Offshore Team Germany: Weltmeisterin Annie Lush verstärkt deutsche Ocean-Race-Kampagne

"Das ist es, was ich mag"

Das Offshore Team Germany treibt seine Planungen für die Teilnahme am The Ocean Race 2021/22 (TOR) weiter voran: Der Mini 6.50 “Lilienthal” ist verkauft, der Imoca Open 60 „Einstein“ wird in Südengland für den Einbau von Foils der neuesten Generation vorbereitet, mit dem Kauf einer Dehler 30 OD wird eine starke Trainingsplattform in Deutschland geschaffen, und bei der Formierung des Teams hat das Offshore Team Germany eine zentrale Position an Bord für das The Ocean Race 2021/22 besetzt: Annie Lush, eine der erfahrensten Offshore-Seglerinnen weltweit, hat ihre feste Zusage für das OTG gegeben.

Im Juni 2019 taufte Annie Lush die deutsche Yacht für das Ocean Race, jetzt hat sie entschieden, dass sie mit um die Welt segeln will. Foto: Klahn/OTG

Die Britin Annie Lush nutzte die Bühne der Verleihung des German Offshore Awards in Hamburg, um für mehr Frauen im Offshore-Segeln zu werben und sich gleich tatkräftig in den deutschen Segelsport einzubringen: Mit der OTG-Teamführung ist sie sich einig: 2021/22 soll sie an Bord der „Einstein“ ihr drittes Ocean Racebestreiten. „Nach den beiden Teilnahmen 2014/15 und 2017/18 hatte ich das Kapitel vorerst abgeschlossen und wollte mich auf meine Rolle als Mutter konzentrieren. Doch mit diesem Team greife ich gern noch einmal an. Es haben sich hier tolle Menschen zusammengefunden und es ist eine großartige Aufgabe, die Mannschaft von Grund auf mitaufbauen zu können“, sagte die 39-Jährige.

Die Beziehung zu der deutschen TOR-Kampagne wurde bereits 2012 geknüpft. Als Teil der britischen Match-Race-Mannschaft segelte sie vor Weymouth bei den Olympischen Spielen und fand im Olympischen Dorf gleich einen guten Draht zu Robert Stanjek, der damals für Deutschland im Starboot segelte.

Für beide waren es die ersten Olympischen Spiele und zugleich auch die vermeintlich letzten Chancen, unter den fünf Ringen zu segeln, da ihre Disziplinen für 2016 aus dem Olympia-Programm gestrichen wurden. Beide sponnen Ideen, nach Olympia in den Offshore-Bereich zu wechseln und beim Ocean Race um die Welt zu segeln. „Ich hatte vorher in Brasilien die Etappen-Ankunft der Ocean Racer gesehen und gleich gedacht: Wow, das ist die Spitze des Teamsports. Da muss ich dabei sein“, berichtet die Britin.

Zum Rolex Fastnet Race segelte Annie Lush mit Ian Smyth, Conrad Colman, Robert Stanjek, Phillip Kasüske und Jens Kuphal (von links) auf der “Einstein” um den Fastnet Rock. Foto: OTG

Für Annie Lush öffnete sich die Tür zum Ocean Race schnell nach den Spielen 2012. Sponsor SCA aus Schweden baute eine reine Frauen-Mannschaft für das Rennen 2014/15 auf. Und Lush, Match-Race-Weltmeisterin von 2005, 2006 und 2010, gehörte nach den Trials sofort zum auserwählten Kader. „400 Frauen wollten dabei sein. Ich war nach dem ersten Tag auf dem VO70 sofort fasziniert. Wir sind mit 18 Knoten über die Wellen gerauscht. Für mich war das eine ganz neue Welt, ich war bis dahin eigentlich nur 4 Knoten Bootsgeschwindigkeit gewohnt.“

Das Team musste sich auf eine ganz neue Herausforderung einstellen: „Ich bin glücklich auf dem Wasser. Aber bis zum Ocean Race habe ich es auch genossen, am Abend gemeinsam mit Freunden im Pub zu sitzen. Plötzlich hieß es, sich neun Monate komplett zu fokussieren – immer das Team im Auge zu haben, auf Trimm und Speed zu achten. Aber ich habe schnell gemerkt: Das ist es, was ich mag.“

Und das Team SCA nahm eine rasante Entwicklung: „Wir starteten im Vergleich zu den anderen Teams mit nur geringer Erfahrung. Am Anfang war es frustrierend, wir hatten in den ersten Etappen einen Rückstand zur Spitze von Tagen. Aber daraus wurden im Verlaufe des Rennens zunächst Stunden, und die achte Etappe haben wir sogar gewonnen.“

Zum German Offshore Award in Hamburg verkündeten Annie Lush und die OTG-Teamführung mit Skipper Robert Stanjek, Teammanager Jens Kuphal und CEO Michael End (von rechts) ihre Zusammenarbeit. Foto: OTG

