Franck Cammas: Platz 67 von 519 bei der Haute Route Rad-Etappe nach Alpe d’Huez

Vom Segelhelden zum Alpenpass-König

Raser unter sich: Leader der Hte.Route, Alain Proust, Franck Cammas mit Teamkollege Jean-Marie©miku

Raser unter sich: Leader der Hte.Route, Alain Prost, Franck Cammas mit Teamkollege Jean-Marie©miku

Dass  sich Franck Cammas, vor knapp einem Monat Volvo Ocean Race-Sieger auf der Groupama und „Beau“ der französischen Hochseesegel-Szene, auch für den Straßenradsport begeistert, wissen wir spätestens seit seiner Velo-Grinder-Einlage bei der Route du Rhum.

Doch auf die Anfrage der Haute Route wollte er eigentlich nicht zusagen: „Wenn du gerade mal 30 Tage vom Schiff wieder runter bist, sind deine Muskeln nach all’ dem Abstützen, Anspannen, Festhalten, Krummbiegen und Wegducken an Bord längst nicht zu so einer völlig anderen Belastung fähig. Vom Herz-Kreislauf-System ganz zu schweigen,“ ließ Franck im Vorfeld verlauten. Aber irgendwie hat’s ihn dann doch gereizt:

Auf Korsika, wo eigentlich kaum ein ebener Straßenmeter zu finden ist und wo er derzeit mit seiner Familie das VOR „verdaut“, legte er ein paar Straßenrad-Einheiten ein. Letzte Woche fuhr er „heimlich, damit ich mich ohne schlechtes Gewissen von dem Gedanken wieder verabschieden kann,“ die heutige Etappenroute ab: Zwischen Courchevel und Alpe d’Huez, 138 km, 4.700 hm, 3 Passanstiege. Sie kam ihm „hart, aber machbar vor“.

Es war hart – härter als jede Regatta?©miku

Es war hart – härter als jede Regatta?©miku

Radheld mit unrasierten Beinen

Wie hoch sein Bekanntheitsgrad in der französischen Sportszene ist,  machte die Vergabe der Startnummern deutlich: Nr.1 für Cammas, „nur“ Nummer 5 für ex Formel1-Held Alain Prost, der ähnlich wie Walter Röhrl die Motor-Fahne im Ausdauersport hoch hält.

„Einfach nur in Ehren ankommen“ wollte Cammas, aber schon nach dem ersten von 3 zu erklimmenden Cols war ihm klar, dass er trotz mörderischer Hitze (auch auf 2.000 m noch satte 30 GradC.) „heute ziemlich gute Beine habe“. Die übrigens unrasiert, mit Macho-Pelz überzogen waren – an irgendwas muss man ja erkennen,  dass er doch kein 150%-Radsportler ist.

Es kann nur einen geben!©miku

Es kann nur Einen geben! ©miku

Nicht nur Prost war erstaunt, wie rasch sich der Raser aus der Segel-Fraktion gemeinsam mit dem Elite-Peleton absetzte. Auch von den Spezialisten und Gesamtführenden sollte er später höchstes Lob erhalten.  „Wenn der sich nicht für die Hochsee entschieden hätte, wäre ein Radprofi aus ihm geworden!“

Doch Franck Cammas zeigte seine wahren Qualitäten in einer typischen Segler-Eigenschaft: Biss zeigen, Durchhalten, taktisch klug fahren, bis zuletzt Körner respektive Reserven bewahren.

Zwischen Tieren und Formel-1-Radlern

Entsprechend machte er für sich persönlich im zweiten Anstieg zum Glandon-Pass „den Sack zu!“ Zwar konnte er vorne, bei den knapp 40 vor ihm fahrenden, semi-professionell aufgestellten „Tieren“, nicht mithalten, nach hinten war dann aber doch so viel Platz, dass er sich immerhin ein wenig „einsam auf der Strecke vorkam“. Sogar über fotografische Begleitung konnte er sich dann freuen…

“Eigentlich ist es sehr bedauerlich, dass sich nur so wenige Segler vom Ausdauersport anstecken lassen“, meinte Cammas nach Luft japsend hinter der Ziellinie gegenüber SegelReporter. Die letzten Kilometer hinauf nach Alpe d’Huez empfand er als mörderisch, weil ohne Schatten. Aber dort konnte er sogar noch ein paar Plätze gutmachen, weil einige „explodierte“ Elite-Fahrer auf dem Zahnfleisch unterwegs waren. Schließlich platzierte er sich auf Rang 67 von 519 Fahrern, die bis zum Ziel durchhielten.

„Segeln ist Arbeit für mich, das Velo eher Hobby. Nach manchen Regatten würde ich am liebsten nur noch Rad fahren, und heute, hier und jetzt finde ich, dass Segeln irgendwie doch der bessere Sport ist!“

"Ob ich morgen noch beim Zeitfahren mitmache? Sehe ich so aus?"©miku

“Ob ich morgen noch beim Zeitfahren mitmache? Sehe ich so aus?”©miku

Ob er beim morgigen Zeitfahren, auf der 15km-Klassikerstrecke hinauf nach Alpe d’Huez auch noch mitmachen wolle? „Wenn ich bis dahin wieder genug Luft kriege, und ich nicht schon morgen zur Europa-Tour der MOD 70 gerufen werde, mal sehen!“ Spricht’s, trinkt einen Liter Wasser im Stehen und flüchtet vor einer TV-Crew, die ihn noch unbedingt fragen wollte, ob er denn lieber Rad fahre oder segle?

 

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Michael Kunst

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