Volvo Ocean Race: Zwei Führungswechsel auf letzten Meilen – Brunel gewinnt mit 16 Minuten

"Sie kamen mit einer starken Böe"

Der Moment als Brundel überholt:

Brunel hat die 5200 Meilen lange zweite Etappe des Volvo Ocean Races mit einem Vorsprung von nur 16 Minuten gewonnen. Erst knapp sechs Stunden vor dem Ziel hatte Bouwe Bekking Dongfeng wieder überholt.

Brunel ist in Lee durchgezogen und hat wieder die Führung vor Dongfeng übernommen. © Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Brunel ist in Lee durchgezogen und hat wieder die Führung vor Dongfeng übernommen. © Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Es schien eine dieser ungerechten Entscheidungen zu werden, die der Segelsport schon mal auf Lager hat. Nach einem über Wochen dauernden Zweikampf  hatte das Team des Holländers Bouwe Bekking  die chinesische Dongfeng geradezu nieder gerungen, den Gegner in sein Kielwasser gezwungen und war drei Tage vor dem Ziel bis auf 14 Meilen davon gezogen.

Charles Caudrelier klang frustriert, als er sagte: “Sie sind einfach schneller.” Aber die Bedingungen änderten sich. Der flaue wechselhafte Wind in der Straße von Hormus gab den Chinesen eine Chance zum Aufholen.

Verzweifelter Angriff

Selbst Abu Dhabi kam wieder heran und versuchte mit einem letzten verzweifelten Angriff das Blatt noch einmal zu wenden. Das Heimteam schien kurzzeitig den großen Coup landen zu können, fiel links unter Land aber dann weit zurück.

Der Zweikampf kam in die entscheidende Phase und Dongfeng holte immer mehr auf. Einen Tag vor dem Zieleinlauf war es dann tatsächlich so weit. Die Chinesen, zogen an Brunel vorbei. “In der Nacht hat Dongfeng etwas Wind bekommen und ist an uns vorbei gesegelt”, erklärt Bouwe Bekking. Einen halben Tag lang kostete Dongfeng die Führung aus.

Aber das war noch nicht das Ende. Bekking berichtet weiter: “Heute Morgen haben wir plötzlich wie aus dem Nichts 20 Knoten Wind bekommen. Damit sind wir dann in Lee von ihnen durchgerutscht. Die ganze Nacht hatten wir schon aufgeholt und am Morgen waren wird dann schneller mit 22 bis 23 Knoten Speed während sie 21, 22 Knoten erreichen konnten. Das reichte für die Führung.”

Unglaublicher Thriller

Ein unglaublich packender Thriller zum Schluss der zweiten Etappe. 16 Minuten lag das holländische Boot am Ende vorne. Bekkings Navigator Andrew Cape soll in der Endphase 48 Stunden nicht geschlafen haben.

“Es ist ein tolles Gefühl”, sagt der holländische Volvo Veteran. “Ich habe immer gesagt, es ist besser Glück zu haben als einfach nur gut zu sein. Aber auf dieser Etappe waren wir auch gut. Deshalb ist es besonders schön, gewonnen zu haben. Denn man hätte sehr leicht auch Letzter werden können. Das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Wir haben das Boot viel besser gesegelt als auf der ersten Etappe.”

Dongfeng Skipper Caudrelier sagt: “Brunel war seit einigen Tagen viel schneller als wir und wir wissen nicht warum. Wir sind etwas enttäuscht, weil wir sie ja doch noch überholt hatten. Aber sie zogen wieder vorbei. Man muss gut segeln, aber man muss auch schnell sein. Wenn man es nicht ist, wird es schwer, eine Etappe zu gewinnen.

Entscheidendes Überholmanöver

Wir sind nicht so glücklich über Platz zwei. Wir wollen uns immer verbessern, aber dennoch ist es natürlich ein guter Platz. Wir haben gezeigt, dass wir mit den Besten mithalten können und sind sehr stolz darauf. Es war für uns eine fantastische Etappe und ein toller Kampf mit Brunel. Schließlich haben sie verdient gewonnen. ”

Zum entscheidenden Überholmanöver sagt Caudrelier: “Sie kamen mit einer starken Böe heran und dann waren sie wieder viel schneller als wir. Wir konnten nichts machen. Das ist wirklich sehr komisch, sie haben uns durch puren Speed geschlagen. Das ist sehr frustrierend.”

