Kieler Woche: Auf und ab auf der Seebahn

"Plötzlich stand da eine Telefonzelle"

Die Internationale Deutsche Meisterschaft der Seesegler nimmt Fahrt auf. Dabei gab es am dritten Tag der Meisterschaft im Rahmen der Kieler Woche in allen drei Klassen Führungswechsel, bedingt auch durch den Wechsel nach den beiden Mittelstrecken zu den kurzen Up- and  Down-Kursen.

Die "Desna" liegt nach vier Läufen auf Platz 1 der Gruppe ORC I bei der IDM Foto: Kieler Woche / OKpress

Die “Desna” liegt nach vier Läufen auf Platz 1 der Gruppe ORC I bei der IDM  Foto: Kieler Woche / OKpress

Noch bis Mittwoch stehen sechs Wettfahrten auf dem Programm.  In der große Klasse ORC I profitierte der Kieler Sven Wackerhagen  mit der „Desna“ (ORC I) von einer Aufgabe der „Platoon“ (Harm Müller-Spreer/Hamburg). Die „Rockall IV“ von Christopher Opielok (ebenfalls Hamburg) fing die nach den Mittelstrecken führende „LEU“ (Claus Löwe) aus Bremen in der ORC II ab. Bei den kleinsten Schiffen ORC III glänzte die „Sportsfreund“ von Axel Seehafer aus Heiligenhafen mit zwei Tagessiegen an der Spitze und verwies den doppelten Deutschen Meister aus dem Jahr 2012, Max Gurgel auf Platz zwei.

„Da waren etliche Crews draußen, die ihre Boote nicht wirklich im Griff hatten“, schilderte Seebahnchef Ecky von der Mosel seine Beobachtungen von waghalsigen Tonnenrundungen und verunglückten Manövern. Nicht alle führten gleich zu Bruch oder Verletzungen, aber würfelten die Klassements durcheinander.

Die 'LEU' büßte am Montag die Führung der ORC-II-Gruppe durch kleine Fehler ein.  Foto: OKpress / Kieler Woche

Die ‘LEU’ büßte am Montag die Führung der ORC-II-Gruppe durch kleine Fehler ein. Foto: OKpress / Kieler Woche

Nach den Einzelrängen fünf und sieben musste die Bremer „LEU“ die ORC-II-Führung abgeben. „Unsere Fehler spiegeln sich in der Tabelle wider“, meinte Steuermann Albert Schweitzer, „einmal den Spi halb verloren, dann voll eingebremst, daran müssen wir arbeiten.“ Die Kieler Woche sei für die auf Kurzstrecken „up and down“ noch unerfahrene Mannschaft eine gute Übung, um zur WM topfit zu sein.

Für viele Starter bei der IDM dient die Kieler Woche auch als Vorbereitung für die ORC Weltmeisterschaft, die im August ebenfalls in Kiel ausgetragen wird. So auch für Thomas Jungblut. Der Hamburger Segelmacher ist einer von acht Eignern, die das zehn Jahre alte Schiff vor der Verschrottung retteten. „Als wir es übernommen haben, schwammen Gaskocher, Kühlbox und Segelsäcke unter Deck im Wasser“, so Jungblut, „wir haben die alte Möhre restauriert und wollen bei der WM etwas reißen.“

Die 'Platoon' segelt weit vor der ORC-I-Konkurrenz, musste aber ein Rennen nach einer Berührung mit der kleineren 'Solconia' aufgeben.  Foto: OKpress / Kieler Woche

Die ‘Platoon’ segelt weit vor der ORC-I-Konkurrenz, musste aber ein Rennen nach einer Berührung mit der kleineren ‘Solconia’ aufgeben. Foto: OKpress / Kieler Woche

Mit kräftiger Wortwahl skizzierte Immobilientycoon Müller Spreer, Interimseigner der superschnellen Carkeek 47, die er nach der WM an einen Australier weitergibt, die Situation auf Bahn Alpha. „Wir kommen mit 25 Knoten angeschossen, und plötzlich steht eine Telefonzelle im Weg.“ Er meinte die viel kleinere „Solconia“ vom Hamburger Segel-Club (HSC), die allerdings nach eigenen Angaben vorfahrtberechtigt war.
Die „Platoon“ deckte den Gegner beim Ausweichmanöver des letzten Augenblicks mit ihrem Riesen-Gennaker komplett zu, musste dessen Schoten kappen, um sich zu befreien und das Rennen aufgeben.

