Travemünder-Woche-Fazit: Abgespeckt an Land – hochkarätig auf See

"Eine wirklich schwierige Woche"

Die 132. Travemünder Woche ging gestern zu Ende. Es war in vielerlei Hinsicht eine besondere TW – die erste nach der coronabedingten Pause, eine mit Hygienekonzept, eine der Wetterextreme sowie eine mit hochkarätigem Segel-, aber abgespecktem Land-Programm. Alles war ein bisschen anders, aber trotzdem ein Erfolg. Darin sind sich die Organisatoren der Travemünder Woche einig. 

2015 holten Helge und Christian Sach ihren letzten TW-Sieg. Jetzt stehen sie wieder ganz oben auf dem Siegertreppchen. Zum 21. Mal! Foto: segel-bilder.de

Mit dem sportlichen Geschehen zeigt TW-Sportdirektor Jens Kath sehr zufrieden, trotz teils widriger Wetterbedingungen. „Es war eine Travemünder Woche mit allem, was die Windpalette zu bieten hat, eine wirklich schwierige Woche mit vielen Starkwind-Tagen. Zum Glück konnte trotzdem in jeder Klasse gesegelt werden. Wir haben besonders bei der Europameisterschaft der ILCA 4 und der WM der RS Feva hervorragende Wettfahrten gesehen, bei denen die Sieger zeigen mussten, dass sie das ganze Windspektrum beherrschen. Sowohl die EM, als auch die WM waren ein Erfolg. Alle Teilnehmer sind zufrieden nach Hause gefahren“, resümiert er.

Gut funktioniert hat laut Kath auch die dezentrale Unterbringung der Segler in den verschiedenen Bereichen, am Grünstrand, Mövenstein und Priwall. Nur an der Tornado-Wiese wäre die Baustelle auf der Travepromenade etwas störend gewesen. „Die Baustellensituation war streckenweise ein wenig schwierig, aber das Problem ist hoffentlich bald behoben“, so der Sportliche Leiter der Travemünder Woche.

Die Musto Skiffs hatten am letzten TW-Tag noch mal die Chance sich vor Travemünder Kulisse zu präsentieren. Foto: segel-bilder.de

Das einzige, was bei der 132. Auflage der TW etwas gefehlt hätte, wären die Abendveranstaltungen und Klassen-Abende auf der Passat. „Aber dafür haben in diesem Jahr alle Verständnis gehabt, genauso wie für coronabedingte Einschränkungen und Vorgaben. Trotzdem freue ich mich auf die nächste TW mit hoffentlich wieder mehr Rahmenprogramm auch für die Segler“, blickt Kath nach vorne. Denn es gilt: Nach der TW ist vor der TW. Für dieses Jahr ist das Konzept der etwas anderen Travemünder Woche jedenfalls gut aufgegangen.

Der Blick in die Zukunft ist vielversprechend, was das sportliche Programm angeht. „2022 wird bei der TW ein Jahr der Deutschen Meisterschaften. Die Dyas, Finns und Folke-Boote werden im Rahmen der 133. Travemünder Woche ihre Meister ermitteln. Ein weiteres Highlight werden die Hobie Multi Europeans sein, die gleich mehrere EM-Titel in verschiedenen Hobie-Klassen vergeben“, kündigt Jens Kath an. Zudem haben die Splash-Klassen ihre Europameisterschaften, die in diesem Jahr nicht ausgetragen werden konnten, auf 2022 zur TW verschoben. Und es lohnt sich, sogar schon noch weiter nach vorne zu blicken, denn 2023 ist ein ganz besonderes Jahr für den Hauptveranstalter der TW: Der Lübecker Yacht-Club (LYC), im August 1898 gegründet, um die bereits bestehende Travemünder Woche zu veranstalten, feiert sein 125-jähriges Jubiläum und plant deshalb einige Highlights für die Travemünder Woche. „Für 2023 steht bereits die Europameisterschaft der O-Jollen auf dem Programm. Weitere hochklassige Regatten sind in Planung“, verrät der Sportliche Leiter.

Hoffnungsfroh starteten Ministerpräsident Daniel Günther, TW-Geschäftsführer Frank Schärffe, Sportdirektor Jens Kath und der LYC-Vorsitzende Lutz Kleinfeldt (von links) am 23. Juli in die Travemünder Woche. Nach zehn Tagen konnte Jens Kath trotz der schwierigen Wetterbedingungen ein sehr positives Fazit ziehen. Foto: segel-bilder.de

Zum Abschluss der Travemünder Woche gab es noch mal ein Spiegelbild der vergangenen zehn Tage: Sonne, Schauer und ein Gewitter, dazu leichte bis mittlere Winde und auch ein paar kräftige Böen. Die Klassen zum Finale konnten sich noch mal austoben auf den Bahnen der Lübecker Bucht, bekamen jeweils eine eigene Bahn. Mit einem weiteren Sieg auf ihrem Heimatrevier stockten die Brüder Helge und Christian Sach ihren Rekord zur Travemünder Woche weiter auf. Gesamtrang eins bei den Formula 18 ist gleichbedeutend mit dem 21. Sieg insgesamt.

