Die zweite ARD-Staffel über die DGzRS begleitet die Seenotretter wieder bei Einsätzen auf Nord- und Ostsee in sechs Episoden. Die Machart unterscheidet sich ein wenig von der ersten Staffel, die Serie wirkt noch näher dran am Geschehen und gibt vor allem Seglern gute Einblicke, auch auf das eigene Risiko an Bord.

Die halbstündigen Reportagen zeigen die ganze Bandbreite der Einsätze, wie sie Seglern nur allzu bekannt vorkommen kann. Manövrierunfähige Yachten, Wassereinbruch, medizinische Notfälle, Feuer an Bord oder Boote, die mit den Bedingungen nicht mehr klarkommen. In einer Szene kämpft eine Yacht auf der Nordsee mit eindringendem Wasser – kein spektakulärer Schaden, aber einer, der sich an Bord nicht mehr beherrschen lässt. In anderen Fällen ist es weniger die Technik als das Zusammenspiel aus Wetter, Revier und Timing, das aus einer eigentlich überschaubaren Lage einen Einsatz macht.
Neu ist der Blick in die von der DGzRS betriebene Rettungsleitstelle See, das MRCC Bremen. Dort wird koordiniert, was draußen als Pan-Pan oder Mayday beginnt. In der Serie wird anschaulich vermittelt, wie viele Fäden im Hintergrund zusammenlaufen.
Viele Perspektiven und viele Erkenntnisse
Gedreht wurde mit Bodycams, fest installierten Kameras und Videojournalisten, also multiperspektivisch. Das Ergebnis wirkt nah, ohne aufdringlich zu sein. Man sieht große Kreuzer ebenso wie kleinere Seenotrettungsboote, erfahrene Crews ebenso wie neue Besatzungsmitglieder. Die Rettung eines in Seenot geratenen Anglers wurde sogar durch seine eigene Actioncam dokumentiert. Auffällig ist der Ton an Bord: ruhig, direkt, manchmal mit einem trockenen Spruch, aber immer auf die Aufgabe konzentriert.

Für Segler liegt der Reiz der Serie nicht im Drama, sondern im Wiedererkennen. Die Folgen machen deutlich, wie oft scheinbar kleine Probleme größere Folgen haben können – und wie schnell sich Bedingungen ändern. Ohne Belehrung, ohne Kommentar. Auch kleinste technische Fehler an Bord können große Folgen auslösen und Seglern, die sich mit der Serie beschäftigen, wird vor Augen gehalten, dass ein gewisses Risiko immer besteht. Plötzlich brennt die Yacht, plötzlich tritt Wasser ein, plötzlich versagt der Kreislauf, plötzlich streikt die Maschine genau dann, wenn man sie braucht. Allein schon wegen dieser Erkenntnis lohnt sich die gesamte Doku-Reihe.
Die neue Staffel ist seit 30. Dezember in der ARD-Mediathek zu sehen.
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