Die Crewmitglieder des Teams SCA machten sich einen Namen in der Offshore-Szene, und Annie Lush setzte ihre Ocean-Race-Karriere in der Auflage 2017/18 an Bord des Teams Brunel mit Skipper Bouwe Bekking fort, segelte dabei an der Seite von Superstar Peter Burlingzu drei Etappensiegen und Gesamtrang drei, machte aber auch schmerzhafte Erfahrungen. Auf der dritten Etappe von Kapstadt nach Melbourne wurde das Boot im Southern Ocean von einer harten Welle erwischt. Annie Lush am Grinder wurde umgerissen und verletzte sich schwer am Rücken. In Melbourne schließlich wurden Knochenbrüche festgestellt. Doch Annie Lush überstand diese Verletzung und hat nun wieder Lust auf Offshore-Segeln.

„Robert hat mich im vergangenen Jahr nach Kiel eingeladen, um den Imoca Open 60 des OTG zu taufen“, schmunzelt Lush, die 2018 ihren vierten WM-Titel im Match Race gewann und inzwischen 18 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften errungen hat. „Danach sind wir das Welcome Race gesegelt, und schließlich bot mir Robert an, beim Fastnet Race den Imoca 60 ‚Einstein‘ zu segeln.“ Die Verlockungen fruchteten: „Es ist ein tolles Boot, macht unglaublich viel Spaß. Und wir haben wirklich viel gelernt bei diesem Rennen.“ Annie Lush hat wieder Feuer gefangen für ihre dritte eigene Teilnahme am Ocean Race und die erste des Offshore Team Germany: „Ich bin sehr aufgeregt, Teil des OTG zu sein. Wir sind in einer tollen Situation: Wir haben ein Boot, ein Team und Zeit zur Vorbereitung. Wir sind bereit, Deutschland nach 20 Jahren zurück auf die Karte des Ocean Race zu bringen!“

Quelle: Offshore Team Germany

6 Kommentare zu „Offshore Team Germany: Weltmeisterin Annie Lush verstärkt deutsche Ocean-Race-Kampagne“

  1. avatar Kauni sagt:

    yeah – a truly made in Germany Team! Wo bleiben all die großkotzigen Versprechen?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 7

  2. avatar Friedrich sagt:

    Mann oh Mann, Deutschland einig Meckerland macht auch beim Segeln nicht halt. Das ist doch krass was das OTG da auf die Beine stellt!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

  3. avatar breizh sagt:

    Wieso verkauft man einen Mini um Offshore Erfahrungen auf einer Dehler zu gewinnen? Ein eher ungewöhnlicher Vorgang. Aber gut, dann wollen wir einmal sehen, wieviele Offshore Meilen und Regattateilnahmen in der nächsten Saison so zustande kommen?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

    • avatar Kenner sagt:

      “Wieso verkauft man einen Mini um Offshore Erfahrungen auf einer Dehler zu gewinnen?”

      1. Man möchte nicht einen einzelnen Segler unterstützen sondern ein ganzes Team aufbauen. Dazu ist ein Mini viel zu klein

      2. Man will nicht die französische Offshore-Szene stärken, sondern in D eine deutsche Offshore-Szene aufbauen.

      3. Die Dehler 30 soll als neue Einheitsklasse unterstützt werden.

      4. Die Dehler 30 soll darüberhinaus der Vorbereitung einer Olympiakampagne im Mixed Two Person Keelboat Offshore dienen.

      Konkret soll Robert Stanjek auf der Dehler 30 Meilen für das Ocean-Race sammeln und für Morten Bogacki soll die Dehler 30 die Basis einer Offshore-Olympia-Kampagne sein.

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      • avatar Breizh sagt:

        zu 1. Naja, den Mini könnten auch unterschiedliche Segler bei den anstehenden Wettfahrten segeln. Und doublehanded gibt ja auch noch. Ist nur irgendwie komisch, dass das Land mit den meisten und vielleicht erfolgreichsten Offshore Seglern genau auf diese Klasse setzt. Könnte natürlich auch sein, dass der OTG Mini soweit weg ist von der Einstein, dass er als Erfahrungsboot nicht dienen kann. Anders gesagt die Einstein ist halt einfach ein alter Kahn und nicht vergleichbar mit einem relativ modernen Mini.

        zu 2. Welche deutsch Offshore Szene? In welchem Hafen? Die Ostsee bei aller Liebe zu ihr hat wenig bis gar nichts mit Offshore zu tun. Aber schauen wir einmal, wie groß denn die zu stärkende deutsche Offshore Szene ist.

        zu 3. An neuen Einheitsklassen probieren sich gerade viele. Und auch hier würde ich sagen, wird diese neue Einheitsklasse in Frankreich/England vielleicht noch in Spanien und Italien geprägt aber nicht in Deutschland.

        zu 4. Ob die Dehler es soweit schafft, siehe auch 3.

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        • avatar Kenner sagt:

          Was passt besser zum OT GERMANY ?

          Ein französischer Mini oder ein rein deutsches Schiff ?

          Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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