Einhand-Rekord: Thomas Coville in 49 Tagen um die Welt – 15 Jahre alter Tri “Sodebo”

Der Triumphator

Thomas Coville hat einen Fabel-Einhand-Rekord aufgestellt mit acht Tage und zehn Stunden unter der Referenz-Zeitvon Francis Joyon. Dabei ist sein 31 Meter Trimaran “Sodebo Ultim” eigentlich uralt.

Es war wohl seine letzte Chance, mit dem 15 Jahre alten Trimaran “Sodebo” einen Rekord brechen zu können. Denn gegen die neue Generation der 100 Fuß-Multihulls hat der 48-jährige Franzose eigentlich keine Chance mehr.

Thomas Coville

Der Triumphator. © Eloi Stichelbaut

Sein Landsmann Francois Gabart hat Coville längst die Grenzen aufgezeigt, indem er ihn mehrfach im Duell über den Atlantik besiegte und schließlich auch den 24-Stunden-Rekord abjagte. Und die neuen Semi-Foiler werden weitere Rekorde Purzeln lassen, denn auch der führende Vendée Globe Star Armel Le Cleac’h übernimmt bald seinen neuen 100 Füßer Multi.

Umso emotionaler ist die unglaubliche Bestmarke, die Coville in 49 Tagen und drei Stunden um die Welt brachte. Er unterbot die Zeit von Francis Joyon aus dem Jahr 2008  um acht Tage und zehn Stunden und benötigte nicht einmal zwei Tage mehr als Loick Peyron mit vollbesetzter Crew.

Glückwünsche vom Präsidenten

Dei Fans haben es ihm so gegönnt. Und selbst Frankreichs Präsident François Hollande gratulierte bei dessen Ankunft am ersten Weihnachtstag, die von Tausenden Franzosen in Brest gefeiert wurde.

Die Rekordversuche von Thomas Coville standen bisher unter keinem guten Stern. Deshalb betont der Mann, der mit “Groupama” unter Skipper Franck Cammas das Volvo Ocean Race gewonnen hat, in seinen ersten Stellungnahmen den harten Weg, den er bis zum Rekord gehen musste.

Thomas Coville

Der Segel-Held vor Tausenden Fans in Brest. © Jean-Marie Liot

“Ich bin gefallen, wieder aufgestanden und habe es dann wieder gewagt. Es waren zehn Jahre harte Arbeit, um diesen Traum zu erfüllen, der unglaublich schwer zu realisieren war.”

“Geronimo war ein Wrack”

Als er mit der Unterstützung seinen langjährigen Sponsors Sodebo den alten Trimaran “Geronimo” vor fast vier Jahren kaufte, war das Schiff ein Wrack. “Ich glaube, wenige Leute haben uns geglaubt, dass wir aus dem jetzt 15 Jahre alten Schiff diese Rennmaschine herstellen können.”

Thomas Coville

Thomas Coville nach der Ziellinie. © Yvan Zedda

“Geronimo”  wurde im September 2001 getauft, und Olivier de Kersauson ging damit auf Rekordjagd. Aber dann war das Schiff sechs Jahre lang inaktiv bis es 2013 von Coville und seinem Sodebo-Team gekauft wurde. 14 Monate dauerten die Umbau- und Modernisierungs-Arbeiten für den Einhand-Betrieb und am 19. Mai 2014 wurde der Tri wieder zu Wasser gelassen.

Dabei war der radikalste „chirurgische“ Eingriff bei „Geronimos“ Umbau ein völlig neuer Hauptrumpf von „nur noch“ 31 Metern Länge (zuvor 35m), dessen Layout ausschließlich auf die Belange von Solo-Seglern ausgerichtet ist. Die Schwimmer wurden mit neuen Bug-Sektionen versehen, zudem neue Schwerter und Ruderblätter gesteckt bzw. angehängt. So sollte es „Sodebo Ultim’“ besser gelingen, auch über längere Strecken nur auf dem Leeschwimmer zu segeln, was ein Schwachpunkt der „Geronimo“ war.

Thomas Coville

Schöner Vergleich. Die Um-die-Welt-Daten von “Geronimo” 2004 und zwölf Jahre später nach dem Umbau zu “Sodebo”. © VPLP

Der Trimaran hat seitdem ein eher gedrängt wirkendes Cockpit. Covilles „Wohnzimmer“ ist nicht mal 3 Quadratmeter groß. Sieben Tonnen Gewicht konnten im Vergleich zum Original  eingespart werden konnten.

Kollision mit Frachter

Aber das Schiff war nach der Metamorphse längst nicht sofort erfolgreich.  Bei der Route du Rhum im November 2014 verlor Coville bei der Kollision mit einem Frachter einen Großteil des Steuerbord-Rumpfes und erlitt schwere Schäden am Bug des Hauptrumpfes.

