Stephan Bodens Kolumne: Der Wal in der Ostsee und warum es eigentlich niemanden wirklich kümmert

„Völlig vergammelter Wal am Arsch der Heide“

Ganz Deutschland ist seit Tagen in heller Aufregung. Der Grund ist ein Buckelwal, der immer wieder öffentlichkeitswirksam auf Sandbänken strandet. Die Zutaten sind perfekt für ein mediales Feuerwerk. Das Problem an Feuerwerken: Sind sie erloschen, gehen alle nach Hause, und der Müll bleibt zurück.

Gestrandeter Buckelwal. Beispielbild

Der Buckelwal liegt vor Timmendorfer Strand im flachen Wasser, schwer, sichtbar, nah genug, um ihn mit Kameras formatfüllend ins Bild zu bekommen. Menschen stehen am Ufer, Kamerateams bauen sich auf, Drohnen schwirren, Reporter sprechen in Mikrofone und beschreiben eine Situation, die keiner großen Erklärung bedarf. Ein großes Tier ist in Not, und es ist so platziert, dass möglichst viele daran teilhaben können. CTRs und Impressions juchzen vor Freude. 

Ein paar Tage zuvor war derselbe Wal bereits in Wismar aufgetaucht. Damals war er in den Medien noch ein „Finnwal“ und kaum ein Redakteur hat sich auch nur kurz die Mühe gemacht, mal nachzusehen, um welche Art es sich wirklich handelt. Es hätte der Blick in eines der Pixie-Bücher meines Sohnes ausgereicht. Der Wal wurde zur Kenntnis genommen, schnell veröffentlicht und schnell wieder vergessen. Nur eine kleine Randmeldung, denn verirrte Wale sind in der Ostsee keine große Sache mehr, außer, sie schwimmen in einem Hafenbecken. Wie in diesem ersten Fall. Dann war er wieder da, und plötzlich war er überall.

Namen geben, Pathos erhöhen, Dramatik stärken

 

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2 Kommentare zu „Stephan Bodens Kolumne: Der Wal in der Ostsee und warum es eigentlich niemanden wirklich kümmert“

  1. jorgo

    sagt:

    Meine Analyse:
    Zuviele ratlose Journalisten kümmern sich um offensichtliche Randthemen.

    Viel wichtiger wäre es angesichts der absehbaren Treibstoff-Probleme das Thema Energiesparen ganz oben auf die Agenda zu setzen und die Menschen auf harte Zeiten einzuschwören.
    Hierzulande hat man sich mit seiner wankelmütigen Energiepolitik der vergangenen vier Jahrzehnte in eine prekäre Lage gebracht. Mit dem viel beschworenen Umweltschutz und das Konzentrieren auf Randprobleme lässt sich unsere eigene Welt hier vor Ort nicht retten.

    Symbolisch dafür: Die absurde Idee
    mit Mega-Aufwand einen Buckel-Wal am Sterben zu hindern. Möglicherweise eine weitere Form von Tierquälerei.

  2. Waldexperte

    sagt:

    Männliche Lebewesen, die rechts abbiegen, nach MeckPomm kommen und dort frustriert hängen bleiben, kommt häufiger vor.
    (Fabian Köster)

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