„30-Fuß-Boote und Schusswaffen passen einfach nicht zusammen auf die Bahn“, polterte Müller-Spreer, der dann allerdings doch zugeben musste, dass er die Lage falsch eingeschätzt hatte und hätte außen herum ausweichen müssen. „Solconia“-Skipper Max Gurgel wurde nach dem Vorfall immerhin noch Fünfter und behauptete Gesamtrang zwei in der ORC III.

Ergebnisse von Montag auf der Seebahn

ORC I IDM (nach 4 Rennen): 1. „DESNA“ Sven Wackerhagen (Kiel,4/5/3/3,5) Punkte 15,5; 2. „PLATOON“ Harm Müller-Speer (Hamburg,1/1/13/3,5) 18,5; 3. „Oxygen“ Morton Ulrikkeholm (NOR,13/2/2/2) 19; 4. „SILVA NEO“ Dennis Gehrlein (Rheinhausen,6/13/1/1) 21; 5. „LM HISPANIOLA“ Horst Mann (Kiel,7/3/4/13) 27; 6. „HASPA HAMBURG“ Dr. Bernard Frieling (Hamburg,8/8/5/6) 27;

ORC II IDM (4): 1. „ROCKALL IV“ Christopher Opielok (HKG,4/1/1/4) Punkte 10; 2. „LEU“ Albert Schweizer (Bremen,1/2/5/7) 15; 3. „X-DAY“ Niels Gauter (Hamburg,6/3/7/3) 19; 4. „Sirena“ Peter Buhl (DEN,7/9/3/2) 21; 5. „EL POCKO“ Nils Heyde (Kiel,10/11/4/1) 26; 6. „VEOLIA“ Torsten Bastiansen (Flensburg,8/1/2/6) 26;

ORC III/IV IDM (4): 1. „SPORTSFREUND“ Axel Seehafer (Heiligenhafen,3/2/1/1) Punkte 7; 2. „SOLCONIA“ Max Gurgel (Kiel,1/3/5/2) 11; 3. „PATENT3“ Jens Tschentscher (Bremen,5/1/4/7) 17; 4. „HALBTROCKEN“ Knut Freudenberg (Bad Laer,4/5/6,5/4) 19,5; 5. „QUATTRO“ Klaus-Peter Boock (Stellhorn,8/7/2/3) 20; 6. „Classix“ Olaf Eggers (Heiligenhafen,6/6/3/5) 20;

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5 Kommentare zu „Kieler Woche: Auf und ab auf der Seebahn“

  1. avatar steehl sagt:

    Das Tragen und der Gebrauch von Schusswaffen auch auf Regattabahnen in Deutschland setzt meiner Kenntnis nach charakterliche Eignung voraus. Die scheint wohl nicht jedem, der sich eine Schusswaffe leisten kann, gegeben.

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  2. avatar armchairadmiral sagt:

    So´n zünftiger Drachensegler hat halt immer Vorfahrt!

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  3. avatar Peter der Zwote sagt:

    Hihi,
    ging mir mit meinem Porsche auch schonmal so.
    Ich komme mit 250 angeschossen und auf einmal steht da eine Telefonzelle. Und obwohl ich gehupt habe, ist die nicht zur Seite gegangen…

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  4. avatar Friedrich sagt:

    Diese Wichtigtuer. Lassen jahrelang die deutschen Seeregatten links liegen, kommen mit viel Geld und so einem unbenommen geilen Megabrateisen zur Kiwo und glauben, dass all die, die da sonst brav und im Fall der Solconia auch noch auf verdammt hohem seglerischen Niveau um die Tonnen kurven, dann mal eben Platz machen! Geht’s noch?

    Ist ja super, dass sich Harm MS und Wieser mal wieder nach Deutschland verirren. Mehr davon! und gut so und nicht gleich wieder abhauen.

    PS: Aber irgendwie freu ich mich schon auf die WM, da werden wir Amateure den Jungs auch gern mal zeigen, dass wir auch die Regeln kennen und an der Linie mal ganz ordentlich die Tür zumachen, wenn jemand meint, er habe eingebaute vorfahrt….

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    • avatar Peter der Zwote sagt:

      Das ist ja das witzige – im Regattasport ist es ja so, dass nur wenige gewinnen können, dabei aber von vielen, die wenig Chancen auf den Sieg haben, kräftig in die Suppe gespuckt bekommen können.
      Es ist also ziemlich doof, sich im Feld unbeliebt zu machen. Da wird dann eben auch mal die Tür zugemacht, weil man es halt kann und nicht weil es einem selbst einen Vorteil gibt…

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