Ausrüstung: Guy Cotten, Vater des modernen Ölzeugs, ist tot

Gelber Bretone auf letztem Törn

Verstarb im Alter von 77 Jahren: Guy Cotten © cotten

Er war der Erste, der in den 60igern französische Fischer, Seefahrer und Segler mit wasserfesten und haltbaren Arbeitsklamotten in Gelb versorgte. Guy Cotten verstarb gestern im Alter von 77 Jahren.

Guy Cotten ist einer dieser Seefahrt-Legenden, die in Frankreich wie Halbgötter verehrt werden und jenseits der Grenzen der Grande Nation kaum bekannt sind. Dabei hat der Bretone vor 50 Jahren den Bekleidungskomfort in der Sportboot- und Fischereischifffahrt nachhaltig geprägt: Guy (und mit ihm die französische Segelnation) nimmt für sich in Anspruch, der Erfinder des modernen „Gelben Ölzeugs“ zu sein.

Guy wächst in einem kleinen Fischerdorf im Finistere auf, sein Vater stirbt früh, er muss sich schon als Teenager mit harter Arbeit im Hafen am Lebensunterhalt der Familie beteiligen. Irgendwann kehrt er alledem den Rücken zu und wird – Straßenrad-Profi! Er fährt mehrere Saisons für unterschiedliche Teams, schafft es aber nicht, von seinen Rennprämien zu leben. Also nimmt er einen Job als Vertreter einer Firma für Arbeitsbekleidung für Seefahrer und Fischer an.

Die harten Arbeitsbedingungen in der Fischerei kannte er schon, lernte nun aber die Bedeutung adäquater Bekleidung im Metier kennen. Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre schützten sich die bretonischen Fischer noch mit ölgetränkten Leinen und Baumwolljacken und mit (teuren) vulkanisierten Jacken vor den Elementen, doch PVC machte auch in diesem Metier langsam Furore.

Seit 40 Jahren ein aussagekräftiges, markantes Logo © guy cotten

1963 gründete er mit seiner Frau eine kleine Schneiderei für Fischer- und Seglerbekleidung. Tagsüber nähten die beiden, abends und morgens, wenn die Fischer im Hafen waren, verkauften sie die Klamotte direkt an Bord. Die Verwendung neuer Materialien wie PVC, die markante (sicherheitsrelevante) gelbe Farbe, vor allem aber spezifische Verstärkungen an Knien, Ellbogen und im Rücken sowie markante, Südwester-ähnliche Kapuzen sprachen sich schnell rum.

Kapital vom Briefträger

Schon ein Jahr später mussten die Cottens vergrößern, hatten dafür aber kein Kapital. Das beschaffte der Briefträger des Fischerdorfes, der seine ganzen (offenbar nicht unerheblichen) Ersparnisse in einer Keksdose als Investition überreichte…

Heute beschäftigt das (nach wie vor familiär geführte) Unternehmen Guy Cotten mehr als 350 Mitarbeiter und produziert strikt in der Bretagne. Vor allem in den Neunzigern investierte Guy in die Entwicklung funktioneller Hochsee-Segelanzüge, -Jacken, -Hosen und kleidet bis heute Segelhelden wie Roland Jourdain, Marc Guillemot, Jean Le Cam und Thierry Dubois ein.

Die Maserati-Crew vor Chile in Guy-Cotten-Anzügen © breymaier-sailing

Dieser behauptet übrigens, bei seiner Kenterung während der Vendée Globe 1997 nur Dank eines Trockenanzuges aus dem Hause Piel (Design Guy Cotten) überlebt zu haben; Piel wurde von Cotten bereits 1988 übernommen. Zuletzt rüstete Guy Cotten Vendée Globe-Sieger Francois Gabart und die gesamte Crew der Maserati bei ihrer Rekordfahrt von New York nach San Francisco aus.

Guy Cottens Tod schockte gestern die französische Segelwelt. Das Unternehmen wird von seiner ältesten Tochter, die bereits seit Jahren als Direktorin ihrem Vater zur Seite stand und vor allem die Expansion in maritime Leisure-Wear voran trieb, weiter geführt.

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Michael Kunst

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