Härtetest auf 600 Seemeilen: Die Navigations-App „Orca“ im Langstrecken-Check

„Das war schon erstaunlich präzise“

Wie schlägt sich eine moderne, app-basierte Navigationslösung auf einer echten Nonstop-Langstrecke unter anspruchsvollen Bedingungen? Segler Jan Flöter hat genau das ausprobiert. Bei einer Überführung von Rom nach Barcelona testete er das System Orca über eine Distanz von knapp 600 Seemeilen. In unserem Podcast erzählte er uns über seine Erfahrungen. Hier die Zusammenfassung:

Jan Flöter (r) mit Crew. Foto: privat

Die Erfahrungen von Jan Flöter im Original in unserem Podcast

Die Teststrecke: 600 Meilen nonstop im Mini 650

Die Rahmenbedingungen für den Test waren spartanisch und fordernd: Die Crew, bestehend aus vier Seglern der Akademischen Segelgruppe Karlsruhe, war auf einem reinrassigen Mini 650 unterwegs. Da das Boot komplett ohne Motor konzipiert ist, musste die Crew die Route extrem vorausschauend planen.

Die Reise führte unter anderem durch die berüchtigte Straße von Bonifacio. Da der Wind nachts um vier Uhr ein Einlaufen ohne Motor zu riskant machte, entschied sich die Crew, die Meerenge links liegenzulassen und die gesamten 600 Meilen in viereinhalb Tagen komplett nonstop durchzusegeln. Unterwegs trotzte das Team dabei Winden von bis zu 30 Knoten.

Das Wetterrouting im Detail: Live-Aktualisierung und Polardaten

Jan nutzte für die Überfahrt die „Smart Navigation“ von Orca. Im Gegensatz zur klassischen Basisversion, die Routen nur drei Tage im Voraus berechnet, bietet dieses Paket ein vorausschauendes Routing für die gesamte Distanz und ein entscheidendes Feature für die Langstrecke: die automatisierte Live-Routenoptimierung. Sobald sich während der viereinhalb Tage auf See das Wettermodell änderte oder das Boot vom Idealkurs abkam, berechnete die App im Hintergrund vollautomatisch und ohne manuelles Zutun die Route neu.

Neue Visualisierung, Partikelanimationen, transparente Darstellung der Wettermodelle und der lokalen Datenmodelle. Screenshot Orca App

Als Datengrundlage greift Orca für das Routing auf die offizielle ORC-Datenbank zurück, aus der sich die Crew das passende Polardiagramm für den Mini 650 zog. Da an Bord jedoch keine High-Tech-Regattasegel, sondern konservativere Tourensegel gefahren wurden, skalierte die Crew die Polardaten in der App vorab auf 95 Prozent herunter. Dieser Vorgang war eine Empfehlung des App-internen KI Support Chats, 

Die Berechnung erwies sich als erstaunlich präzise: Berechnete Zeit: 4 Tage und 6 Stunden. Tatsächliche Ankunftszeit: 4 Tage und 12 Stunden. Trotz des harten Wetters und der langen Nonstop-Fahrt betrug die Abweichung am Ende gerade einmal sechs Stunden.

Die App im Cockpit: KI-Dialog und Hardware-Handling

Besonders im praktischen Einsatz unter Deck und an der Pinne zeigte die Software ihre Stärken im Detail:

Kurskorrektur via Chatbot: Während der Fahrt stellte die Crew fest, dass der berechnete Amwind-Kurs in der Realität nicht ganz gehalten werden konnte, da das Boot mit den Tourensegeln nicht hoch genug am Wind lief. Über die Starlink-Verbindung an Bord nutzte Flöter den integrierten KI-Assistenten von Orca. Im direkten Chat-Dialog gab der Bot den konkreten Hinweis, den sogenannten Amwind-Offset-Angle in den Einstellungen händisch um zwei bis drei Grad zu verändern. Nach zwei Klicks stimmte das Routing wieder exakt mit den realen Segeleigenschaften überein.

Bedienung auf dem Smartphone: Da ein Mini 650 extrem nass segelt und kein fest verbautes Display im Cockpit vorhanden war, lief die App auf einem iPad unter Deck und parallel auf den iPhones der Crew. Jan betont, dass die Darstellung und die Routing-Funktionen auf dem handlichen Smartphone im Cockpit genauso zuverlässig und übersichtlich funktionierten wie auf dem großen Tablet.

Großer Praxistest mit Seglern. Foto: Orca

Stromverbrauch und Solar: Obwohl Navigations-Apps im Dauerbetrieb als Stromfresser gelten, war die Energieversorgung kein Problem. Die großen Solarpanels des Mini 650 (ca. 120 Watt) reichten völlig aus, um die Smartphones und iPads auch bei zwei gleichzeitigen Ladevorgängen permanent unter Strom zu halten.

