Anders leben: Badischer Zahnarzt segelt mit Praxis-Kat um die Welt und hilft

Segelnde Zahnklinik

Zahnarzt, Weltumseglung, schwimmende Zahnklinik

Von manchen Inseln aus wären es mehrere Tagesreisen zum nächsten Zahnarzt. Da ist der “Doc” höchst willkommen © Leppert

Seit 2006 ist Dr. Leppert unterwegs und behandelt an den Küsten armer Länder und auf entlegenen Inseln kostenlos seine Patienten. Jetzt gehen ihm langsam die Mittel aus.

Solche Geschichten kann nur das Leben schreiben. Ein Zahnarzt im mittelbadischen Gaggenau verkauft 2006 seine gut gehende Praxis. Aus dem Erlös leistet er sich einen nagelneuen Katamaran Lagoon 500 – 15,54 m lang und 8,53 m breit mit 160 qm Segelfläche am Wind, Heimathafen: Hamburg. Leppert nennt sein Schiff poetisch Mariposa – Schmetterling!

Zahnarzt, Weltumseglung, schwimmende Zahnklinik

Die “Mariposa” ist eine segelnde Zahnklinik. Und ein komfortables Reiseschiff © Leppert

Er segelt los, will sich einen Jugendtraum erfüllen: Ein Mal rund um die Welt segeln. Und zwar piano, in aller Ruhe, mit allem Komfort, den ihm sein neues Zuhause bieten kann…

So weit, so gut, so schon oft gelesen. Doch der Zahnarzt will keinen klassischen Ausstieg zelebrieren und um den Globus gammeln, sondern weiter aktiv bleiben. Er will sein Leben ändern, aber nicht seine Passion aufgeben. Denn Dr. Michael Leppert ist Zahnarzt aus Überzeugung, ein Mann der seinen Beruf ernst nimmt und diesen im Prinzip auf einen Aspekt fokussiert: Anderen Menschen helfen. Selbstlos, uneigennützig.

Oder fast. Denn warum nicht auch das Angenehme mit der Berufung verbinden?

Hilfe für Bedürftige

Also steuert Leppert mit seiner Mariposa Häfen in (meist) exotischen Ländern an, von denen er weiß, dass dort ein Zahnarzt nicht unbedingt an jeder Straßenecke zu finden ist. Oder die dort lebenden Menschen, oft außerhalb irgendwelcher Sozialsysteme sich selbst überlassen, sich keinen Zahnarzt leisten können.

Röntgenaufnahmen mit selbst entwickelnden Filmen oder digital © Leppert

Dafür hat er seine „Mariposa“ in eine veritable Zahnklinik umbauen lassen bzw. die selbst für schwierigste Fälle notwendige Technik an Bord, einschl. Röntgengerät. Lepperts Behandlungssprektrum reicht von Zahnfüllungen, Wurzelkanalbehandlungen, Extraktionen, chirurgischen Eingriffen, Zahnstein- und Paradontose-Behandlungen und kleinen  Prothesen-Reparaturen bis zur Aufklärung in Schulen und Kindergärten – besonders für die Lehrkräfte.

2007 behandelt er in Syrien, Ägypten und Marikko ca. 160 Patienten, 2009 in der Karibik 190 Personen, 2010 auf den St. Blas Inseln, auf Galapagos und auf Französisch-Plynesien 280 Menschen; 2011 wieder auf Polynesien, den Cook-Inseln, Niua, Tonga, Fiji über 500 Personen; 2012 auf Tonga, Samoa, Wallis, Fiji und Tuvalu: 700 Patienten und bis Ende April in diesem Jahr bereits 600 auf Kribati und den Marshall-Islands.

Weltumseglung, Zahnarzt, Hilfe

Kein Strom? OP-Licht aus der Taschenlampe © Leppert

Michael Leppert schreibt auf seiner Website: „Meine Tätigkeit betreibe ich ausschließlich auf humanitärer Basis, arbeite für keine Organisation mit hohen Verwaltungskosten, sondern da, wo mich der Wind hintreibt, meist abseits der ausgetretenen Wege. Wo zahnärztliche Versorgung vorhanden ist, werde ich nicht tätig, außer meine Hilfe wird erwünscht (z.B. in der Chirurgie).“

Hohe Kosten

Im Schnitt kostet den Zahnarzt jeder Patient ca. 20 Euro, allein 2011 hat der erüber 11.000 Euro für Verbrauchsmaterialien ausgegeben, 2012 waren es bereits 15.000 Euro.

„Das übersteigt nun langsam meine finanziellen Möglichkeiten,“ schreibt er. Könnt Ihr mir und somit den bedürftigen Menschen helfen?“

Doch Lepperts Engagement geht über die kostenlosen Behandlungen hinaus. So schreibt er etwa auf seiner Website über ziemlich verunglückte Hilfsmaßnahmen seitens der Europäischen Union mit ihren Health Centers, die auf Vielen Atollen der Südsee aufgebaut wurden. „Fehlen dort aber die einfachsten Mittel oder sind die Health-Assisten nur notdürftig ausgebildet, müsste das Hilfsprogramm anders aussehen!“

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Patientenparkplatz © Leppert

Falscher Ansatz

Er gibt ein Beispiel: „In Tuvalu Atoll Nukufetau wurde das Hilfscenter zum Teil neu errichtet, wird aber nun als Abstellkammer für Hilfsgüter genutzt, die seit Jahren noch verpackt sind. In den vielen Kisten, die wir öffneten, war das meiste Material nur in Operationssälen brauchbar.

Was nützen da 500 Beatmungsmasken ohne Ambu Beutel, Sauerstoff etc. oder Material für Dialyse, das in ganz Tuvalu nicht angewendet werden kann. Eine elektrisch einstellbare Behandlungsliege, wenn es keinen Strom gibt und keiner weiß, wofür so was gut sein soll. Dazu ein Dieselgenerator, den keiner anschließen und betreiben kann. Kommt der Diesel dazu vom lieben Gott? Neue Krankenbetten, wo keiner auf die Idee kommt sie zu nutzen. Das Meiste sinnlose Lieferungen, oft im Austausch für Fischerei-Lizenzen.“

Doch die „Mariposa“ ist nicht nur als segelnde Zahnklinik unterwegs, sondern auch Weltenbummler-Gefährt: Leppert segelt mittlerweile mit seiner Lebensgefährtin Birgit Reimann und nimmt mitunter auch Freunde und Bekannte auf kurzen Abschnitten seiner Reise mit. Dass er dabei das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden kann, liegt in der Wahl seiner Reiseroute begründet. In nahezu allen Fällen sind besonders „bedürftige“ Inseln und Küsten gleichzeitig auch die schönsten weit und breit.

Weltumseglung, Zahnarzt, Hilfe

Weltumseglung, Zahnarzt, Hilfe

Ein Blick auf die Website von Dr. Michael Leppert bringt nicht nur reichlich zusätzliche Informationen in Sachen „Zahnklinik“, sondern  regt dank knackiger Fotografie auch zum Träumen an.

Dort gibt es auch Kontaktmöglichkeiten zu dem Skipper der „Mariposa“ für alle, die etwa mit Dental-Verbrauchtsmaterialien oder Geldspenden weiter helfen wollen.

Tipp von SR-Leserin “Zahnfee”

Weltumseglung, Zahnarzt, Hilfe

Warum sollten die ärmsten Inseln nicht die schönsten sein? © Leppert

Die bisherige Route © Leppert

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Anders leben: Dr. Michael Leppert aus Gaggenau, leidenschaftlicher Taucher, in seinem Element © Leppert

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Michael Kunst

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