Anders leben: Mit Huhn „Monique“ mitten im Pazifik – Kurs Kap Hoorn

Keine Eisbären am Südpol!

Das Skipper-Duo Guirec und Federvieh Monique genügt sich seit seit Monaten auf dem Stillen Ozean. Doch wird sich ihr Traum von der Antarktis noch erfüllen?

Dem gemeinen Huhn geht’s selten gut. Ein Großteil dieser Spezies dient der Menschheit als (Frisch)fleisch- oder Eier-Lieferant und muss in seinem kurzen, meist kümmerlichen Dasein ein elendes Schicksal ertragen.

Huhn Monique, Guirec Soudée, Weltumseglung

Geburtstagskuchen: von Monique für Guirec – alles, bloß nicht einfallslos! © soudée

Nur wenigen dieser bedauernswerten Geschöpfe ist es vergönnt, an frischer Luft nach Körnern zu picken oder in ein selbstgebautes Nest das täglich’ Ei zu legen. Und eher selten kommt es vor, dass Geflügel der Gattung „Gallus Gallus domesticus“ über das Gitter seines Mastbetriebs oder über den Tellerrand hinaus blicken darf, um zu erahnen, dass es dahinter irgendwie weitergehen muss. 

Ein Huhn, das um die Welt segelt

Doch manche Hühner sind anders als ihre Artgenossen. Durch glückliche Fügung oder schicksalhafte Wendungen sind sie in ihrem Dasein so privilegiert, dass selbst die (angebliche) Krone der Schöpfung neidvoll auf sie hinunter blickt um sich zu fragen: Warum ausgerechnet ein Huhn… und nicht ich? Oder anders formuliert: Wer von uns hat nicht schon mal davon geträumt, um die Welt zu segeln? Locker, entspannt, mit aller Zeit der Welt? 

Nun, „Monique“ leistet sich diese Weltumseglung schon seit einigen Jahren. Das auf den Kanaren gebürtige Haushuhn dürfte derzeit das einzige Federvieh der Welt sein, das bereits um den halben Globus gesegelt ist. Auf einer Fahrtensegelyacht, wohlgemerkt, und nicht wie die Albatrosse im Aufwind segelnd. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte. 

Huhn Monique, Guirec Soudée, Weltumseglung

Frohe Weihnachten © soudée

SR-Leser wissen längst, dass Monique bereits den Atlantik bezwungen hat, die Karibik surfend unsicher machte, mit Skipper und Freund Guirec Soudée entlang der US-Küste kreuzte, um sich schließlich im Packeis vor Grönland einfrieren zu lassen. Nein, nicht das Huhn fror ein, sondern das Boot. Alles andere wäre jetzt wirklich zu unglaubwürdig.

Nach einem ganzen Winter, in dem Moniques täglicher Auslauf auf dem Eis sorgsam von Guirec mitsamt Gewehr bewacht wurde, weil sich Eisbären etwas zu offensichtlich für das seltsame und in diesen Breitengraden völlig fremde Federvieh interessierten, segelten die beiden sage und schreibe durch die Nordwestpassage nach Alaska. Von dort ging es weiter nach British Columbia um sich schließlich in Kalifornien auf den nächsten wirklich großen Törn vorzubereiten: Den Pazifik. 

Schlechte Nachricht: Monique kann nicht schweißen

Seit mehr als zwei Monaten sind die beiden jetzt unterwegs und erleben, ähnlich wie einst Magellan, den Pazifik fast immer als friedlichen und „stillen“ Ozean. Tage- und wochenlange Flauten, bei denen Monique häufig die Pinne unter die Krallen nahm,  wechselten sich mit korrekten Segelbedingungen ab.

So ein Ankerspot ist der Traum aller weltumsegelnden Hühner! © soudée

Es gab einige Reparaturen zur See zu bewerkstelligen: am Baum musste ein langer Riss geschweißt werden, wobei Guirec bedauerte, dass Moniques Schweißnähte noch nicht sauber genug ausfielen und er mal wieder die Drecksarbeit machen musste. Tatsächlich wäre diese Schweißerei auf Hoher See beinahe in der Rettungsinsel geendet, denn herumfliegende Funken haben einen kleinen Schwelbrand an Deck verursacht. Ob letztendlich Monique das Feuer löschte, ist nicht überliefert. 

Huhn Monique, Guirec Soudée, Weltumseglung

Endlich wieder Sand unter den Krallen © soudée

Außerdem mussten die Positionslichter repariert werden und zwei Winchen arbeiteten nur noch suboptimal. Dafür legten die Beiden ihren ersten Stopp mitten auf dem Pazifik an einem unbewohnten Atoll ein, wo sie im Windschatten in einer ruhigen Bucht in aller Ruhe vor sich hin werkeln konnten. 

Wer weiß schon, ob Hühner jemals träumen? Aber dieser Ankerspot und ein lockerer Auslauf auf schneeweißen Stränden muss dem Traum eines weltreisenden Huhns ziemlich nahe kommen. 

Weihnachten? Auf See, wo sonst? Silvester? Mitten im Pazifik, mit einer erfrischenden Dusche und der Ermahnung Guirecs, unbedingt seinen Traum zu leben. Was für Geflügel wie für Menschen gelte… 

Huhn Monique, Guirec Soudée, Weltumseglung

Merke: Wer Federn hat, braucht selten eine Dusche © soudée

Und Guirecs Geburtstag gab es auch noch zu feiern! Wer nun behauptet, Moniques Geschenk für ihn (ein Eierkuchen) sei einfallslos, der möge bedenken, dass selbst ausgebuffte Shopping-Chicks mitten auf Hoher See nur wenig Einkaufsmöglichkeiten für bessere Überraschungen haben. 

Wie seit jeher, können die Abenteuer der Beiden nahezu im täglichen Rhythmus auf Facebook beobachtet werden. Vor allem für französische Fahrtensegler, vermehrt aber auch für britische und sogar deutsche Skipper, zählt der Blick auf Guirecs und Moniques Posts zum „täglichen K(l)ick“. 

Gute Nachricht: Es gibt keine Eisbären am Südpol

Kürzlich haben sie wieder Kurs Südost genommen und mussten den ersten Tiefs, die aus dem Southern Ocean herauf zogen, ausweichen. So verlassen sie die Mitte des Pazifiks, um Richtung Kap Hoorn zu segeln. Ob die beiden Ernst machen und tatsächlich wie geplant in die Antarktis schippern, bleibt abzuwarten.

Pazifischer Sonnenuntergang © soudée

Durch die langen Flautenperioden im „Stillen Ozean“ haben Monique und Guirec viel Zeit verloren, so dass sie für einen Törn zum Kontinent Antarktika zu spät „dran“ sein dürften. Doch bei diesem Packeis-erprobten Duo unter Segeln weiß man nie. Merke: Rund um den Südpol gibt es keine Eisbären, die Monique gefährlich werden könnten!  Unter Pinguinen ist die Henne Queen! 

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