Sailing Conductors: Zwischen Bermudas und Irland – Kontaktsuche per Dating-App

Über der "Titanic"


Musik ohne Ende, coole Filme, spannende Storys –Smutje Hannes Hafenklang und Captain Bart haben uns jahrelang „auf Trab gehalten“. Jetzt segeln sie gerade über den großen Teich. Ihre musikalische Weltumseglung neigt sich dem Ende zu.

Natürlich ist allerorten Wehmut zu spüren. Wer die segelnden Dirigenten schon seit Beginn ihrer Reise verfolgte (wie etwa SR-Leser) und wer nun ein wenig zwischen den Zeilen ihrer Blogs liest, der ahnt, wie schwer der finale Countdown den beiden Protagonisten fallen dürfte.

Tatsächlich haben sie in den letzten Monaten so ziemlich alles dafür getan, ihren letzten großen Trip – die Atlantik-Überquerung von West nach Ost – herauszuzögern: ein Buch geschrieben, in TV-Sendungen aufgetreten, sie sind mit ihrem Sailing-Conductors-Bus durch die USA getourt und haben dabei die Kultstätte „Woodstock“ besucht, ja sogar mit Bobby Schenk feierten sie Verbrüderung

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Neues Outfit für “Marianne” – da kommt keine Luxusyacht gegen an © sailing conductors

20 Flaschen Rum

Aber irgendwann musste es dann doch losgehen. Noch ein wenig an „Marianne“ herumgeschraubt, ein paar Gebete über ihren Motor gesprochen und “tschüss Amerika”. Ihre letzter Blog-Eintrag vom amerikanischen Kontinent aus gepostet:

„Über drei Monate waren wir in den Staaten – die Hälfte davon haben wir schwitzend und schuftend in Indiantown verbracht, um unsere Marianne wieder flott zu machen, die andere Hälfte waren wir mit dem großartigen Jack Mantis und unserem Magic School Bus unterwegs. Es war eine tolle Zeit, wir haben wunderbare Menschen und Musiker kennen gelernt, wurden mehr als ein Mal zum Essen eingeladen und haben in nur drei Wochen mit ein wenig Hilfe die letzten 20 Flaschen Rum aus Kuba geleert.“

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Ankunft auf den Bermudas © Sailing Conductors

Anfang Juni setzten sie dann Segel auf Dickerchen „Marianne“ und schipperten von Florida gen Bermudas – ohne dabei im berüchtigten Bermuda-Dreieck von Aliens entführt, von Ungeheuern in die Tiefe gerissen oder von geheimnisvollen Dimensionslöchern verschluckt zu werden.

Auf den Bermudas dann wieder reichlich Musik (siehe Video oben). Ihr Blog-Eintrag zu dem Stück lässt erahnen: schon wieder eine Station, von der zumindest einer der beiden Weltumsegler sich nur schwerlichst trennen konnte. Auszüge:

 Erster Tinder-Treff namens Tara

„Als wir aus den Staaten mit Kurs auf Bermuda abgelegt haben, hatte ich ehrlich gesagt nicht wirklich daran geglaubt, überhaupt Musiker auf der Insel mitten im Atlantik zu finden. Recht isoliert liegt der kleine Inselstaat am Rande des berühmten Bermuda-Dreiecks (yeah! wir sind durch!) und dass wir gleich so jemanden tollen wie Tara finden, ist ehrlich gesagt auch – naja, nicht die klassische Art, wie wir Musiker normalerweise kennen lernen.

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Musiker und ihr School-Tour-Bus © Sailing Conductors

Alles fing mit einem etwas verschrobenen Tourkoller im Magicbus, irgendwo zwischen Chicago und New York an. Jack war ständig an seinem neuen iPhone, Benni tipselte auch unentwegt auf seinem Telefon rum und ich – meine Freundin hatte sich gerade von mir getrennt – fühlte mich wohl ein bisschen einsam und musste an die Storys meiner Single-Freunde in Deutschland denken.

Tinder ist eigentlich eine klassische Dating-App. Und so tinderte ich eher aus Langeweile als mit ernsthaften Hintergedanken durch die Welt, bis auf den Bermudas plötzlich Tara auf meinem kleinen Bildschirm auftauchte. Ein Foto von ihr mit einer Gitarre.

Tara hat dort einen kleinen Laden in St. George’s und verkauft unter anderem selbstgemachten Schmuck aus recyceltem Plastikmüll. Diverse Auszeichnungen hat sie mit ihrer umweltbewussten Mode schon gewonnen, gibt Unterricht an Schulen und ist auch sonst wirklich klasse. Checkt ihren Laden unbedingt aus, man kann wohl auch online bestellen → LaGarzaBermuda.com

Gedatet haben wir zwar nicht wirklich, aber dafür etwas viel Tolleres angestellt und das könnt ihr euch hier anschauen. Mein erster Tinder-Treff war also ein voller Erfolg.“

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Kurz vorm Ablegen gen Irland © sailing conductors

Irland statt Lissabon

Ihren ursprünglichen Plan, direkt von den Bermudas nach Lissabon zu segeln, gaben die segelnden Dirigenten dann wegen schwächelnder Winde und dem ebenfalls schon hustenden Motor der Marianne auf. Zugunsten der nördlichen Route Richtung Irland, die in der Regel mit frischeren Winden und Temperaturen aufwartet und auf der Motorleistung eine nur untergeordnete Rolle spielen dürfte.

Vorgestern segelten sie über der Stelle, an der die Titanic vor 103 Jahren versank. Ihr vorerst letzter Blogeintrag: 41°48.00N 46°42.00W – JustPassedTheSpotWhere103yearsAgoTheTitanicSankToTheBottomOfTheSea.Spooky! AlsoTheTempDroppedFrom23to15degCel.Brrrrr…

Und weil es die Junx so kalt haben, hier noch ein kleines Erinnerungsvideo von vor einem Jahr, als sie in durchaus wärmeren Gefilden auf den Spuren Bob Marleys unterwegs waren.

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