Knarrblog: Gekentert mit Sohnemann beim Club Match Race

Vater-Sohn-Ding

Schweiß tropft von der Stirn

Favorit Lahme wartet. Es ist immer noch totenflau. Nebenan auf der Alster treibt das Alsterglocken-Feld im Wartemodus umher. Matchracen mit Jollen funktioniert trotzdem. Beim Rollwenden und –halsen fächelt man sich selber Wind zu. Aber da müssen wir noch an der Technik feilen.

Klaus ist nach dem Start schnell weg. Keine Chance. Wir schielen hinüber, um die Wendetechnik des alten Fuchses zu kopieren. Nur im Rennen bleibt die Chance zum Üben. Der Schweiß tropft mir von der Stirn. Unglaublich, wie es schlaucht, diese Kiste zu kippeln und zu rollen.  Aber der Junge stellt sich gut an. Wir kommen besser in Fahrt.

Wenn ich nicht so blöde Fehler machen würde. Schöner Vorstart im zweiten Rennen. Gute Kontrolle des Gegners. Aber bei der entscheidenden letzten Wende zum Start rutscht die Pinne aus der Hand. Wir stehen. Der Gegner ist weg. Also die nächste Trainingseinheit Rollwenden. Optimal läuft es noch nicht. Dafür klappen die Halsen immer besser. Auf dem letzten Vorwind sind wir fast dran. Eine letzte Halse, da geht noch was uuuuund…Platsch. Ich werfe die Kiste um.

Er zappelt in Lee im Wasser

Spiegelglattes Wasser und wir kentern. Ich rette mich trocken auf das Schwert. Der Junge zappelt in Lee mit den Beinen im Wasser. Na super. „Toll, Papa!“ Vertrauensbildend ist diese Maßnahme nicht gerade. Im nächsten Rennen fällt die Krängungsbereitschaft des Sohnemanns doch etwas zögerlicher aus.

Aber das ist nicht das Problem. Papa versemmelt den Start. Das Händling passt jetzt einigermaßen, nun müsste das Starttiming besser werden. Aber der Denker und Lenker verlässt ohne Not eine hervorragende Position. Auf dem Kurs ist dann nichts mehr zu machen 0:3. Doof.

Die Enttäuschung des Kurzen hält sich in Grenzen. Fünf Rennen Pause, jetzt Hose wechseln, Eis essen und Handy-Duell per Bluetooth.

Wir finden ein hübsches Café am Wasser. Der Junge barfuß. Ist cool. Die Schuhe sind ja nass. Sonne, Käsekuchen, Milchkaffe, entfernter Blick auf die Rennen, ein netter Ausflug. „Und wie gefällts dir?“ „Lass mal jetzt spielen“. Okay, war versprochen. Dass er sich daran noch erinnert. Muss der Schock vom kalten Wasser sein.

Also statt Debriefing, Schlachtplan und Wind Analyse für die verbleibenden zwei Rennen starren wir mit vollen Kuchen-Backen auf die iPhone Displays und ich lasse mit in die Welt des „Head Soccer“ Spiels einführen, wo stilisierte Menschen mit überdimensionalen Köpfen auf sich und den Ball eintreten.

Beknackt in der Wanne hocken

Der Junge scheint zufrieden, Papa ist es auch und frisch gestärkt treten wir zu den letzten Duellen an. Endlich mal ein Klasse Start, richtige Seite erwischt und die neue Technik mit dem Kurzen im Vorschiff hilft auch. Sieht zwar ziemlich beknackt aus, wie er vorne in der Wanne hockt, aber jetzt kann ich mein altes Laser Feeling beim Rollwenden ausspielen und das Achterschiff klebt trotz meiner Pfunde nicht mehr so sehr im Wasser.

Wenn da dieser Alster-Dampfer nicht wäre. Von links nagelt er durch die Nachstartphase, ich muss bremsen, dann folgt noch das Alster-Cabrio mit freundlich lachenden Gästen, kann gerade noch stoppen, nimmt aber den Wind und macht den schönen Vorteil zunichte.

Nach ein paar Halsen sind wir vor dem Wind wieder dran, fangen uns bei einer besonders sportlichen Rollhalse inklusive Berührung einen Penalty ein, egalisieren ihn bei einer Backbord-Steuerbord-Situation vor dem Zweilängenkreis, bekommen dann den fälligen Vorteil nicht gewährt und verlieren trotzdem. Aber Schwamm drüber. Ein nettes Match. So soll es sein. Ich bin wieder nass geschwitzt.

