Braschosblog: Was macht die “Endeavour” J-Class Retterin Elizabeth Meyer?

Frau Meyers großer Auftritt

Elizabeth Meyer mit ihrer `Seminole´ bei der Bootswäsche. Sie liebt immer noch den großen Auftritt. © Yves Tuset/Archiv Meyer

Elizabeth Meyer mit ihrer `Seminole´ bei der Bootswäsche. Sie liebt immer noch den großen Auftritt. © Yves Tuset/Archiv Meyer

Elisabeth Meyer sorgte in den achtziger Jahren für Aufsehen, als sie das einstige J-Class America’s Cup Schlachtross „Endeavour“ von einem rostigen 40 Meter Stahlkasko in eine Luxuscharteryacht umwandelte, um damit ausgiebig durch die Weltmeere zu pflügen.

Alles an diesem wahrhaft amerikanischen Abenteuer, seinerzeit größenwahnsinnigen Zuschnitts war atemberaubend: Die schieren Abmesserungen des 166 Tonnen Schlittens in Zeiten, als ein 25 Meter Maxi als das seglerische Ultimo galt. Oder die Proportionen des J-Class Segelsauriers mit dem flachbordigen mittelblauen Rumpf, dem schlanken Teakdeck, den unzähligen Winschen und Lüfterhutzen, dem endlos himmelwärts ragenden Mast.

Sowas hatte es zuletzt in den dreißiger Jahren gegeben. Manches vergessene Detail musste noch einmal neu erfunden werden. Vergeblich hatte der erste Eigner, der greise T.O.M. Sopwith die unerschrockene J-Class Amazone bei einem Gespräch gewarnt, die Finger von dem monströsen und kostspieligen Bootstyp zu lassen.

Meyer sollte bald lernen, wie recht er hatte. Während ihres ersten Anlaufs der Endeavou-Instandsetzung in Eigenregie und später, angesichts der Kosten zum artgerechten Betrieb des fertigen Schiffes. Nach einem Autounfall erlitt sie einen Nevenzusammenbruch in Südengland.

Schiffermützen- und Bedenkenträger

Außerdem galt das Thema große Yachten damals als Männersache. Das große Rad drehten Herren wie der Salzburger Dirigent Herbert von Karajan auf seiner „Helisara“, der New Yorker Reeder George Coumantaros auf „Boomerang“ oder der kalifornische Immobilienkaufmann Jim Kilroy mit „Kialoa“.

Bevor `Èndeavour´ 1989 die Renaissance der J-Class als modernisierter Cruiser-Racer einleiten und so durch das Wasser pflügen konnte musste sich Elisabeth Meyer ihrer annehmen. © J-Class

Bevor `Èndeavour´ 1989 die Renaissance der J-Class als modernisierter Cruiser-Racer einleiten und so durch das Wasser pflügen konnte musste sich Elisabeth Meyer ihrer annehmen. © J-Class

So rankten sich fabelhafte Geschichten um die neue „Endeavour“ Eignerin, die damals in die Phalanx der Schiffermützen- und Bedenkenträgern einbrach. Es hieß, Elizabeth Ernst Meyer verfüge als Erbin der „Washington Post“ und der Jeansmarke „Levis Strauss“ über unermüdlich sprudelnde Geldquellen. Da sei es vermutlich kein Problem, mal eben allerhand Geld für einen berühmten, alten America’s Cupper zu versenken.

Es stimmt, daß Meyer aus einer berühmten Familie stammt. Ihr Großvater Eugene Meyer war der erste Präsident der Weltbank und Besitzer der angesehenen „Washington Post“. Ihre Großmutter Agnes Ernst Meyer war Journalistin und Thomas Mann Verehrerin, die ihn förderte (und anhimmelte). Ihre Tante Katherine Graham besaß die „Washington Post“ während des Watergate Skandals. Aber Meyers Eltern waren Mediziner und hatten weder mit der Weltbank noch der Washington Post näher zu tun.

Eine Millionen Unterhaltkosten pro Jahr

Zunächst hatte die Powerfrau mit dem Faible für kühne Projekte, das seglerische Großformat und saalfüllende Statements mit ihrer neuen „Endeavor“ einfach nur eine Menge Spaß. Sie veranstaltete vor Newport ein prominent besetztes Matchrace mit der mittlerweile ebenfalls von ihr bereederten „Shamrock V“, Sir Thomas Liptons letzter Amerika Pokal Herausfordereryacht von 1930.

Sie legte zu gediegenen Kreuzfahrten im Mittelmeer und der Karibik ab. Meyer und ihre Freunde pflügten durch den Atlantik. Sie steuerte nördliche Gewässer mit kalbenden Gletschern an. Das waffenschein niedrig im Wasser liegende Segelgeschoss mit dem endlos langen Partialrigg, die abgefahrene maritime Welt des frei an Deck stehenden Steuerrads, das klassisch kleine Deckshaus, die wie Brillanten in der Sonne funkelnden Beschläge und das Finish des umlaufenden mittelblauen Schandeckels ließen keinen kalt.

