America’s Cup: Organisatoren müssen Team New Zealand nach Vertragsbruch entschädigen

Kalkuliertes Ränkespiel?

Eine Entscheidung am grünen Tisch könnte dem Emirates Team New Zealand schon zwei Jahre vor dem America’s-Cup in Bermuda den Sieg gekostet haben. Nun feiern sie einen späten Triumph, der nur geringen Wert hat.

Emirates Team New Zealand

Die Kiwis beim einsamen Training vor Auckland. © ETNZ

Der damalige Verantwortliche und inzwischen freigestellte Commercial Commissioner Harvey Schiller setzte sich im April 2015 über einen Vertrag hinweg, der den Kiwis die Ausrichtung der Challenger Vorrunde in Auckland für den Februar 2017 zugestand.

Es war offenbar eine Retourkutsche, nachdem Teamchef Grant Dalton und Co die Partei der Italiener von Luna Rossa ergriffen hatten. Das Team von Patrizio Bertelli wehrte sich gegen eine Protokoll-Änderung, die den Wechsel vom 62 Fuß Katamaran zum 50-Fußer beinhaltete. Luna Rossa war beim Design des 62ers schon weit fortgeschritten und sah sich dieses Vorteils beraubt. Verärgert stiegen die Italiener aus.

Vertrag nicht eingehalten

Die Neuseeländer gingen derweil den Schritt unter Protest mit, vertrauten aber voll auf die Austragung der Herausforderer-Vorrunde. Denn auf dem vertraglich zugesicherten Wettbewerb im eigenen Land  basierte die eigene Finanzierung durch die neuseeländische Regierung.

Aber die Cup-Organisatoren hielten den Vertrag nicht ein und verlegten alle Challenger-Rennen nach Bermuda. Damit brach das Kiwi-Team fast auseinander. Das Geld aus der Staatskasse fehlte, Seglern wurde gekündigt, es kam zum Bruch mit Skipper Dean Barker, der daraufhin nach Japan wechselte, und der Bau des ersten Testbootes verzögerte sich.

Man könnte fast denken, dass sich Oracle mit diesem Hin und Her seiner zwei härtesten Gegner vom Cup 2017 entledigen wollte. Sicher ist nun, dass das Vorgehen gegen die Neuseeländer nicht Rechtens war. Das America’s Cup Schlichtungs-Komitee hat gegen den Veranstalter entschieden.

Millionen-Entschädigung

Neuseeländische Medien berichten, dass ein zweistelliger Millionenbetrag als Entschädigung fällig wird. Die Wiedereinsetzung der Regatta ist dagegen aus Zeitgründen nicht mehr möglich. Die Organisatoren haben auf Zeit gespielt. Das Schlichtungs-Komitee ist erst mit einer Verzögerung von über einem Jahr zusammengetreten. War es ein kalkuliertes Ränkespiel zur Schwächung des härtesten Gegners?

Die Nachricht des Kiwi-Sieges am grünen Tisch wurde nicht offiziell verkündet, weil sich die Segelteams für solche Fälle zur Vertraulichkeit verpflichtet haben. Aber große Jubelstürme wird man bei den Finalisten von 2013 nicht erwarten können. Denn in der jetzigen Phase der Cup-Vorbereitung kommt mehr die fehlende Zeit als das Geld zum Tragen.

Team NZ hat sein erstes Testboot erst im Juni 2016 ins Wasser bringen können als Oracle und die Briten schon drei Katamarane betrieben und Artemis zwei. Und die Japaner sind durch ihre Verbindung mit Oracle ebenfalls deutlich weiter in der Vorbereitung.

Foiling Wende gezeigt

Wie es tatsächlich um die Neuseeländer steht, ist aber schwer einzuschätzen. Sie trainieren alleine auf heimischen Gewässern und haben mit Peter Burling und Blair Tuke die 49er Olympiasieger und wohl besten Schnellsegler der Welt an Schlüsselpositionen sitzen.

Dass sie nicht untätig und längst nicht gänzlich abzuschreiben sind, zeigt ein geschickt platziertes Video des Teams. Ray Davies präsentiert die Tatsache, dass seine Jungs schon in kürzester Zeit die Foiling-Wende beherrschen. Diese gilt als Heiliger Gral des nächsten America’s Cups:

 

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *