Faszinierendes Schiff: Der Herreshoff Rennschoner „Elena“

Majestätisch!

Grandios, faszinierend und wunderbar… über „Elena“ wird nur in Superlativen geschwärmt. Zurecht – es gibt nur wenig Schöneres unter Segeln! Videofundstück „Voiles de St. Tropez“.

schwerelos © elena

schwerelos © elena

Er wolle einen „Schoner, der gewinnen kann!“ Mit dieser ziemlich lapidaren Auftragsbeschreibung orderte der Finanzier und Philanthrop Morton F. Plant im Herbst 1910 ein Segelschiff bei der „Herreshoff Construction Company“, das in den nächsten Jahrzehnten durchaus Segelgeschichte schreiben sollte. Und zwar in punkto Geschwindigkeit sowie… Schönheit. Eine Tradition, die das Schiff auch heute, als originalgetreuer Wiederaufbau noch fortsetzt.

"wie die Wolken eine Etage höher" – Die Elena aus der Delphin-Perspektive © elena

“wie die Wolken eine Etage höher” – Die Elena aus der Delphin-Perspektive © elena

Herreshoffs Design-Büro im US-amerikanschen Bristol lieferte Anfang des letzten Jahrhunderts bekanntlich seine formschönen, vor allem aber ausgesprochen schnellen Risse an die Reichen und Segelverrückten in Amerika und Europa.

Legendäre America’s Cupper und Transatlantik-Rekordfahrer der damaligen Zeit stammen aus seiner Feder. Wie bei vielen anderen seiner Projekte spielte auch im Falle „Elena“ Geld nur eine untergeordnete Rolle – nach dem Prinzip „Hauptsache schön und schnell“ konnte Herreshoff aus dem buchstäblich Vollen schöpfen.

Haus nur mit Kette

Morton F. Plant gelangte seinerzeit zu Weltruhm, weil er sein „herrschaftliches Haus“ in der 5th Avenue/New York für sagenhafte 100 Millionen Dollar an Cartier verkaufte, und dem zusätzlich noch eine seiner schönsten Perlenkettten als „Sahnehäubchen“ abluchste. „Fang an und sag mir hinterher, wieviel das alles kostet!“ soll Plant damals noch ungeduldig zu Herreshoff gesagt haben.

Der bediente sich eines gängigen Tricks, um einen tatsächlich dominant schnellen Schoner bauen zu können: Er legte seinen bis dato besten Schoner-Riss, die „Westward“ (gebaut ein Jahr zuvor) , zugrunde und verbesserte an – wie sich später im Vergleich herausstellen sollte – wirklich entscheidenden Stellen.

Zum Niederknien © elena

Zum Niederknien © elena

Auf den ersten Blick waren beide Schiffe identisch. Alles was über der Wasserlinie lag, inklusive Rigg und Beseglung, waren zur damaligen Zeit „state of the art“ und kaum zu verbessern. Unter der Wasserlinie jedoch verpasste Herreshoff der „Elena“ einen etwas „volleren“ Kiel, der den Schwerpunkt des Schiffes tiefer verlagerte und die Am-Wind-Eigenschaften des neuen Schoners deutlich verbesserte.

1911 wurde die (damals schon so bezeichnete) „Superyacht Elena“ zu Wasser gelassen, um schon wenige Wochen später das Schwesterschiff „Westward“ zum Duell zu fordern – ein „Matchrace“, das noch Dutzende Male bei den unterschiedlichsten Regatten ausgesegelt werden sollte.

Schnellster Rennschoner

Der 137-Fuß-Rennschoner „Elena“ erlebte schließlich den (vorläufigen?) Höhepunkt seiner Renn-Karriere, als er 1928 das „King’s Cup-Transatlantic-Race“ von New York nach Santander souverän gewann. Damals erhielt die „Elena“ den Titel „schnellste Yacht ihrer Zeit“. Kurz darauf verstarb Eigner Plant und die Yacht wurde vom (ebenfalls für seine Exzesse berühmten) Cornelius Vanderbilt gekauft, der sie allerdings peu a peu von den Regattabahnen abzog.

Atemberaubend, nicht nur von oben © elena

Atemberaubend, nicht nur von oben © elena

Nach mehreren Besitzern in den Fünfzigern bis Siebzigern des 20. Jahrhunderts, die zum Teil dramatisch schlechte Umbauten auf dem Schoner vornahmen, wurde die „Elena“ 2009 in der spanischen Werft „Factoria Naval des Marin“ vollständig neu wieder aufgebaut. Mehr als 300 (!) Herreshoff-Original-Pläne wurden dafür vom MIT-Center zur Verfügung gestellt – der Wiederaufbau der „Elena“ gilt als eine der schiffsbautechnisch größten Leistungen der letzten Jahrzehnte!

Um ehrlich zu sein – Worte würden zu blumig wirken., um die „Elena“ unter Segeln zu beschreiben. Hier sagen Bilder tatsächlich mehr als tausend Worte.

Ganz nett auch von innen © elena

Ganz nett auch von innen © elena

Die BBC-Dokumentation von „Elenas“ Auftritt bei den „Voiles de St. Tropez“ hat mittlerweile bei Klassiker-Fans Kultstatus erlangt. Eine Reminiszenz an die (vermeintlich) guten, alten Zeiten des Yachtbaus. Ach ja – man kann die „Elena“ auch chartern. Preise werden hierfür jedoch nur auf seriöse, ernstgemeinte Anfrage genannt…

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Michael Kunst

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