„Ethel von Brixham“ Havarie: Gestrandeter Traditionssegler bricht bei Bergung in zwei Teile

Traurige Gewissheit

Bei der Bergung des Zweimasters „Ethel von Brixham“ haben sich die Befürchtungen bestätigt. Das Schiff ist ein Totalverlust. Eine Verunreinigung der Elbe konnte allerdings verhindert werden.

Ethel von Brixham“
Der Schwimmkran „Enak“ birgt eines der Rumpfteile der „Ethel von Brixham“. © WSA Elbe-Nordsee

Die unglückliche „Ethel von Brixham“ ist zu einem Totalschaden geworden. Bei der Bergung am Samstag brach das Schiff auseinander. Das Ende Januar in der Außenelbe vor Cuxhaven aufgelaufene, rund 30 Meter lange Traditionsschiff war von dem Spezial-Schwimmkran Enak aus dem Wasser gehoben und von mehreren Schiffen abgesichert worden.

Das Schiff zerbrach in zwei große Teile, die anschließend nacheinander auf einen Ponton verladen wurden. Dieser Vorgang kam für die Experten vor Ort nicht überraschend, da der Rumpf durch die vorangegangenen Sturmtage und die Gezeiten bereits schwer gezeichnet war. Die Tanks des Schiffs wurden laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) dabei glücklicherweise nicht beschädigt, weshalb es zu keiner Verunreinigung des Wassers kam.

"Ethel von Brixham"
Die Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr auf dem Leitdamm. © FF-Duhnen-Stickenbüttel / FOS

Bei der Aktion waren der Schwimmkran, zwei Schlepper und ein Arbeitsschiff im Einsatz. Auch Spezialtechnik zum Auffangen von Öl stand bereit, während zwei weitere Schiffe den vorbeifahrenden Verkehr warnten. Bereits am Freitag hatten die Bergungsteams die Masten und lose Schiffsteile entfernt, um die Last zu verringern. Am Samstagabend wurde dann bei Niedrigwasser erneut nach verbliebenen Wrackteilen gesucht, bevor der Ponton samt der Trümmer endgültig nach Cuxhaven gebracht wird.

Dass ein solches ehemals stolzes Schiff nun keine Zukunft mehr hat, bezeichnete ein Sprecher des WSA als bedauerlich für die Szene. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass das Amt als Behörde emotionslos an die Gefahrenabwehr herangehen müsse. Aus technischer Sicht handele es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Ethel von Brixham
Ethel von Brixham in der eisigen Elbe. © flywithmitchy

Das ist allerdings auch kein Wunder. Denn der ehemalige Eigner Gerhard Bialek, der den Schoner fast drei Jahrzehnte lang von Kiel aus als Traditionsschiff betrieb, hatte die Kosten nicht mehr tragen können. Zuvor hatte er über eine Million Euro in dessen Erhalt investiert, dann aber Ethel für einen Euro per Schenkungsvertrag an eine britische Organisation übergeben. Diese hatte das Schiff an einen anderen Briten weitergegeben, der den Segler nach England bringen wollte und nun für den Unfall verantwortlich gemacht wird. Bialek hatte es nach dem Unglück als „idiotisch“ bezeichnet, das Schiff bei dem vorherrschenden Wetter überführen zu wollen.

Die Bergung soll laut NDR Kosten im Bereich von 300.000 Euro verursachen, die dem Briten berechnet werden. Ob er diese tragen kann, ist bisher nicht bekannt. Laut Behörde besteht nun keine Gefahr mehr für Schifffahrt und Umwelt. Experten eines Spezialunternehmens hatten den Havaristen schon vor der Bergung begutachtet und schwere Schäden im Schiffsrumpf festgestellt.

Ethel von Brixham
Stagsegelschoner Ethel von Brixham auf der Kieler Förde 1987 © wiki, Nerolein, lizenziert unter CC BY-SA 4.0

5 Kommentare zu „„Ethel von Brixham“ Havarie: Gestrandeter Traditionssegler bricht bei Bergung in zwei Teile“

  1. U.Daum

    sagt:

    Meldung von NDR heute abend

    Cuxhaven: Havarierter Segler „Ethel von Brixham“ war nicht seetüchtig
    Stand: 16.02.2026 17:21 Uhr

    Am Wochenende hat Deutschlands stärkster Schwimmkran „Enak“ das havarierte Segelschiff „Ethel von Brixham“ geborgen – dabei brach es in zwei Teile. Nun ist auch klar: Das Schiff war offiziell nicht seetüchtig.