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Thomas Coville und sein Ultim-Trimaran Sodebo © liot/sodebo

Zuvor hatte er mit dem 105 Fuß langen Vorgänger-Trimaran fünfmal erfolglos versucht, den Einhand-Rekord zu brechen. Coville schien als tragische Figur mit der Geschichte auf dieser Strecke verbunden. Schon 2001 überschlug er sich fast kurz nach dem Start  (Video). Danach kollidierte er mit einem Pilotwal und scheiterte.

Diese Erlebnisse spielten alle mit, als er am ersten Weihnachtstag die magische Ziellinie in Rekordzeit überquert. Er brach in Tränen aus und bedankte sich überschwänglich für den Empfang seiner Landsleute.

Im Interview betont er, dass die Rekordfahrt nicht nur eine Frage der Physis gewesen sei. Man müsse auch schlau sein. “Wenn man weiß, wie der Wellengang bei der Wende helfen kann um das Gennaker Schothorn auf den neuen Bug zu bringen, spart das Zeit und Energie.” Die Erfahrung spiele eine große Rolle.

“Bei dieser Rekordfahrt bin ich so gesegelt, als hätte ich eine Crew an Bord. Ich glaube nicht, dass ich weniger Manöver gemacht habe. Deshalb sind wir auch nicht weit entfernt von der Zeit mit voller Crew.”

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Einhand-Rekord: Thomas Coville in 49 Tagen um die Welt – 15 Jahre alter Tri “Sodebo”“

  1. avatar Eumel sagt:

    Für ein Online-Magazin ist das ja brandaktuell, so nach 2 Tagen…..

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 19

    • avatar Backe sagt:

      So wie das klingt, hattest Du keine schönen Weihnachten? Carsten schon 🙂

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      • avatar Eumel sagt:

        Das ist ja schön, dass der Carsten schöne Weihnachten hatte.
        Ich frage mich nur, warum ich Geld für eine SR Club-Mitgliedschaft bezahlen soll, wenn eine solche Meldung mit zwei Tagen Verspätung gebracht wird.
        Bei YACHT Online gab es zwei STUNDEN (!) nach Zieldurchgang einen Artikel.
        Wenn ich so einen Laden ans Laufen bringen will, kann ich nicht – auch wenn Weihnachten ist – die Bude für drei Tage abschließen. Aber vielleicht habe ich da ein anderes Verständnis von Unternehmertum.

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    • avatar Firstler sagt:

      Dein Name ist Programm? 😀

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  2. avatar pl_wasser.turm sagt:

    Vielen Dank für den tollen Bericht
    Und jetzt schon mal vielen Dank für die tollen Berichte in 2016!
    Ich freu mich schon auf die des kommenden Jahres
    Guten Rutsch!

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  3. Loick Peyron und seine Crew haben Banque Populaire V in 2012 in 45 Tagen und 13 Stunden um die Welt gesegelt und halten z.Z. noch die Jules-Verne-Trophy. Nach meiner Rechnung hat Thomas Coville bei seiner phantastischen Leistung 3 Tage und grob 14 Stunden mehr als Peyron und seine Crew gebraucht, nichts, was seine Leistung im Geringsten schmälert, aber vielleicht ein Anlass, die im Artikel “nicht einmal zwei Tage mehr als Loick Peyron mit vollbesetzter Crew” Angabe zu korrigieren. Einen guten Rutsch allen Freunden des Glitsch unter Segeln!

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  4. avatar Jörg Gosche sagt:

    Weiß jemand ob auf den Ultim`s beim Einhandsegeln noch von Hand gekurbelt wird?
    Bei aller Hochachtung für diesen “Höllenritt” und die Leistung des Skippers geht es mir dennoch nicht aus dem Kopf, dass letztlich bei den neuen Rekordzeiten eigentlich Äpfel mit Birnen verglichen werden.

    Ein absolut wahnsinnig grosses und leistungsfähiges Geschoss mit allen erdenklichen technischen Hilfsmitteln an Bord und einem potenten Onshoreteam …. vielleicht hätte man das Schiff schon fast Fernsteuern können ?? Ich bin da nicht auf dem allerneuesten Stand aber ahne es.
    Ich denke Thomas Coville ist vergleichsweise bequem um die Welt gesegelt und brauchte es “nur” knapp 50 Tage (Alleine?) an Bord aushalten. Was musste da der gute alte Wilfried Erdmann noch für Torturen durchmachen… tagelang keine Sonne, keine Sterne, kein Wetterbericht ….. und nur ein Rumpf …. und eigentlich Keiner wusste wo er genau ist – er selbst auch nicht. Wie schrecklich und was für eine irre Leistung im Verhältnis zu Coville!

    Wir es jetzt wohl weitergeht? Ob das noch technologisch zu toppen ist …. auch wenn Geld ja scheinbar absolut keine Rolle mehr spielt?
    Und wie kommt es, dass man mit Lebensmitteln sooo viel Geld verdienen kann?

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