Knarrblog Sommertörn: Seestück mit Salzbuckel-Aura – Die Faszination von Anholt

Weit, weit weg

Anholt liegt immer weit weg. Egal, woher man kommt. Und diese Entfernung ist wohl ein Teil des mysteriösen Reizes, der dieses Eiland ausmacht. Es ist kein beliebiges, weiteres Ziel beim Abklappern der üblichen Ostsee-Häfen. Der Absprung will gut geplant sein.

Kann man sich das zutrauen, den Kindern, der Frau, den Mitseglern? Das ist die Frage für viele Crews. Der Törn bedeutet schon ein ordentliches Seestück. Die kürzesten Verbindungen: Vom dänischen Grenaa 25 , vom schwedischen Varberg 28,5 Seemeilen.

Eine ordentliche Wetterstrategie macht Sinn. Wer plötzlich ungeplant gegen die ordentliche Kattegatt-Welle anbolzen muss, kann schon mal an seine Grenzen kommen. Anholt ist eine Herausforderung. Und wer es geschafft hat, fühlt sich vielleicht auch etwas toller als Otto-Normal-Cruiser. Die Crews, die hier liegen, umschwebt eine gewisse Salzbuckel-Aura.

 

Selbst die Kinder wollten immer dorthin, auch wenn sie sonst nicht gerade zum Meilenfressen neigen. Aber diese dänische Insel war immer ein Hit. Für die Kids offenbart sie sich als großer Abenteuer-Spielplatz: Spielen in den Dünen, im Wäldchen oder am Strand im Wasser.

Es liegt eine besondere Stimmung über diesem Hafen. Die Leute sind irgendwie entspannter als anderswo. Als fühlten sie sich einer Art Club zugehörig, dem Anholt Club.

145 Menschen leben auf Anholt

Normalerweise ist der Hafen in den Sommermonaten ziemlich voll. Die Skandinavier lieben ihn, aber auch viele Deutsche segeln zur Insel. Oft bleiben sie viele Tage und nutzen das Boot wie ein Ferienhaus. 145 Menschen leben auf dem Eiland und zur Hochsaison kann sich die Zahl auf 6000 erhöhen.

Aber diesmal ist die ehemals britisch besetzte 22 Quadratkilometer kleine Insel überraschend leer. Mit einem hübschen Anlieger haben wir vom schwedischen Kungsbacka Fjord rund acht Stunden für die 45 Meilen gebraucht.

Der Wind weht etwas spitzer als gehofft, und am Ende setzte er ganz aus. Aber es hat schon was, wenn man wirklich kein Land mehr sieht, und sich dann in der Ferne dieser Leuchtturm aus dem Wasser hebt.

Erstaunlich, wie leer der Hafen ist. Die Saison liegt in den letzten Zügen. Wir liegen parallel zum Steg an in Erwartung der starken Südwinde, die uns auch die Weiterreise nach Rorvig versperren. Aber hier wollten wir ohnehin länger ausharren.

Normalerweise platzt der Hafen zur Hochsaison regelmäßig aus allen Nähten. Selbst der Vorhafen und die Außen-Reede ist oft mit Ankerliegern überfüllt, die auf ein freies Plätzchen lauern. Aber seit Heckbojen ausgelegt sind, ist die Liegeplatzsuche entspannter geworden.

Der Strandspaziergang bei strahlender Sonne ist nun erledigt, wie auch das Mittagschläfchen in den Dünen und prompt heult der angekündigte der Südsturm über den Hafen. Zersauste Crews schieben sich erschöpft in den Hafen, nebenan hat sich ein Großsegel flatternd aus den Zeisern gelöst, der Nachbar angelt sich eine dritte Heckboje und wer es schafft, dreht den Bug noch schnell vor der Nacht in den Wind.

Es ist immer abenteuerlich und aufregend hier draußen. Aber der Törn lohnt sich. Auch wenn die Anreise länger dauert.

Dem Skipper geht an der Pinne langsam die Puste aus:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Knarrblog Sommertörn: Seestück mit Salzbuckel-Aura – Die Faszination von Anholt“

  1. avatar addi sagt:

    Ja, sehr komisch! Wir waren Anfang Juli auf Anholt und es gab ebenfalls sehr viel Platz. Keiner wusste warum. Zwei Tage später auf Læsø (Østerby) dann im Viererpäckchen.

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  2. avatar oh nass is sagt:

    25sm – Salzbuckel. Ja. Klar. Ist ja auch ein enormes Stück.

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  3. avatar Sven 14Footer sagt:

    Wenn Du mit Familie segelst und ein kleines Tourenschiff hast, dann sind 25 sm schon ein ambitionierter Tagestörn.
    Für eine Männercrew auf nem modernen Cruiserracer ist es natürlich nix, das stimmt.

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