sauer, aber wir haben ihm glaubhaft versichert, dass wir “nur” zum tanken festgemacht haben, indem wir für 50 € Sprit gebunkert haben. Das fand der dann wiederum sehr lustig … Seine üblichen Kunden lassen zwecks Barzahlung (Kreditkarten werden wegen des potentiell hohen Betrugsschadens nicht akzeptiert) schon mal landseitig den Panzerwagen der nächstgelegenen Bank vorfahren.
        Aber prinzipiell haben wir in Frankreich in Sachen Freundlichkeit die gleichen Erfahrungen machen müssen. Was sich im ersten Hafen auf italienischer Seite jedoch schlagartig änderte!

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  3. avatar Reinhard aus MeckPom sagt:

    War gerade am letzten Wochenende zum Regattasegeln dort – mit meinem 12 Fuß Dinhgy und 75 weiteren Dinghys. Wirklich tolle Location! Man muss nicht immer Bigboatsegler sein ….

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  4. avatar Addi sagt:

    Oh wie neidisch man beim Lesen werden kann, wenn man grade den Pfingsttörn wegen akuten Zeitmangels auf Cancelled gesetzt hat…

    Bei unserem Besuch in 2006 sind wir an Portofino vorbei gefahren, nach Santa Margherita. Hat natürlich nicht den Flair, aber auch einen gewissen Charme und ist preislich OK gewesen.

    Interessant finde ich die Kommentare zur Côté d’Azur. Wir hatten in 2010 sehr gute Erfahrungen, als wir von Italien kommend bis Saint-Tropez und zurück geschippert sind. Sehr schön war es in Menthon, in Monaco haben wir vom Wasser aus das Formel1 Rennen angeschaut, toller Platz in Nizza. Der Hit war natürlich Saint-Tropez, Hafenmeisterbüro 24 Stunden täglich geöffnet, davor wurde der Sektempfang für die Passagiere irgendeines Kreuzfahrers vorbereitet, wir mit der winzigen Sun Fast 20 am Anmeldesteg. Die blonde junge Dame im Hafenmeisterbüro frägt zwecks Zuweisung des richtigen Liegeplatzes nach der Länge des Bootes. Ich “six mètres”, sie: “Oh la la!”. Wir bekamen die kleinste Box weit und breit, es hätten gut und gerne zwei SF20 hineingepasst, das Ganze für 20 Euro die Nacht.
    Auch auf dem Rückweg in den kleinen Städtchen und Häfen haben wir immer nur gute Erfahrungen gemacht.
    Allerdings, es war um Pfingsten, also Vor- bzw. gerade beginnende Saison, das mag einen Einfluss gehabt haben.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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