Ostsee: Insel im Greifswalder Bodden günstig zu verkaufen – Wo der Haken liegt

Trauminsel mit „Alp“

Mitten im Greifswalder Bodden, ein paar Kabellängen vor Lauterbach auf Rügen, steht dieses Ding, an dem viele vorbeisegeln und sich fragen: Was ist das eigentlich? Und genau das wird jetzt verkauft. Ein Schnapper?

Insel Ostervilm zu verkaufen. Foto: Norddeutsche Grundstücksauktionen AG

Die Insel Ostervilm stammt aus den 1950er-Jahren und wurde in der DDR für die Marine der NVA gebaut und genutzt, und zwar zur Entmagnetisierung von Schiffen. Wozu das? Stahlrümpfe erzeugen ein magnetisches Feld – und genau darauf reagieren Magnetminen. Wer also keine Minen anziehen wollte, musste „entmagnetisiert“ werden.

Früher lief das über Kabelschleifen im Wasser. Die Schiffe fuhren darüber, und ihr magnetisches Profil wurde reduziert. Ein unspektakulärer, nicht bemerkbarer Vorgang, immerhin ein ziemlich entscheidender im nie eingetreteten Ernstfall der DDR.

Quelle: Norddeutsche Grundstücksauktionen AG

Die Plattform selbst steht auf rund 600 Holzpfählen, etwa zehn Meter tief im Wasser. Oben drauf: ein Wohnhaus und ein Maschinengebäude. Mini Alcatraz im Greifswalder Bodden. Heute ist davon vor allem der Verfall geblieben. Die Konstruktion – Betonrahmen, Stahlteile, Holzbohlen – hat ordentlich gelitten.

Rost, Risse, kaputte Fenster, dazu die üblichen Ostsee-Verdächtigen wie Möwen, Kormorane, Unmengen an Vogelkot, Algenbewuchs, und dann noch Vandalismus. Besichtigen? Laut Auktionsunterlagen nicht drin, zu unsicher. Denn das Ganze scheint einem schnell um die Ohren zu fliegen zu können, zumindest Teile davon.

Insel im Bodden. Bild: Screenshot Orca

Das Objekt umfasst etwa 710 Quadratmeter Fläche, davon rund 250 Quadratmeter Nutzfläche. Klingt nach ordentlich Platz, relativiert sich aber beim genauen Hinsehen. Rechtlich ist das auch kein klassisches Grundstück. Es gibt lediglich einen Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund – aktuell für etwa 75 Euro im Jahr. Günstig, keine Frage. Aber damit ist es natürlich nicht getan.

Denn wer hier zuschlägt, bekommt keine fertige Inselidylle, sondern eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Statik, Zugang, Versorgung, Genehmigungen – das volle Programm. Und das alles draußen im Bodden, wo schon ein einfacher Arbeitseinsatz schnell zur logistischen Übung wird.

Als Bonus steht auf der Plattform noch eine rund 1,3 Tonnen schwere Keramikglocke des Künstlers Gerhard Benz. Die stammt aus einem Kunstprojekt in Belgrad und kann zusätzlich erworben werden. Man kann sich vorstellen, dass der Transport allein schon ein eigenes Kapitel wäre.

Die Glocke von Gerhard Benz ist im Preis nicht inbegriffen. Quelle: Norddeutsche Grundstücksauktionen AG

Das Mindestgebot liegt bei 39.000 Euro. Das klingt anfangs erstmal wie ein Schnäppchen – bis man sich klarmacht, was man dafür bekommt: ein ziemlich einmaliges Stück Technikgeschichte, dass in Kürze schon hohe Kosten bereiten dürfte. In jedem Fall was für Liebhaber, die Aufwand lieb haben. 

Dennoch: Wer schon immer davon geträumt hat, seine eigene Ostseeinsel zu besitzen – hier wäre eine. Und hier geht’s zur Auktion

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