Formula 18

Die Sach-Brüder hatten es vorher angekündigt: Ein Selbstgänger wird der Sieg bei der Travemünder Woche nicht, auch wenn sie als aktuell WM-Vierte die klaren Favoriten waren. Besonders von Jesse und Sven Lindstädt erwarteten sie einen harten Fight. Und den bot ihnen das Sohn-Vater-Gespann dann auch. Die Hamburger erwischten den besseren Start in die Serie. Steuermann Jesse Lindstädt, Vize-Weltmeister der Nacra 15 von 2019, steuerte den Kat am ersten Tag zu zwei Siegen über die Ziellinie. Als es taktisch kniffliger wurde auf der Bahn, konterten die Sachs. Mit vier Siegen in Folge legten sie den Grundstein zu ihrem 21. Erfolg, den fünften Platz zum Abschluss verbuchten sie als Streichresultat. „Nach der Hälfte der Rennen lief es runder, weil die Kommunikation und somit auch die Zusammenarbeit besser war. Wir freuen uns besonders über den Sieg, weil die Konkurrenz wirklich hart war. Wir mussten uns ordentlich ins Zeug legen, um zu gewinnen. Die jungen Segler sind echt professionell“, sagte Christian Sach nach der Siegerehrung. Beide Brüder lobten die gute Wettfahrtleitung bei der TW-Regatta. „Die Wettfahrtleitung hat alles rausgeholt, was möglich war, und keine Fehlentscheidungen getroffen“, lobten sie.

Musto Skiff

In Abwesenheit des ehemaligen Vize-Europameisters Iver Ahlmann (Kiel) war der Weg zum ungefährdeten Sieg frei für den Niederländer Paul Dijkstra, Sechster der WM von 2019. Mit sieben Siegen in den neun Wettfahrten hatte er nie Probleme die kleine Flotte zu kontrollieren, den Schweizer Roger Oswald sowie Karsten Groth (Niederlande) auf die Plätzen zwei und drei zu verweisen und sich damit den Titel bei diesen German Open zu sichern. Für den zweitplatzierten Roger Oswald war die Regatta der erste Ausflug nach Travemünde. „Ich mag das Segeln im Norden und nehme gerne zwölf Stunden Autofahrt in Kauf, um hier segeln zu können. Ich komme wieder“, schwärmte er. Besonders der letzte Wettfahrttag sei spannend gewesen, da etwas weniger Wind herrschte und so alle Segler mit von der Partie waren. Am Starkwind-Tag hatte sich das Feld etwas dezimiert.

Seebahn

Nach den kräftigen Winden am Samstag durften die Yacht-Segler am Sonntag entspannt aus der Travemünder Woche 2021 segeln. Bei leichten bis mittleren Winden, zum Schluss mit einer Gewitterfront, hatte Wettfahrtleiter Uwe Wenzel einen 25 Seemeilen langen Kurs in der Lübecker Bucht ausgelegt. Der ermöglichte den Strandbesuchern von Timmendorfer Strand einen direkten Blick auf das Geschehen, als die Crews die landnahe Bahnmarke rundeten. Und die Travemünder Gäste konnten einmal mehr beim Zieldurchgang direkt dabei sein, denn erneut ließen die Windbedingungen ein Finish direkt an der Spitze der Nordermole.
Die „X-Day“ von Walter Watermann war wie schon am Vortag die schnellste Yacht auf dem Kurs und kreuzte die Ziellinie nach 2:52:58 Stunden. Steuermann Lars Hückstädt hatte schon beim geselligen Crewtreffen am Vorabend bekannt, dass sich die „X-Day“ in Travemünde „sehr wohl fühlen“ würde. Bereits am ersten Wochenende war die Kieler Yacht dabei, hatte dort den dritten Platz in ihrer Klasse bei den Up-and-Down-Rennen belegt. Die XP-44-Yacht ist aber mehr für lange Schläge ausgelegt, und so konnte die „X-Day“ am zweiten Wochenende die Performance noch steigern und fuhr zum Gruppensieg in der ORC I+II. „Für uns ist die Travemünder Woche einer der wenigen Höhepunkte des Jahres. Wir planen jetzt noch die Kieler Woche und dann die Deutsche Meisterschaft in Olpenitz“, so Hückstädt. Und mittelfristig will die „X-Day“-Crew beim Hochseeklassiker Fastnet Race an den Start gehen. „Ursprünglich hatten wir das schon jetzt geplant, aber Corona hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Die Seesegler setzen mit ihren Regatten auf der Kurz- und der Mittelstrecke traditionell den Start- und Schlusspunkt zur Travemünder Woche. Fotos: segel-bilder.de

Makellos war der Auftritt der „Immac Fram“ in der Klasse ORC III. Bei den Up-and-Downs fuhr sie vier Siege in vier Wettfahrten ein, jetzt war es bei den beiden Mittelstrecke-Rennen jeweils der erste Platz. „Es war noch einmal super – bis auf den Regen, der uns heute kurz vor dem Ziel erwischt hat. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft. Wir waren schnell unterwegs und sind gute Manöver gefahren“, so Steuermann Kai Mares (Kiel). In dieser Saison konzentriert sich das Projekt auf die deutschen Events, in 2022 wird aber wieder ein internationales Event, die Teilnahme an EM oder WM, angepeilt.
Die Siegerliste der Mittelstrecke komplettierten Finn Schütt (Lübeck) auf der „Marelan“ in der ORC IV sowie in den Yardstick-Wertungen Marco Antler (Lübeck) auf der „Nona“ (Yst I), Björn Carstensen (Heiligenhafen) mit der „Pepper and Salt“ (Yst II) und Andreas Peschlow (Berlin) mit der „Celestine“ (Yst III).

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