29er WM Travemünde: Spanier siegen, beste Deutsche Kohlhoff/Werner 25.

"Wahnsinniges Niveau"

Stars von heute und morgen. Eine Woche nach der Jugend-WM holen die Spanier Carlos Robles und Florian Trittel überlegen den Titel der Gesamt-WM. © Könitzer/TW

Mit einem krachenden Finale haben die 29er ihre Weltmeisterschaft im Rahmen der 123. Travemünder Woche beendet. Am sechsten und letzten Regattatag fegten erstmals während der Titelkämpfe heftige Schauerböen über das Feld der Skiff-Segler hinweg. Den neuen Weltmeistern Carlos Robles/Florian Trittel (Spanien) konnte das Wetter nichts mehr anhaben, obwohl auch sie Probleme hatten, das Boot zu kontrollieren.

Ihnen reichte letztlich eine Topplatzierung in den drei Rennen, um sich den großen Titeltraum zu erfüllen und vor Lucas Rual/Kevin Fischer (Frankreich) sowie Mateo Majdalani/Klaus Lange (Argentinien) zu triumphieren. Die besten Deutschen, Paul Kohlhoff/Carolina Werner aus Kiel, beendeten die WM auf Platz 25.

Die Woche von Travemünde war einer WM in der jungen Klasse mehr als würdig. Mit 216 Teams aus 24 Nationen war es die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten in der erstmals 1998 in Australien gebauten Klasse. Und auch das sportliche Niveau übertraf alle globalen 29er-Titelkämpfe zuvor.

Von allen Kontinenten waren die Top-Stars nach Travemünde gekommen, segelten ein strammes Programm von neun Rennen in der Qualifikationsrunde und weiteren neun Rennen im Finale. Dabei zeigte sich auch der norddeutsche Sommer von seiner besten Seite und bescherte bis zum letzten Tag fast schon karibische Atmosphäre, die die 432 Sportler auch auf der Festivalmeile intensiv genießen konnten.

So zog der deutsche Klassen-Präsident Christian Kramer (München) eine rundum positive WM-Bilanz: “Es hat viel Mühe gemacht, die Meisterschaften nach Travemünde zu holen. Aber es hat sich gelohnt. Die Lübecker Bucht als Segelrevier und der Grünstrand als Stützpunkt ergänzen sich optimal.”

Mehr Zeit auf dem Wasser nötig

Das sportliche Fazit des 50-Jährigen fällt dagegen durchwachsen aus: “Zum einen ist es unglaublich, wie stark Carlos Robles und Florian Trittel segeln, egal wie der Start ausfällt.” Zum anderen sei deutlich zu sehen, dass andere Nationen wie etwa Argentinien oder Großbritannien ihre Standortvorteile nutzen. “Sie verbringen einfach viel mehr Segeltage auf dem Wasser als unsere besten Talente.”

Die neuen Weltmeister beim Abfallen an der Ablauftonne © M.Könitzer

Sehr fokussiert waren Carlos Robles und sein deutsch-spanischer Vorschoter Florian Trittel ins Rennen gegangen. Nach dem Gewinn der Youth Worlds direkt vor der Travemünder Woche galten sie als klare Favoriten und wurden dieser Rolle schließlich gerecht. Dennoch war Robles schlichtweg überwältigt vom Titelgewinn: “Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir es geschafft haben”, sagte der 16-Jährige, der den Titel seinen Eltern widmete.

Auch Florian Trittel dankte seinen Eltern und erklärte: “Wir haben einen guten Job gemacht, auch wenn wir nach den Youth Worlds zunächst etwas müde waren. Aber wir sind physisch sehr gut drauf.”

