Entenwerder Elbpiraten: Thomas Friese eröffnet Hamburger Segelschule

"Gehörige Portion Verrücktheit"

Thomas Friese weiht seinen “Goldenen Pavillin” ein. Der Verein “Entenwerder Elbpiraten” soll es Kindern und Jugendlichen aus einem sozial schwachen Stadtteil ermöglichen, Segelsport auszuüben.

Thomas Friese

© Hinnerk Stumm

Es ist vollbracht! Thomas Friese sitzt entspannt in einem der Stühle des Cafés Entenwerder 1 und schaut zufrieden auf die Norderelbe. Hinter ihm der „Goldene Pavillon“, wie er schon jetzt liebevoll von Medien und Hamburgern genannt wird. Sowohl Café wie Pavillon sind Ergebnis einer Vision, die der Hamburger Modeunternehmer und mehrfache Segelweltmeister (Mumm 36) schon vor fast 10 Jahren gehabt hat. (SR Interview mit Friese)

So lange ist es her, dass er den Ort im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort „gefunden“ hat, wie er sagt, und sich sofort in den rauen Charme des bis dato recht tristen Viertels direkt an der Elbe verliebte. „Wer einmal den Flair dieses ursprünglichen Ortes gespürt hat, wird ihn nicht mehr vergessen“, meint der 72-jährige.

Hier werde man wieder zum Kind, könne seinen Gedanken nachhängen, „zum Flussschiffer oder zum Elbpiraten werden.“ Schon seit ein paar Jahren hat der Kreative hier so auch seinen Think Tank, in dem er neue Kollektionen für sein Mode-Label „Omen“ entwirft.

Thomas Friese

© Hinnerk Stumm

Eigentlich hatte er aber schon früh den Gedanken, dieses unbekannte, „maritime Mauerblümchen mitten in der Hansestadt“ vielen Menschen zugänglich zu machen. Das Ziel: Ein Platz für Kunst, Kultur und Kulinarik im Problembezirk Rothenburgsort.

Und da Thomas Friese dem Segelsport immer eng verbunden war – in den 80er und 90er Jahren dominierte er zusammen mit Hans Otto Schümann („Rubin“), Willi Illbruck („Pinta“) oder Udo Schütz („Container“) die deutsche Hochsee-Regattaszene – gehörte auch eine Segelschule zu seiner Vision.

Bereits 2007 kaufte er den „goldenen Pavillon“ aus einer Skulpturen-Ausstellung in Münster und rettete den 12-Meter hohen Quader aus goldenem Kupfer-Lochblech so vor dem Einschmelzen. Schon weit von der Elbe aus sichtbar, ist er der glänzende Blickfang der 600 m² großen Pontonanlage.

Thomas Friese

© Hinnerk Stumm

Über drei Etagen können  Künstler hier künftig ihre Werke ausstellen. Gleichzeitig dient er aber auch als Aussichtsplattform, die einen grandiosen Blick über die Norderelbe mit ihren verträumten Seitenarmen und dem angrenzenden Elbpark ermöglicht. Ihm zu Füßen liegt das bereits seit Anfang Juli eröffnete Café Entenwerder 1, in dem es täglich wechselnde Bio-Gerichte, Kuchen, Wein und natürlich Frieses Lieblingsgetränk – Kaffee in allen Variationen – gibt.

Seit dem Wochenende ist nun auch der „goldene Pavillon“ und die zugehörige Segelschule „Entenwerder Elbpiraten“ offiziell eröffnet. Der gemeinnützige Verein arbeitet schon seit dem Sommer mit der ortsansässigen Fritz Köhne Grundschule zusammen und hat das Ziel, auch Kindern aus sozial benachteiligten Familien das Segeln näher zu bringen.

Friese hält das für wichtig: „Durch das Agieren im und als Team vermittelt Segeln auch wichtige Sozialkompetenzen. Gleichzeitig muss man sich mit Wind und Wellen auseinanderetzen. Es ist ein Lernen von und mit der Natur.“ Und mithin eine reale Alternative zur digitalen Welt von Smartphone und Computer, die bei Kindern einen immer größeren Raum einnähme.

Thomas Friese

Der “Goldene Pavillion”. © Hinnerk Stumm

Über acht Jahre kämpfte der Überzeugungstäter Thomas Friese zusammen mit seiner Tochter Alexandra für die Realisierung seiner Vision. Es galt, Politiker wie Behörden für das Projekt zu gewinnen. Aber Friese wäre nicht Friese, wenn er das nicht am Ende auch geschafft hätte meint Segler Sven Hadler, der früher im Profi-Team („Tina-I-Punkt“) mitsegelte: „Geht nicht, gibt’s nicht. Wenn ich was von ihm gelernt habe, dann das.“

Der grüne Umweltsenator Jens Kerstan sah das bei der Einweihung am Freitag vor Ort ähnlich: „Das Projekt im Entenwerder Park zeigt, dass es nicht nur Leuchtturmprojekte an zentralen Orten in Hamburg gibt.“ Es sei ein einzigartiger Ort entstanden, der den Stadtteil und ganz Hamburg schmücke. Dem Initiator Thomas Friese bescheinigte er „eine gehörige Portion positive Verrücktheit.“

 

 

 

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Hinnerk Stumm

... segelt seit Kindertagen, von Jolle bis Dickschiff. Sein Motto: „Segeln ist letztlich völlig überbewertet!“ Weiteres ...
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2 Kommentare zu „Entenwerder Elbpiraten: Thomas Friese eröffnet Hamburger Segelschule“

  1. avatar Manfred sagt:

    Grosses Kino.
    Glückwunsch an Alexandra und Thomas Friese. Ganz tolles, soziales Engagement. Der Mann schafft etwas.
    …und jetzt fangt hier bloss nicht im typischen SR Stil an, irgendwelche Vergangenheitsgeschichten auszugraben.

    Thomas ist für mich rehabilitiert, alleine durch sein unermüdliches schaffen für die Skater und Segler. BRAVO!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Die beiden Frieses aber auch allen anderen Mitwirkenden zolle ich großen Respekt!
    Sich sozial zu engagieren ist schon bemerkenswert, dies aber auch gegen Widerstände durchzufechten und Überzeugungsarbeit zu leisten dafür gebührt noch mehr Lob!

    Vielen Dank!

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