Kartenauflösung und Sicherheit: Im Vergleich zu klassischen Plotter-Systemen (wie Garmin) lösen die Vektorkarten von Orca in den Tiefenlinien zwar etwas weniger hoch auf – statt feiner Abstufungen in 20-Zentimeter-Schritten gibt es größere Sprünge –, für die sichere Navigation auf offenem Meer und in Küstennähe war die Abdeckung jedoch absolut ausreichend. Auch relevante Sicherheitszonen wie Verkehrstrennungsgebiete blieben beim Herauszoomen in den Übersegler-Modus zuverlässig sichtbar.

Kritikpunkte und Wünsche für die Praxis

Trotz der überzeugenden Performance auf der Langstrecke sieht Flöter noch zwei Verbesserungsmöglichkeiten in der Software:

Geräteunabhängiges Logbuch: Wer die App ohne die hauseigene Hardware (Orca Core) nutzt, kann keine Tracks aufzeichnen oder als Tagebuch abspeichern. Für Segler, die auf wechselnden Booten unterwegs sind, ist das ein Nachteil. Für sein eigenes Boot wird sich Jan wohl den Orca Core holen. 

Kleiner Wegpunkt-Bug bei der Routenplanung: Beim manuellen Setzen mehrerer Wegpunkte auf dem Smartphone neigte die App gelegentlich dazu, einen Zwischenstopp (z. B. Wegpunkt 3) plötzlich als finales Endziel (Destination) zu deklarieren, was mühsam über die Routenbearbeitung korrigiert werden musste.

Jans Fazit: Bereits für einen Einstiegspreis von 49 Euro bietet Orca (insbesondere nach dem neuesten Wetter-Update mit Windy-ähnlichen Partikelanimationen) ein extrem leistungsstarkes und intuitives Wetterrouting, das sich selbst auf einer harten 600-Meilen-Passage ohne Motor als vollwertiges Navigationswerkzeug bewiesen hat.

 

Hinweis: Die Erfahrungsreihe und der Podcast wird unterstützt von Orca. 

11 Kommentare zu „Härtetest auf 600 Seemeilen: Die Navigations-App „Orca“ im Langstrecken-Check“

  1. Danke für den Hinweis, das Trackaufzeichnung in der App nur mit Orca Core möglich ist. Ich ging davon aus, dass das selbstverständlich auch ohne Core funktioniert. Schade auch, dass die App nur mit dem Core zusammen sinnvoll nutzbar ist, auch wenn schon ein Multiplexer an Bord ist und alle Schiffdaten problemlos angezeigt werden könnten. Geht mit anderen Apps AFTrack, OpenCPN, NV-Charts, etc. ja auch. Orca verdient scheinbar nur im Kombination mit der Hardware ausreichend, das Abo in der App allein genügt nicht. Somit ist das Ganze zwar ein modernes, aber geschlossenes System und damit ähnlich eingeschränkt wie die klassischen Systeme. Allerdings bisher das Einzige, womit sich Radarsysteme auch vernünftig auf dem Tablet nutzen lassen.

  2. Sven 14Footer

    sagt:

    Hallo, ich habe mir die Orca App neben der NV App seit dieser Saison auf meinem Tablet installiert und vergleiche fleißig. Bisher war ich nur auf der Elbe zwischen Hamburg und Cuxhaven unterwegs.
    – die Tracking / Logbuch Funktion (Ohne Core) vermisse ich sehr. Eine meiner Lieblingsfunktionen in der NV App.
    – Nach 2023 habe ich jetzt wieder 2026 mir eine aktuelle Seekarte der Elbe von NV gekauft und war erstaunt: In der Hahnöfer Nebenelbe hatte sich nicht eine Tiefenangabe in 3 Jahren geändert. Auch die aktuelle elektronische Karte zeigt keine Veränderungen. Wahrscheinlich wurde das Nebenfahrwasser zwischenzeitlich nicht neu vermessen, dachte ich mir. Auf meinem ersten Törn bemerkte ich Änderungen genau an der kritischen Stelle: Abzweig Estefahrwasser in die Hahnöver Nebenelbe. Ein Blick in die Orca Karte zeigt mir dort ein viel passenderes / aktuelleres Kartenbild. Nun bin ich neugierig welcher Anbieter welche Datenbasis nutzt. Gerade im Flachwasserbereich unter 4m wo wir Sportboote uns manchmal tummeln. Die Berufsschifffahrt aber eher weniger. Vielleicht könnte der Segelreporter dazu mal recherchieren.
    – Das Vielfach gelobte Segelrouting funktioniert in der Orca App nur bei vorhandener Internetverbindung. Internet habe ich zwar meist im Hafen aber nicht unterwegs. Gibt es da einen Trick: Segelroute im Hafen rechnen lassen und dann offline auf See weiter nutzen?
    – Die BSU hat kürzlich einen Unfallbericht über eine Kollision zwischen einer Segelyacht und einem Schlepper / Verkehrssicherungsfahrzeug herausgebracht. Ein Grund war die Unkenntnis der Yachtbesatzung über die gesperrte Reede „Nordperd“ vor Sassnitz. In der NV App ist eine Info über die Allgemeinverfügung und Sperrung bei der Reede hinterlegt. Vielleicht können die Entwickler solche nautischen Hinweise auch als Info in Ihren Karten hinterlegen.