In der Qualifikationsrunde wurden sie allerdings vom starken Auftritt der ehemaligen Opti-Weltmeisterin Noppakao Poonpat mit ihrem Vorschoter Steven Thomas aus Thailand überrascht. “Als der Wind noch schwach war, hat sie ihren Gewichtsvorteil sehr gut genutzt. Als es dann aber mehr Wind wurde, bekam sie etwas Schwierigkeiten und ist noch auf Platz vier abgerutscht”, sagte Trittel.

Schlüssel zum Erfolg war für die neuen Weltmeister die Beständigkeit in der Serie bei allen Bedingungen. Das Duo will nun in den olympischen 49er umsteigen und peilt in Zukunft einen Olympiastart an. Ob das allerdings ein gemeinsamer sein wird, ließen sie offen, auch wenn sie zunächst gemeinsam weiter in einem Boot sitzen wollen.

Kohlhoff/Werner rutschten aus Top Ten

Die deutschen Akteure mussten das höhere Leistungsniveau der anderen Nationen anerkennen. Paul Kohlhoff/Carolina Werner, die zu Beginn noch in den Top-Ten lagen, rutschten im Verlaufe der Finals weiter ab, verteidigten aber ihre nationale Topposition.

Auf dem ungewohnt hohen WM Niveau musste man sich mit allen Mitteln durchsetzen © M.Könitzer

“Es war schon ein wahnsinniges Niveau in der Goldflotte. Wenn man einmal nicht vorn dabei war, hatte man kaum mehr Chancen, das wieder gut zu machen. Im letzten Rennen hatten wir dann auch noch mit einer Kenterung Pech”, berichtete Carolina Werner. Dabei brachten ausgerechnet die neuen Titelträger die Kieler in Bedrängnis. Die Spanier segelten direkt vor Kohlhoff/Werner, als Trittel ins Wasser stürzte und die Deutschen ihr Boot nach einem Ausweichmanöver im letzten Augenblick nicht mehr halten konnten.

Die Lokalmatadore Ole Kuck und Niclas Kath (Lübeck) konnten den letzten Tag noch einmal richtig genießen und landeten zum Abschluss mit einem vierten Platz ihr bestes WM-Einzelresultat. Mit Gesamtrang 30 erfüllten sie ihre Zielvorgabe punktgenau. “Die Zwei haben noch alles vor sich und können nächstes Jahr bei der WM in Aarhus richtig angreifen”, sagte Klassenboss Kramer.

Eine starke WM segelten als 34. auch Jasper Steffens/Tom Brauckmann (Kiel), die erst im vergangenen Jahr in den 29er umgestiegen sind. “Auch wenn wir zum Abschluss noch ein bisschen abgerutscht sind, so war es doch eine tolle WM”, sagte Steffens.

Ergebnisse

Pressekontakt Travemünder Woche:
Anne Stadtfeld und Ralf Abratis

Gesamtstand nach neun Wettfahrten in der Goldflotte:
1. Carlos Robles/Florian Trittel (Spanien) 24
2. Lucas Rual/Kevin Fischer (Frankreich) 42
3. Mateo Majdalani/Klaus Lange (Argentinien) 71
4. Noppakao Poonpat/Steven Thomas (Thailand) 72
5. Llena Marti/Oriol Mahiques (Spanien) 75
6. Alejandro Baudoino/Martín Cubría (Argentinien) 85
7. Victoria Travascio/Franco Greggi (Argentinien) 94
8. Ben Batten/Tim Gratton (Großbritannien) 95
9. Christopher Williford/Kai Friesecke (USA) 110
10. Nahuel Martinez/Damian Saponara (Argentinien) 113

25. Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Kiel) 181
30. Ole Kuck/Niclas Kath (Lübeck) 208
34. Jasper Steffens/Tom Brauckmann (Kiel) 220
44. Nils Carstensen/Jan Frigge (Flensburg) 246
49. Kim Niclas Holste/Yannik Holste (Wunstorf) 299
50. Stefan Gieser/Hannes Mandel (Heidelberg) 300
52. Charlotte Müller/Thomas Müller (Heidelberg) 309

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