Jetzt läuft es langsam. Und dem Jungen scheint es auch zu gefallen. Ein Rennen noch. Das wollen wir wenigstens gewinnen. Jetzt ist er heiß. Gesagt, getan. 1:5 steht es am Ende. Platz zehn von zwölf, na ja. Klaus gewinnt zum achten Mal hintereinander.

Wir verabschieden uns hastig, schaffen es gerade noch zum Basketballspiel, der Tag ist gerettet. Als der Junge nach einem knappen zwei Punkte Vorsprung-Sieg noch mit Kumpels zur Eishalle fährt, ist Paps längst zufrieden auf der Couch eingeschlafen. Hat Spaß gemacht. Ein schöner Familienausflug.

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Knarrblog: Gekentert mit Sohnemann beim Club Match Race“

  1. avatar Andreas Ju sagt:

    Herrlich!

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  2. avatar Markus O sagt:

    Schöner Artikel. Danke.
    Wenn es Rezepte/Ideen gibt “den Segel-Funken” weiter zu leiten, bin ich ganz Gehör. Bei mir hat es Eine von Dreien zum Segeln geschafft. Fur die Andere ist 15 Stunden/Woche Turn-training in der Halle, und für den Anderen Bücher und die Couch ansprechender.

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  3. avatar Kala sagt:

    Rezeptideen:
    jede Menge Freiheit: am Freitag mit den Eltern oder mit dem Zug zum See, aufs Fahrrad, um Seine Kumpels zu treffen: Wochenendplanung betreiben…..

    Jede Menge Unabhängigkeit: die Strecken rund um den See, von der Bar zum angesagten Clubhaus oder zur Fischbude auf dem Fahrradlenker des Kumpels, dem Boot und manchmal auch ärgerlicherweise per pedes zu machen, ohne dass Eltern Taxi spielen nachts im Dunkeln….

    Eine Prise seglerische Vielfalt: vom Trapezen im Cat hoch über dem Wasser stehend, chillend mit der clubjolle, englischer Baukunst mit Illumination, die Damen über den See schippern, regattierend von der clubregatta bis zu den worlds, mobofahren, aktive Mitarbeit als SR/WL und als Trainer, manchmal auf einem Dickschiff die große Weite Hollands oder der Ostsee entdecken, ……

    Mehr fällt mir im Moment nicht ein, aber wir können ja versuchen zu sammeln…..

    Ps:Bei uns (drei Generationen: 17 Segler) und vielen anderen Familien am See scheint diese Mischung zu passen, bei uns haben sie in der Woche alle Zeit der Welt, um Fußball, Basketball zu spielen………der See wartet ja nur am Wochenende mit den vielen Abenteuern……

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  4. avatar mika sagt:

    sehr schön…

    mein junge & ich entwickeln gerade parallel-leidenschaften. ich die see, er die berge. also hab ich ihm im sommer in den alpen auf 3000m (der zarte ist acht) die zusage für einen gemeinsamen nachttörn auf der ostsee abgequatscht. vater & sohn auf augenhöhe…

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  5. avatar Heini sagt:

    Es gibt kein Rezept und nichts zu sammeln, auch “Deals” (komm ich da mit / kommst Du hier mit) bringen nichts, entweder der Funke springt über oder nicht.
    Wir (mein Bruder und ich) wurden als Kinder zunächst mit zum Segeln geschleift (man kann die Kleinen ja auch schlecht allein Zuhause lassen ;)), mir hat es von Anfang an gefallen, meinen Bruder hat es nie gepackt. Als mein Bruder älter wurde kam er irgendwann nicht mehr mit, ging anderen Hobbys nach. Ich dagegen habe die ganze Woche sehnsüchtig auf Freitag Abend gewartet, wo es endlich zum Boot ging.
    Warum das so war? Keine Ahnung. Wir hatten die gleichen Bedingungen/Voraussetzungen.
    Die Menschen sind nunmal verschieden.

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  6. avatar Vorschoter,der sagt:

    Hey Carsten,

    Wider mal netter Bericht. Wenn Du die andere Seite der Medaille des Vater – Kind Segeln sehen willst , komme doch mal am Wochenende zu den letzten Helden , wo eine junge aufstrebende 49erFX Seglerin den alternden Daddy in der Vorschot in der Five herumschippern muss .

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