Über den Grund des Speedvorteils bei bestimmten Bedingungen konnte der Franzose nichts sagen. Schließlich handelt es sich um Einheitsboote. Es muss also um verschiedene Trimmeinstellungen gehen.

Chinesen sind die Überraschung

Aber das chinesische Team ist nach wie vor die große Überraschung dieser Regatta. Denn diesmal hatte Caudrelier mit dem 21-jährigen Liu Xue sogar den jüngsten Teilnehmer in sein Team eingebaut. Xue segelte seine erste Volvo Ocean Race Etappe Seite an Seite mit dem 22-jährigen Jin Hao, der schon beim ersten Abschnitt an Bord war.

Eigentlich hatte Xue das Abenteuer Hochseesegeln nach dem ersten Training abgebrochen. Aber schließlich konnte er doch noch überzeugt werden und entwickelt sich zu einem der größten Talente von Dongfeng, wie sein Skipper betont. “Ich machte mir Sorgen, wie hart das Rennen würde”, sagt Xue. “Aber nun macht dieses Leben als Segler wirklich Spaß.”

Abu Dhabi auf Platz drei

Abu Dhabi ist inzwischen mit einem Rückstand von nicht einmal drei Stunden auf den Sieger auf Rang drei ins Ziel gekommen. Nach ihrem risikoreichen einsamen West-Schlenker zur Mitte der Etappe, die Ian Walker die Führung brachte vor acht Tagen bei der Doldrum-Passage etwas glücklos gegenüber dem Dongfeng-Brunel-Duo, das sich 40 Meilen weiter östlich durch die Flaute quälte.

Der Rückstand wuchs schnell auf 44 Meilen an, und da war es mit dem Etappensieg schon vorbei. In der Straße von Hormus griff das Heimteam zwar noch einmal an und schien den Spieß kurz vor Schluss umdrehen zu können. Aber schließlich war ihnen das Glück doch nicht gewogen.

Das Gesamtergebnis führt jetzt die ersten drei Boote punktgleich. Der Abstand dahinter ist schon groß. Allerdings hat es Mapfre noch geschafft Alvimedica im Zweikampf deutlich zu distanzieren. Die Entscheidung fiel am Eingang der Straße von Hormus. Die Spanier haben inzwischen einen Vorsprung von gut 20 Meilen. Das Frauenteam von SCA liegt 125 Meilen hinter Mapfre zurück.

Die Live Aufnahme vom Zieldurchgang der ersten Boote:

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Zwei Führungswechsel auf letzten Meilen – Brunel gewinnt mit 16 Minuten“

  1. avatar Highlander sagt:

    Vermutlich hat Team Brunel über Nacht bis auf die Kreditkarten alles überflüssige Material über Bord geworfen 🙂
    Denn es war wirklich erstaunlich, das bei gleichem Kurs und bei gleichen Segeln, Brunel einfach so vorbeiziehen konnte….
    bin einmal gespannt bis die ersten einheimischen Fischer Team Brunel Taschen aus Ihren Netzen holen.. 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 9

  2. avatar Alex sagt:

    Um so mehr man einstellen kann, um so mehr kann man auch verstellen und um so schwieriger ist es, exakt die richtige Abstimmung zu treffen.
    Da hat Brunel offensichtlich die bessere Hand und nach ca. 5 Wochen die bessere Tabelle.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  3. avatar coist sagt:

    Mapfre ist ja vor Alvi im Ziel, aber gibts da nicht noch eine Zeitgutschrift, weil sie bei Vestas gewartet haben?

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    • avatar Liebersegeln sagt:

      Nein es wird keine Zeitgutschrift geben, das hat de Jury bereits klar gemacht. Bei dem Rückstand ist es auch unwahrscheinlich, dass beide Boote als 4. gewertet werden, das stand zuletzt im Raum als Lösung wenn Mapfre vor Alvimedica ins Ziel kommt und der Vorsprung von Mapfre gering ist. Aber bei 10h vermute ich wird Alvimedica als 5tes Boot gewertet und Mapfre alleine als 4tes.
      Allerdings muss Alvimedica erst einmal Protest einlegen um das Procedere in Gang zu bringen, erst dann wird es eine Jury – Entscheidung geben.

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  4. avatar <°((( ~~< sagt:

    Haben die eigentlich auch identische Segel oder durfte die Segel jedes Team selbst mitbringen?

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    • avatar Liebersegeln sagt:

      Die Segel sind auch identisch und müssen das ganze Rennen überstehen. Wer eins verliert oder zerstört hat halt eins weniger.

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