Bootsbau: „Vivum“, schmucker Renner aus bulgarischem Edelholz vom Möbel-Hersteller

Nachhaltig segeln

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Das “Vivumboot” wurde von Nils Theurer initiiert –
Seriennummer 1 wird derzeit von der Landolt-Werft am Bodensee gebaut © vivum

Die Macher glauben fest an das Edelholz Robinie und wollen alte Bootsbautradition mit heutigen Klebern fortsetzen – inklusive Stabdeck. Ein rassiges Schmuckstück, nicht nur für Visionäre.

Mahagoni, Burmateak, Sapeli – auf den Messen streicheln die Besucherhände selbst im Vorübergehen über die hübschen Holzboote. Auch die modern umgesetzten Interpretationen der Aufgabenstellung “eine Yacht aus Holz” besitzen offenbar reichlich Anziehungskraft, sind aber nicht über alle Kritik erhaben.

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Das Boot soll nahezu vollständig aus nachhaltig angebauter, europäischer Robinie gebaut werden © vivum

Klar: alle bekannten Bootsbauhölzer sind tropisch und ihre Herkunft aus nicht nachhaltiger Waldwirtschaft (in diesem Zusammenhang ist das ansonsten abgegriffene Modewort zu entschuldigen, hier wird es fachlich korrekt verwandt) gilt als besonders bedenklich. Aber könnte man heute nicht mit europäischem Holz aus nachhaltigem Forst ein Segelboot bauen? Fragte man sich auch bei Vivum, Hersteller recht langlebiger Terassenmöbel mit Sitz in Baden-Baden.

Deren Robinie aus Kurzumtriebpflanzungen in Bulgarien gedeiht gerade und prächtig. Und die Idee, mit einem Boot zu zeigen, wie hart, elastisch und zudem langlebig Robinie auch im modernen Holzbootbau ist, lag nahe. Die Latte wurde gelegt: Trailerboot, Sperrholzkonstruktion, naturlackiert, aber nicht retro, hübsch, schnell, rassig.

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Die Robinie wurde im frühen 17. Jahrhundert aus Nordamerika eingeführt. Sie gilt als besonders haltbar, also resistent gegen holzzerstörende Pilze, sehr elastisch und extrem hart. © vivum

Ofen mit CO2-neutralen Holzbriketts

Konstrukteur Tim Harrold löste schließlich die Aufgabe eine kleine markante Yacht zu entwerfen, indem sein Riss die Kanten betont – oben wie unten. Neben Robinie wird nun in der Umsetzung auch Maulbeerholz eingesetzt, das wächst auf den Pflanzungen in Bulgarien ebenfalls, sowie Lärche als leichte langfaserige Zwischenlage.

Aber es gibt noch weitere Besonderheiten: Das stehende Gut soll aus Kunstfaser bestehen, wie es sich bereits auf Norbert Sedlaceks “Fipofix” bewährte, unter Deck wird es einen winzigen Holzofen geben (befeuert mit CO2-neutralen Holzbriketts oder Treibholz natürlich), statt Backskisten fertigte ein als Synonym für diese Boxen geltender Produzent wasserdichte Aluminiumkisten, die genau unter den Duchten Platz finden. Markant auch die Bugnase: Weich, fehlerverzeihend und austauschbar.

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Explosionszeichnung der “Vivum” © vivum

Deck aus Robinie-Stäben

Obwohl auf Leichtigkeit geachtet wird (sowohl wegen des Trailergewichts als auch für die Performance auf dem Wasser) – die Baunummer eins wird keine Feder. Aber für eine genaue Gewichtsbestimmung ist es noch zu früh.

Derzeit wird auf der Yachtwerft Landolt in Bermatingen am Bodensee das Deck geschlossen. Ebenfalls mit Robinie-Stäben. Deren Schwindmaße sind zwar größer als bei Teak, sie können dennoch unbehandelt offen bleiben. Sie sind etwas kürzer als gewöhnliche Teakstäbe, das verlangt ein paar bootsbauerische Tricks. Die Werft hatte auch die Sperrhölzer erstellt: Bislang Einzelanfertigungen für jedes der Bauteile, die ausgelegt etwa 60 Quadratmeter Fläche einnehmen.

Der Preis für den Spaß steht noch nicht exakt fest. Aber zwischen 90 und 100.000 Euro dürften es schon werden.

aufkleinerfahrt.de

vivum-furniture.de

teixido-harrold.com

yachtwerft-landolt.de

 

VIVUMboot

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Die Linien sind nicht nur gefällig fürs Auge, sondern zeigen auch reichlich Leistungspotential © vivum

  • Länge: 7,50 m
  • Breite : 2,55 m
  • Tiefgang: 2,00 m / 0,40 m
  • Verdrängung: 1500 kg
  • davon Ballast: 400 kg
  • Großsegel: 25 m²
  • Vorsegel: 16 m²
  • Gennaker I: 75 m²
  • trailerbar
  • Schlafplätze für 2 Große und 3 größer Werdende

 

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Ein Kommentar „Bootsbau: „Vivum“, schmucker Renner aus bulgarischem Edelholz vom Möbel-Hersteller“

  1. avatar christian1968 sagt:

    Wow, sehr interessantes Projekt und ein tolles Boot ist da entstanden. Hoffentlich ist dér (Kauf)Preis dafür nicht zu hoch, damit es auch einen Markt gibt.
    Viel Erfolg !

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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