    1. Sven 14Footer

      sagt:

      Mein letzter Satz in obigen Kommentar ist unvollständig: In der Orca Karte konnte ich keine Hinweise / Infos finden. Vielleicht können die Entwickler solche nautischen Hinweise auch als Info in Ihren Karten hinterlegen.

    2. Moin Sven. Das mit dem fehlenden Tracking ohne Core haben wir nun häufiger gehört. Ich gebe das mal gesammelt so weiter. Anregungen, Wünsche und Kritik bitte gerne immer wie bei Dir in die Kommentare.
      Ach ja: Tipp von unserem Podcast Gast Jan Flöter kannst Du in der Orca App den Chatbot nach der Datenbasis fragen und bekommst auch Antwort. Habs eben für den von dir genannten Bereich versucht, es heisst allerdings eher allgemein: offizielle Daten hydrografischer Ämter, plus eigene Erhebungen plus private datenquellen, immer neuester verfügbarer Stand.
      Danke und Grüße

  3. Schwertwalforscher

    sagt:

    Autor: „Orca bezahlt natürlich im Rahmen einer Partnerschaft dafür, inhaltlich jedoch sind wir völlig frei…“ ich muss mich aufstützen vor Lachen, sorry! Das ist modernes Influencen, da kann der Autor noch so mental erklärerisch auf jeden Kommentar eingehen: dieser ORCA-Segelreporter-Stunt ist schon ziemlich naiv! Willkommen im Kapitalismus wo alles u jeder käuflich ist. Bin schon auf die Reaktion gespannt

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    1. Jannis

      sagt:

      Die Podcasts sind doch vollkommen transparent, Kritik von den Teilnehmern erlaubt und es wird, das glaube ich, ach gar nichts rausgeschnitten.
      Was willst Du eigentlich? Liest sich ein wenig wie allgemeine Kapitalismuskritik beziehungsweise Neid.

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  4. Duffman

    sagt:

    Oh wie toll ist Orca..hängt einem ja langsam zum Hals raus..inhaltlich nur noch schwer zu ertragen dieser Podcast. Es gibt doch wahnsinnig viele Themen rund um den Segelsport, die man mal etwas genauer betrachten könnte. Stattdessen wird einfach irgendwas dahin gesabbelt..und als dauerwerbesendung umfunktioniert und nicht mal als solche gekennzeichnet.. Entschuldigt bitte die klaren Worte, aber ich würde mir einen inhaltlich starken Podcast übers Segeln wünschen. Ahoi

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    1. Moin. Also, zunächst einmal ist Dir natürlich freigestellt, welche Inhalte Du magst und welche nicht. Und Deine Kritik ist sicher auch berechtigt. Aber ich kann das so nicht stehen lassen, weil sie nicht alle Seiten abbildet und auch ein falsches Bild entstehen lässt.
      Vorab: die gesamte Reihe ist auf der Startseite als Advertorial gekennzeichnet und im Text selbst auch. Und zwar immer.

      Orca bezahlt natürlich im Rahmen einer Partnerschaft dafür, inhaltlich jedoch sind wir völlig frei und Dir wird auch nicht entgangen sein, dass wir durchaus auch Mängel kritisieren, sogar in der vorletzten Folge sehr präsent und zeitlich am meisten gewichtet. Auch sind unsere Testsegler weder gebrieft noch von uns beeinflusst.

      Segelreporter muss natürlich wirtschaftlich arbeiten. Wir setzen da alle sehr viel Zeit und Mühe und auch Kosten ein. Und dazu gehören auch solche Modelle, neben der Werbung und der Mitgliedschaften. Das geht hier nicht anders wie bei allen anderen auch.
      Außerdem sind diese Beiträge additional, also zusätzlich zu allem anderen Content. Es wird also deswegen keine Meldung unter den Tisch fallen.

