Fundstück: Vulkanausbruch; Yacht fährt durch riesigen Bimsstein-Teppich

Strand mitten im Meer

Verdammt nah am Ufer, oder mitten auf hoher See? © Fredrik Fransson

Verdammt nah am Ufer, oder mitten auf hoher See? © Fredrik Fransson

„Da treibt ein riesiger Teppich aus Undefinierbarem direkt vor Euch, passt auf“! Der Funkspruch von einem Flugzeug schreckte die Crew der MNZS “Canterbury” auf. Der 9000 Tonner der neuseeländischen Marine erreichte  im August dieses Jahres im Dunkeln das Seegebiet der unbewohnten, vulkanischen Kermadec-Inseln, als es von einem Naturphänomen überrascht wurde.

Die Crew traute ihren Augen kaum: Im Scheinwerferlicht strahlte die See weiß. Voraus schien sich ein riesiger Strand auszubreiten: Bimsstein, der auf einer Fläche von der Größe Belgiens durch den Pazifik trieb.

Der Unterwasser-Vulkan „Havre“ war mit mehreren Eruptionen ausgebrochen und spie riesige Mengen des schwimmenden Gesteins an die Wasseroberfläche. Wochen später war der Bims-Teppich zwar in mehrere Teile auseinander gedriftet, doch noch immer treiben Steine, die unter Seglern als Glücksbringer gelten, durch den südlichen Pazifik.

Vielleicht hätter fransson anlanden sollen, um eine Flagge in den Boden zu stecken um das Land für die Schwedische Krone zu beanspruchen? © fransson

Vielleicht hätte Fransson anlanden sollen, um eine Flagge in den Boden zu stecken und um das Land für die Schwedische Krone zu beanspruchen? © fransson

„Vor uns entsteht gerade eine Insel!“

Schon Jahre zuvor, im Sommer 2006, hatte die schwedische Yacht „Maiken“ mit ihrem weltenbummelnden Skipper Fredrik Fransson ein ähnliches, wenn auch weitaus aufregenderes Erlebnis.

Fransson war ebenfalls im Großraum der Tonga-Inseln unterwegs, als er in einer stundenlangen Flaute begann, unter Motor nach Windstrichen Ausschau zu halten. Eine Wolke am Horizont machte ihn aufmerksam. Sie verhielt sich anders, als die üblichen Schönwetterwolken.

Ein paar Meilen später brachte der Blick durch das Fernglas Unglaubliches hervor: Hier mitten auf dem Pazifik, wo im Umkreis von mehreren hundert Seemeilen keine Insel auf den Karten verzeichnet war… entstand gerade vor Fredriks Augen ein neues Eiland!

Gleichzeitig wurde „Maiken“ von einem riesigen Bimsstein-Teppich umschlossen. „Ein beängstigendes und faszinierendes Gefühl,“ erinnerte sich Fransson später. „Die Steine klickerten am Rumpf entlang, schmirgelten ihn auf Höhe Wasserlinie. Wir zogen eine richtige Bahn in dem schwimmenden Gesteinsteppich!“

Komisches Gefühl ist das schon… © Fransson

Komisches Gefühl ist das schon… © Fransson

Eruptions-Spektakel

Fredrik und seine Crew ließen sich Zeit, machten seelenruhig ein paar Aufnahmen von dem Eruptions-Spektakel am Horizont, mussten noch den Wasser-Ansaugstutzen von Bims-Bröckchen säubern und segelten bei Einbruch der Dunkelheit weiter gen Neuseeland.

Als sie bei nächster Gelegenheit den Behörden per Funk von ihren Beobachtungen berichteten, wurden sie kaum ernst genommen. Bis sich ein paar Stunden später ein Seismologe nochmals die Daten der letzten paar Tage aus dem beschriebenen Seegebiet vorknöpfte. „Franssons Vulkan“ war ein seit Langem ruhender Koloss unter dem „home reef“. Inzwischen sind allerdings große Teile der neuen Insel wieder im Meer verschwunden.

Opfer für die Götter

Luftig, locker, flockig: Schwimmender Bimsstein © wikipedia

Luftig, locker, flockig: Schwimmender Bimsstein © wikipedia

Bimsstein entsteht bei gasreichen, vulkanischen Eruptionen, bei denen Lava durch Wasserdampf und Kohlendioxid aufgeschäumt wird. Der Bims hat nur ein Drittel der Dichte anderer vulkanischer Gesteine und schwimmt deshalb auf der Wasseroberfläche.

Bimsteppiche wurden durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch auf den Meeren und Seen in der Nähe von tätigen Vulkanen beobachtet und gesammelt – in den frühen Kulturen des Mittelmeers wurde der Bimsstein im Alltag genauso eingesetzt wie als Opfer für die Götter.

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Michael Kunst

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