Nach der Etappe Laguna San Rafael in Patagonien war Schluss mit Gletscherromantik für die Abenteurer Dídac Costa und Guillermo Cañardo. Sie mussten ihre ruderlosen 5,60-Meter-Kats über Land wuchten und immer wieder neu starten. Am Ende stand kein Scheitern, sondern Patagoniens nüchterne Korrektur des Plans.

Nach dem Start des erstaunlichen „Törns“ in Chile hätte diese Geschichte leicht in jene Richtung kippen können, in der Abenteuer richtig nett aussehen: Gletscher im Hintergrund, Pathos im Blick, cooles Segeln auf glasklaren Seen und Lagerfeuerromantik in den Buchten. Die Spanier Dídac Costa und Guillermo Cañardo haben stattdessen die unromantischere Variante gewählt – oder besser: Patagonien hat sie ihnen aufgezwungen.
Wer mit zwei offenen, ruderlosen 5,60-Meter-Booten durch dieses Revier will, segelt nicht einfach. Er wartet auf Wetterfenster, zieht sein Boot hinter sich her, schleppt es über Land, stellt x-mal den Mast, um ihn eine Viertelstunde später wieder zu legen, flucht, heult, friert – und segelt dann doch. Achtung, Spoiler: Der große Zieleinlauf in Puerto Williams blieb aus. Stattdessen endete der erste Abschnitt in Caleta Tortel. Kein Scheitern, eher eine Korrektur durch die Wirklichkeit. Aber schön der Reihe nach.
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Es gibt Abenteuer, die sehen aus der Ferne wie eine saubere Linie auf der Karte aus. Ein Startpunkt, ein Ziel, dazwischen ein paar Fjorde, Gletscher, ein paar Gleitfahrten mit dem Boot und fertig ist die große Erzählung. So können Abenteuer in Powerpoint-Präsentationen aussehen und vielleicht lassen sich so dann auch Sponsoren gewinnen. Die Wirklichkeit ist jedoch hässlicher, langsamer, nasser, erschöpfend … und viel interessanter.

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