Deutschland beim SailGP: Olympia-Stars bilden Dream-Team – Alter Bekannter stemmt Budget

Endlich dabei

Der SailGP hat die Identität des 11. Nationalteams preisgegeben, mit dem die Foiler-Flotte für die dritte Saison aufgestockt wird. Nach der Schweiz und Kanada ist auch Deutschland am Start. Wer dahinter steckt.

David Heitzig freut sich über den Speed Sieg. © Jens Hoyer/All In Racing

Es ist eine logische Wahl. Kein Wunder, dass Russell Coutts Deutschland bei seinem SailGP dabeihaben will. Daraus hatte er schon im August keinen Hehl gemacht und eine Delegation nach Dänemark eingeladen. Die deutschen olympischen Schnellsegler sind die besten der Welt. Drei Medaillen in Japan sprechen eine deutliche Sprache. Keine Nation war in den Speedklassen Nacra17, 49er, 49erFX erfolgreicher.

All In Racing

Das deutsche All In Racing Team hängt sich 2013 voll rein. © Jens Hoyer / All In Racing

Coutts muss sportliche Qualität liefern, wenn er den SailGP weiter verbessern und verjüngen will. Dabei kommt er an den Olympia-Athleten im Kat-Foiler und den Skiffs nicht vorbei. Dass es funktioniert, zeigen die Australier mit Nacra17 Medaillengewinner Jason Waterhouse als Flight Controller und Diego Botin, Olympia-Vierter, Freund und enger Trainingspartner von Heil/Plößel in derselben Position beim spanischen Team. Botin hat mit dem Nacra17-Olympioniken Florian Trittel eine neue Olympia-Kampagne im 49er gestartet. Trittel sitzt im F50 neben ihm als Wingtrimmer.

SVB Team Germany

Das SVB Team Germany bei der Arbeit 2017 in Bermuda. © Mark Lloyd / ACEA / Red Bull Content Pool

Nacra17-Olympia-Skipper Quentin Delapierre kommt als SailGP-Steuermann für die Franzosen immer besser in Fahrt. 49er-Gold-Gewinner Stuart Bithell ist neuer Wingtrimmer für das Schweizer Boot, das vom 49er-Doppel-Olypioniken Sébastien Schneiter gesteuert wird. Und die Klassen-Kollegen Peter Burling und Blair Tuke sind für Neuseeland auch längst dabei.

Ralph Dommermuth setzt wieder ein Zeichen

Es war immer klar, dass ein deutsches Team auf Anhieb konkurrenzfähig ist, wenn es aus seinem großen talentierten Olympia-Pool schöpfen kann. Das hatten die deutschen Initiativen schon bei zwei Youth America’s Cups eindrucksvoll bewiesen. Es fehlte nur jeweils das Budget, um danach den Schritt der anderen großen Segelnationen mitzugehen und bei den Großen mitzuspielen.

Die Finanzen scheinen nun gesichert. Der deutsche Internet Milliardär Ralph Dommermuth (58) hat beschlossen, mit seinem United-Internet-Imperium erneut in den deutschen Segelsport zu investieren und ein Team zu unterstützen. Der Geldgeber der historischen ersten deutschen America’s Cup-Teilnahme 2007 hat den unglücklichen Verlauf der Kampagne in Valencia noch nicht verschmerzt und spricht nun von “unfinished business”.

Schließlich ließ er die private Segelleidenschaft nicht trüben. Seit 2008 bewegt er seine “Blue Papillion”, ein 43 Meter langes bei Huisman gebautes Germán Frers Design, überwiegend im Mittelmeer. Und er verfolgt die Entwicklung des SailGP mit wachsender Begeisterung.

Ralph Dommermuth neben Jochen Schümann © UITG

Die Finanzierung der 7 Millionen Euro für eine SailGP-Saison wären für den bei Forbes mit einem Vermögen von 3,6 Milliarden Dollar unter den Top-20 gelisteten reichsten Deutschen wohl kein Problem. Aber er weist darauf hin, dass es sich beim Engagement im SailGP nicht um eine private, sondern geschäftliche Entscheidung handelt. Er bescheinigt der Regatta “ein riesiges Potenzial” und sehe zahlreiche Synergien, die er mit seinen E-Mail-Plattformen GMX und Web.de sowie dem DSL-Anbieter 1 & 1 nutzen könne.

Das Malizia Team mit Pierre Casiraghi am Steuer und Boris Herrmann an Bord. © GC 32 Racing Tour

Gerade der Erfolg von Boris Herrmann habe gezeigt, dass man in Deutschland durchaus Menschen für den Segelsport begeistern könne. Der Offshore-Segler, der aktuell für seine nächste Vendée Globe Kampagne eines der größten Sponsor-Budgets überhaupt im deutschen Segelsport generieren konnte, hat ebenfalls Unterstützung für das Projekts signalisiert. Er schließt auch eigene Einsätze auf dem F50 Foiler nicht aus. Zusammen mit Pierre Casiraghi hat er schließlich schon die GC 32 Racing Tour bestritten.

Wie genau sich die Crew zusammensetzt, ist noch nicht entschieden. 49er-Skipper Erik Heil käme für den Steuermann-Posten in Frage aber mehr noch Nacra17-Bronze-Gewinner Paul Kohlhoff. Er setzt deutlich mehr auf die Karte Profisegler als Heil, der eine Karriere als Mediziner anstrebt.

Aber auch Laser-Weltmeister Philipp Buhl hat großes Interesse angekündigt. Er treibt seine Karriere als Moth-Segler voran. Eine Erfahrung, die nicht schadet, wie SailGP-Sieger Tom Slingsby beweist nach seinem überlegenen Moth-WM-Sieg 2021 am Gardasee.

Weitere Informationen zum Team und Sponsoring

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „Deutschland beim SailGP: Olympia-Stars bilden Dream-Team – Alter Bekannter stemmt Budget“

  1. avatar Fördepirat sagt:

    Traurig, das deutsche Versagen auf Kosten eines Aprilscherzes zu nehmen… Trauer ist nicht gleich Humor…

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  2. avatar Thomas sagt:

    Sehr gute Nachrichten!

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  3. avatar wegener@ammersee-westkueste.de sagt:

    Das gute daran: Aprilscherze auf segelreporter haben ja auch manchmal was prophetisches: https://segelreporter.com/regatta/americas-cup-alinghi-greift-wieder-an-ernesto-bertarelli-bestaetigt-comeback-nach-11-jahren/

  4. avatar Südsee Segler sagt:

    Das lässt einen, nachdem man den Artikel (einige Tage nach dem 1. April) liest, erst sehr euphorisch gestimmt ist, dann mit dem sehr schlechten Gefühl zurück, dass Deutschland hier wohl nie in die 1. Liga des Segelsports vordringen wird.

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