Elizabeth „Endeavour“ Meyer hatte aber auch einen gepfefferten Segeletat am Hals. Das Budget zum Betrieb des Schiffes bei durchschnittlich 30 Tausend Seemeilen lag damals bei einer Million Dollar im Jahr. Und die Mediziner-Tochter verfügte eben nicht über endlos sprudelnde Geldquellen.

...Elizabeth Meyer und ihr Mann, der Bootsbauer Michael McCaffrey sind glücklich mit dem kleineren Schiff. © Archiv Meyer

…Elizabeth Meyer und ihr Mann, der Bootsbauer Michael McCaffrey sind glücklich mit dem kleineren Schiff. © Archiv Meyer

Es war ihr aber von 1977 bis ’83 gelungen, die 125 Tausend Dollar Erbschaft ihrer Eltern mit Immobiliengeschäften auf Martha‘s Vineyard, dem Sylt der Amerikaner, in 10 Millionen zu verwandeln. Keine schlechte Performance für eine studierte Anglistin, die eine brillante Publizistin ist aber auch in einem Zoo oder in einer Segelmacherei gejobbt hatte.

“Ich begann, schlecht zu schlafen”

Ihr Buch über die „Concordia Yawls“ (sie segelte von 1975 bis 1993 die Condordia „Matinicus“) und der J-Class Artikel in Nautical Quarterly sind große Klasse. Meyers beruflicher Umweg in ein ausnahmsweise nichtmaritimes Metier war der kürzestmögliche Weg zu jener Bootsklasse, von der ihre Mutter, eine passionerte Starboot und Lightning Seglerin, ihr bereits Gute Nacht-Geschichten anstelle der üblichen Märchen erzählt hatte. Solche Mütter gibt es.

Seit 1989 lebte sie diesen Traum mit der erneuten Aufführung des fabelhaften J-Class Segelfestspiels. Zwar verstand sie es, mit clever eingefädelten VIP-Events die Kosten über den Charterbetrieb abzupuffern. Aber „in den neunziger Jahren begann ich schlecht zu schlafen“ erinnert Meyer. Der Betrieb des crewintensiven, mit Technik vollgestopften Segelsauriers hing von der jahraus, jahrein rund laufenden Vercharterung ab. Weitere J-Class Modernisierungen oder Repliken wie „Velsheda“ oder „Ranger“ folgten. Der Markt wurde eng.

Im Herbst ’99 verkaufte sie ihre endeavourblaue „Darling Jade“ mit 150 Tausend Meilen unter dem Kiel für 15 Millionen Dollar an Dennis Kozlowski, den damaligen Geschäftsführer der Tyco International Ltd. Der Mischkonzern galt damals als rasch wachsendes blue chip Unternehmen. Kozlowski shoppte auch privat im großen Stil. „Endeavour“ war eine Weile auf dem Markt, bis Meyer ihre selbstbewusste Preisvorstellung realisieren konnte.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Braschosblog: Was macht die “Endeavour” J-Class Retterin Elizabeth Meyer?“

  1. avatar tiefenrausch sagt:

    Super Artikel, weiter so!!
    Sowas braucht die Segelgemeinde im winterlichen Entzugszustand…
    Glück auf!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

  2. avatar Heini sagt:

    http://segelreporter.com/wp-content/uploads/2012/12/E-and-M-on-Semi-2006.jpg

    Ach herrje , alt ist sie geworden.

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    • avatar Heini sagt:

      Das war einfach nur eine Feststellung, an keinem von uns gehen 20 Jahre spurlos vorüber.
      Die “Dislikes” dazu muss man nicht verstehen, oder?
      😀 balla balla

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      • avatar AC2048 sagt:

        …zu Jim Clark kürzlich ist Dir auch nur “Opa” eingefallen und diesmal…

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  3. avatar DCSailor sagt:

    Ein prima Artikel….

    Der Titel ist ja etwas irrführend, and wenn man es denn so sehen will: …den grossen Auftritt hat sie sich redlich verdient!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  4. avatar yuammy sagt:

    Dennis Kozlowski schoppt schon lange nicht mehr, denn der sitzt seit 2005 für 8-25 Jahr im Knast, weil er dann doch an zu faulen Rädern gedreht hat…

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  5. avatar Capitan Futuro sagt:

    Tja, Geld müsste man haben.

    Sie bringt wenigstens ihr Geld unter das Volk, rsp. in die Wirtschaft. Andere spekulieren damit nur um ihren Nachkommen noch mehr zu vermachen.

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