Gestorben: Paul Elvström ist tot – Segel-Held, Erfinder, Athlet, Rekord-Sieger

Der Größte ist gegangen

Die dänische Segel-Legende Paul Elvstrøm ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er gewann vier Olympische Goldmedaillen und wurde 13 Mal Weltmeister in acht verschiedenen Klassen. 

Elvstrøm ist am 7. Dezember friedlich in seinem Haus in Hellerup eingeschlafen. Er hinterlässt vier Töchter neun Enkel und zwei Urenkel.

Paul Elvstrøm versucht sich noch mal auf einem Finn. © Elvstrøm

Paul Elvstrøm versucht sich noch mal auf einem Finn. © Elvstrøm

Der Däne steht mit seinem Namen seit Jahrzehnten als absoluter Superstar des Segelsports. Er hat das Regattasegeln geprägt, indem er es als echte physische Herausforderung interpretierte. So kam er als einer der Ersten auf die Idee einen Ausreitgurt im Boot zu installieren und baute sich eine Bank, um die spezielle Belastung auch an Land zu trainieren.

Aber er steht auch für technische Entwicklungen, mit denen er seine Leistung unterstützte. So entwickelte er Selbstlenzer, Knarrblock, Elvstrøm Schwimmweste, verfeinerte Traveller- und Niederholer-Technik und beschäftigte sich intensiv mit dem Segelmacherei-Handwerk. Von 1954 bis 1976 betrieb er Elvstrøm Sails und machte das Label mit der roten Krone zu einer echten Marke.

Der Regel-Erklärer

In zahlreichen Büchern veröffentlichte er sein Wissen. Dabei ging es um die Interpretation des Regelwerks wie auch Grundlagen der Taktik. Ebenso war er als Bootsdesigner tätig. Unter anderem entwickelte er neben Trapez-Dinghies die Aphrodite 101 als Einheitsklasse. Knapp 500 Exemplare wurden von der 10 Meter-Yacht gebaut.

Die Extreme Ausreithaltung im Finn konnte nur der Däne aushalten. © Elvstrøm

Die Extreme Ausreithaltung im Finn konnte nur der Däne aushalten. © Elvstrøm

Seinen Namen machte er sich aber durch die einzigartige Olympiakarriere. Bei vier aufeinander folgenden Olympischen Spielen holte er Gold. Vier weitere Male war er für Dänemark am Start. Der gelernte Maurer machte seine Leidenschaft zum Beruf. Er war einer der ersten Profis im Olympischen Segelsport und zog damit einigen Unmut auf sich.

Denn eigentlich forderte das Internationale Olympische Komitee noch 1972, als schon die “Staatsamateure” aus dem Ostblock die Medaillen abräumten, dass Athleten nur dann eine Startberechtigung haben, wenn sie ihren Sport immer “als Nebenbeschäftigung ohne Entgelt ausüben”. Elvstrøm dagegen veröffentlichte Bücher, konstruierte und verkaufte Segel, Boote und Ausrüstung unter seinem Namen als Marke. Er sollte für die Spiele gesperrt werden, aber König Konstantin verhinderte das als IOC-Mitglied.

Der Erfinder

Elvstrøm Überlegenheit basierte darauf, dass er sich als einer der ersten professionell mit dem Sport beschäftigte. Seine bahnbrechende Entwicklungen, wie der Baum-Niederholer, waren immer gut für große Erfolge. Es gelang ihm lange, solche Details geheim zu halten. Und wenn die Konkurrenz zu ihm aufschloss, hatte er schon einen neuen Beschleuniger gefunden, wie zum Beispiel den Lenzer.

Ausreiten bis der Arzt kommt, das war die Stärke von Paul Elvstrøm. © Elvstrøm

Ausreiten bis der Arzt kommt, das war die Stärke von Paul Elvstrøm. © Elvstrøm

Aber seine stärkste Waffe war körperliches Training und das Ausreizen der Regeln. So provozierte er 1959 beim Finn Gold Cup zahlreiche Proteste, weil er seinen Finn aktiv vorwärts pumpte. Das war damals noch nicht ausdrücklich verboten und Elvstrøm nutzte diese Lücke. Genauso wandte er die Match-Race-Taktik des “Zurücksegelns” an, um den FD-WM-Titel 1962 als Vorschoter zu holen.