      Bei Segelreporter wirst Du aber keine bezahlten Artikel finden, ohne dass Du das weißt. Da gibt es ganz andere Beispiele und von sowas distanzieren wir uns deutlich, weil wir Journalismus anders interpretieren und anders arbeiten.

      Und zu guter Letzt ist durch unsere Test und Erfahrungsreihe ein sehr fruchtbarer Austausch entstanden, der in das Produkt einfließt. Das war Sinn der Sache.

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      1. Duffman

        sagt:

        Das ihr damit Geld verdienen wollt ist völlig verständlich. Hier wird jetzt aber zwischen Werbung und Inhalt nicht mehr getrennt, sondern genau gegenteilig gehandelt. Wie es einem influenzer heutzutage halt so beigebracht wird. Ich halte das für bedenklich. Auch wenn der durchschnittliche Segerepoter Leser/Hörer sicherlich anders differenzieren kann als unsere Kinder. Durch diese Form der Werbung, verliert ihr mMn auch jegliche Glaubhaftigkeit.., wer weiß ob der Hafenmeister in momark nicht auch ein paar Kronen in die Büchse schmeißt.;) Oder die Segelbundesliga…Puuh

        Ich beklage aber vorallem auch den Inhalt der dann folgt..alles super oberflächlich und einfach ohne jegliche Vorbereitung dahin gequasselt. Man kann das sicher so machen, aber der Segelsport hätte. Aus meiner Sicht mehr verdient und bietet doch so viele Themen und Möglichkeiten.
        Ich bin wahrscheinlich nur frustriert, weil ich gerne einen vernünftigen Podcast zum Thema Segeln hören möchte, daher nehmt es mir bitte nicht persönlich. Skol

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        1. Ich hab überhaupt kein Problem mit konstruktiver Kritik. Deshalb gehe ich auch so detailliert drauf ein.
          Dass Dir die Orca Reihe nicht gefällt, tut mir leid. Es sind allerdings in diesem Jahr erst drei Episoden gewesen und wir bringen jede Woche eine, manchmal sogar mehr. Sooo viel ist das nun nicht, oder? Und wir Kennzeichnen das sehr wohl. In einem Audio Podcast kann ich keine Texteinblendung machen.

          Übrigens ist Mommark ein super Punkt. Tolles Beispiel. Ich war da schon in den 2000ern gerne. Auf meiner ersten Revierführer DVD aus 2001 war das schon ein Tipp. Das war über 10 Jahre, bevor Carsten Kock den Hafen übernommen hatte, damals noch Fährhafen. Mommark ist mein Lieblingshafen. Ich liebe diesen Ort. Das muss nicht jeder teilen, weil jeder solch einen eigenen Ort hat.
          Carsten Kock habe ich kennen gelernt, als er den Hafen gerade gekauft hat und ich dort früh im Jahr anlegte. Und im Laufe der Zeit ist er ein echter Freund geworden. Er war sogar bei meiner Hochzeit in Gråsten dabei. Ich mag ihn sehr und bewundere ihn, was er dort geschaffen hat. In meinem Buch „Dänische Südseeperlen“ hat eine Geschichte mit ihm ein eigenes Kapitel und der Leser bekommt ein Freigetränk. Das dazu.
          Ich habe glaube ich vor etwa einem Jahr mal was über ihn geschrieben, wegen der Sturmflut. Das scheint bei Dir hängen geblieben zu sein mit dem Verdacht „bezahlter Content“? Das finde ich ehrlich gesagt bemerkenswert. Aber wenn Dir da nichts anderes einfällt, ist das ja ein gutes Zeichen.
          Ist immer so: schreibt man öffentlich, und findet was gut, gibt es immer jemanden, der dahinter Werbung vermutet.
          Und nein – es gibt neben Orca keine andere Kooperation dieser Art. Unsere Podcast Partner kennst Du.
          Wie gesagt, ich könnte Dir da ganz andere Beispiele nennen, was ich natürlich nicht mache. Aber da würdest Du Dich wundern. Da gibt es sehr krasse Sachen.
          Schönen Sonntag und kommende Woche gibt’s wieder ne neue Episode.

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    2. jannis

      sagt:

      Duffman, das sehe ich anders. Mir gefällt diese Art Erfahrungsaustausch und ich nehme immer was mit. Außerdem hat man eine Gruppe interessanter und erfahrener Segler mit ganz unterschiedlichen Nutzungsprofilen zusammen getrommelt.
      Werbepartner gehören heute dazu. Hier wird es transparent gesagt und geschrieben.

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