    Das geht aus einem Eintrag im Logbuch hervor. Dort hatte der bereits im Herbst hinzugezogene Cuxhavener Kapitän Ralph Gütlein deutlich vermerkt: „Dieses Schiff ist nicht seetüchtig.“ Der Warnhinweis sei mit einem roten Strich am Rand markiert und unübersehbar. Gütlein bezeichnete die „Ethel von Brixham“ als Wrack und wollte verhindern, dass sie noch einmal in See sticht. Nach Angaben des Cuxhavener Seemannsdiakons Martin Struwe hatten die Eigner zu diesem Zeitpunkt erwogen, das Schiff in Cuxhaven verschrotten zu lassen. Stattdessen boten sie es im November über Facebook zum Verkauf an – mit Erfolg. Ein neuer britischer Eigentümer übernahm das Schiff, das jedoch am 31. Januar vor Cuxhaven havarierte.

    1. Reiner Schiffer

      sagt:

      Wenn tatsächlich „offiziell“ festgestellt wurde, dass das Schiff nicht seetüchtig war, wie der NDR verlautbart, dann wäre der sogenannte Hafenstaat verpflichtet gewesen, das Schiff festzusetzen und am Auslaufen zu hindern. Das ist dann keine Privatsache mehr und auch keine Zuständigkeit des Flaggenstaates des Schiffes, es geht um Gefahrenabwehr für die Umwelt, die Schiffahrt und um den Schutz von Leib und Leben.

  2. Ede Schwarzbart

    sagt:

    Ich bin nie auf der Ethel gewesen, habe sie aber mehrfach getroffen, zum Beispiel bei der Kieler Woche, auf der Förde mit einer fröhlich singenden Kinderschar an Bord… Diese „Bergung“ mit dem Bagger steht leider symbolisch dafür wie Deutschland mit seinen Traditionsschiffen umgeht. Abgesehen von einer Handvoll einzelner Prestigeprojekte mit entsprechender Lobby gibt es keine Hilfe vom Staat für dieses wertvolle Kulturgut, wenn es Schwierigkeiten gibt wird der „alte Schrott“ eben kurzerhand in Stücke gehackt. Für die Berufsnautiker, Beamten und Verkehrspolitiker hat man als Vereins- und „Hobbyschiffer“ keinen Status. Ja ich weiß der britische Eigner der Ethel soll seiner Pflicht nicht nachgekommen sein eine bessere Bergung zu beauftragen, trotzdem gibt die WSV und sein Dienstherr, das BMDV, hier mal wieder kein gutes Bild ab.

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  3. Marianne Hundt

    sagt:

    Mir blutet das Herz wegen dieses trostlosen Untergangs des ehemaligen Brixham-Trawlers…, dass so ein tolles Schiff, das mit Eckart und Annette sicher und solide durch wirklich stürmische See gesteuert wurde, nicht zuletzt mit vertäuten „Leichenfängern“ und einem Haufen verunsicherter Landratten an Bord, nun als Müll entsorgt wird, ist bestürzend und kläglich.
    Wir segelten zu etwa zwanzig Leuten als „Peace-Boat“ in Richtung Gdansk und Tallin, anfang der 90er. In Tallin wurde uns das Anlegen überraschender Weise nicht erlaubt, stattdessen gabs einen Kanonenschlag vor den Bug zur Warnung. Wir bogen dann ab nach Gotland, wo ungünstige Winde uns länger festhielten. Über Karlskrona nahmen wir dann Kurs zurück nach Kiel. Auf diesem Trip tobte ein entsetzliches Unwetter, aber dank der guten „Seemannschaft“ brach lediglich ein Belegnagel und nicht der Mast. In Kiel bestaunte man uns am Kai: Die großen Fähren waren stundenlang wegen des starken Windes nicht vom Fleck gekommen und an Land lagen lose hingeworfen große Kähne, Autos hingegen im Wasser. Ethel van Brixham ist der Schiffstyp, der Sicherheit und Kühnheit vermittelt, wir sind so sicher gesegelt wie nichts sonst, kein Schlingern oder Herumeiern, guter Tiefgang mit straightem Ruder. Was in aller Welt habt ihr mit ihr gemacht??? Herzliches Beileid und 1000 Dank für die schönen Zeiten; Marianne Hundt aus Berlin

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  4. Wolfgang Siebrecht

    sagt:

    Es ist wirklich ein Jammer. Dieses stolze Schiff, auf dem ich mehrere Segeltörns, noch in den 90er Jahren miterleben durfte, noch unter Eckhart und Annette als Eigner und Skipper, hat wiklich etwas anderes verdient als dieses schmähliche Ende.

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