Auch der America’s Cup war ein logisches Thema für den Dänen.  Er ließ sich 1970 von Baron Marcel Bich heuern, der als Erster eine professionell gemanagte America’s-Cup-Kampagne starten wollte. Aber Elvstrøm trennte sich im Streit, da der Franzose nicht genug auf dessen radikalen Design-Vorschläge eingehen wollte.

Im Tornado mit Tochter Trine

Paul  Elvstrøm half auch die Erfahrung in den verschiedensten Bootsklassen. Er wurde Weltmeister im 505, Snipe, Finn Dinghy, 5,5er, Flying Dutchman, Star, Soling und Halbtonner. Großen Respekt erntete er, als er 1984 noch einmal mit seiner jüngsten Tochter im Tornado an den Start ging.

Im Tornado wird Paul Elvstrøm mit Tochter Trine noch einma Olympia-Vierter. © Elvstrøm

Im Tornado wird Paul Elvstrøm mit Tochter Trine noch einma Olympia-Vierter. © Elvstrøm

Im Alter von 56 Jahren wurde er noch einmal Europameister. Dabei stieg er bei starkem Wind selber als Steuermann ins Trapez, weil er schwerer als seine Tochter war. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles verpasste das Familien-Duo die Medaille nur knapp auf Rang vier.

Auch danach sorgte Elvstrøm in heimischen Gewässern noch für Aufsehen, wenn er noch im hohen Alter seinen Dragonfly-Trimaran von seinem Wassergrundstück in Hellerup bei Kopenhagen um die Inseln jagte. Das Rigg hatte er noch etwas erhöht, und so machte er Schlagzeilen als auf dem gekenterten Tri eine Nacht verbrachte, ehe er gefunden wurde.

Der Olympia-Rekord von vier olympischen Goldmedaillen ist 2012 von Ben Ainslie gebrochen worden, der neben der gleichen Anzahl von Gold- noch eine zusätzliche Silbermedaille sein eigen nennt.

Aber Elvstrøm steht für mehr als sportliche Erfolge. Der stille, bescheidene Däne betonte in seinen Büchern immer, wie wichtig die Fairness ist. Einer seiner prägenden Sätze hieß: “Wenn man auf dem Weg zum Sieg den Respekt der Gegner verliert, hat man nichts gewonnen.”

Elvstrøm Erfolge

Olympische Goldmedaillen
1948: London (Torquay),  Firefly
1952: Helsinki,  Finn-Dinghi
1956: Melbourne, Finn-Dinghi
1960: Rom,  Finn-Dinghi

Weltmeister-Titel
1957: 505er
1958: 505er
1958: Finn-Dinghy
1959: Finn-Dinghy
1959: Snipe
1962: Flying Dutchman
1966: International 5.5 Metre Class
1966: Starboot
1967: Starboot
1969: Soling
1971: Halbtonner
1974: Soling
1981: Halbtonner

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Gestorben: Paul Elvström ist tot – Segel-Held, Erfinder, Athlet, Rekord-Sieger“

  1. avatar Frank sagt:

    Die große Zeit war vor meiner Zeit – aber sein Satz “Keelboat sailing is for elderly people” ist auch bei mir angekommen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  2. avatar Claus Keferstein sagt:

    Er ist mein grosses Vorbild. Er bzw. sein erstes Buch haben mich zum Segeln und ganz besonders zum Regattasegeln auf Jollen motiviert. Er war Vorbild bis ins hohe Alter, als er mit seiner Tochter segelte. Diesem faszinierenden Sport bin ich bis heute, mit 60+, treu geblieben. Wo sind solche Vorbilder heute? Gute Ansätze gibt es schon, aber viele enden vorzeitig in Streitigkeiten ums Geld und werden vor Gerichten ausgetragen. Sehr schade! Wo ist der olympische Gedanke geblieben?

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