Havarie: Mondfisch versenkt Yacht in der Bass-Straße – dramatische Rettungsaktion

Die unterschätzte UFO-Gefahr

Für Segler „down under“ gelten sie längst als eines der größten Risiken beim Hochseesegeln: Die Kollision mit einem sonnenbadenden Mondfisch wurde jetzt einer “Sydney-Hobart”-Yacht zum Verhängnis.

Wie schnell Segler oder sogar ganze Crews auf Hoher See in kritische Situationen geraten können, wurde wieder am vergangenen Wochenende deutlich. Nicht zuletzt, weil zwei spektakuläre und letztendlich glücklich verlaufene Unfälle fast schon hautnah medialisiert wurden. 

Da fiel zum Einen Alex Gough, Crewmember beim Volvo Ocean Race Team „Scallywag“, bei lauen 18 Knoten Windgeschwindigkeit während eines Segelwechsels über Bord. Die Rettungsaktion verlief glimpflich, wenn auch nicht gerade vorbildlich und nur wenige Minuten nach dem MOB war Gough triefend nass wieder an Bord. Schwimmweste? Lifeline? Fehlanzeige… (siehe SR Bericht). 

Havarie, Kollision, Mondfisch

Sonnenbadender Mondfisch – aufgenommen am bretonischen Pointe de Raz de Sein © Pline/wikipedia

Eine weitere Havarie ereignete sich „down under“ , ca 150 km östlich von Finder’s Island, eine australische Insel am östlichen Ende der Bass-Straße zwischen Tasmanien und dem australischen Festland. 

Die Yacht „Hollywood Boulevard“ war auf dem Rückweg von Hobart Richtung New South Wales, nachdem sie beim Sydney-Hobart-Race einen neunten Rang in der Gesamtwertung ersegelt hatte. 

Geballte Erfahrung schützt nicht vor UFO

An Bord waren sechs erfahrene Hochseeregattasegler, darunter Veteranen wie Michael Spies (mit 40 „Hobarts“ auf dem Salzbuckel) und James Wilmot, 1984 Segel-Olympionike und 15-facher „Hobart“-Teilnehmer. Doch selbst geballte Erfahrung schützt bekanntlich nicht vor „Murphys law“: Die Yacht kollidierte mit einem unbekannten Objekt (unidentified floting object – UFO), wurde stark beschädigt und nahm sofort Unmengen Wasser auf. 

„Hollywood Boulevard“ kurz bevor sie sinkt nach einer Mondfisch-Kollision.

Das Ganze in äußerst bockiger See mit Windstärken bis zu 45 Knoten. „Schon wenige Minuten nach der Kollision sahen wir keine andere Möglichkeit mehr, als einen Notruf über EPIRB abzusetzen. Es war klar, dass die Yacht sinken würde,“ sagte Michael Spies später. 

Zwei „Air Ambulance“-Helikopter, stationiert auf dem australischen Festland, kamen nach Empfang des Notrufs zum Einsatz. Sie mussten jedoch vor der direkten Rettungsaktion nochmals auf Flinders Island auftanken, da bei dem starken Wind mit hohem Spritverbrauch zu rechnen war.  

Havarie, Kollision, Mondfisch

Ein historisches Foto, nur um mal die Größenverhältnisse klarzumachen © wikipedia

Die sechs Crewmitglieder wurden aus dem ungewöhnlich kalten Wasser per Heli-Winde geborgen. Die Rettungskräfte sprachen später von einem ihrer „schwierigsten Rettungseinsätze“, da die Böen in der Bass-Straße ungewöhnlich heftig und stark drehend waren. „Wir fühlten uns wie auf der Achterbahn,“ gab einer der Retter zu Protokoll.

Mit jeweils drei stark unterkühlten Seglern an Bord flogen die Hubschrauber zu unterschiedlichen Rettungsstationen. Die Yacht wurde aufgegeben, es ist allerdings noch nicht klar, ob sie tatsächlich sank oder weiter, halb abgetaucht, in der Bass-Straße umhertreibt und eine potentielle Gefahr für andere Boote und Yachten bildet.

Häufiger als angenommen?

Apropos Gefahr durch UFO: Für Michael Spies war der Kollisionsgegner keineswegs „unbekannt“: Er ist sich sicher, nach dem Zusammenstoß einen Mondfisch knapp unter der Wasseroberfläche erkannt zu haben. Die bis zu 2,5 Tonnen schweren und nicht selten drei Meter langen Knochenfische sind speziell bei Sydney-Hobart-Racern seit jeher gefürchtet.

Obwohl die Einzelgänger bevorzugt in der Tiefsee unterwegs sind, „trifft“ man sie im wahrsten Sinne des Wortes auch häufig knapp unter der Wasseroberfläche an. Ganz so, also wollten sie nach der Dunkelheit tief unten mal eben schnell ein paar Sonnenstrahlen genießen (im Englischen wird der Mondfisch übrigens Sunfish genannt). 

Allein während der Sydney-Hobart-Rennen der letzten Jahre sind nachweislich Dutzende Kollisionen mit Mondfischen bekannt geworden, bei denen mitunter auch schwere Schäden an den Yachten zu verzeichnen waren. Vom abgerissenen Ruder bis zu schweren Rumpfschäden war alles dabei. Die Supermaxi „Wild Oats XI“ verzeichnete beim Rennen 2005 nachweislich drei Kollisionen mit Mondfischen.

Für australische und neuseeländische Segler sind solche „Begegnungen“ längst Normalität geworden. Ihre  Sorge gilt derzeit hauptsächlich dem vermehrten Auftreten von Walen, die sich – offenbar aufgrund des Klimawandels – nun während ihrer Wanderungen länger in den Gewässern rund um Australien aufhalten und vermehrt mit Yachten kollidieren. 

Der Mondfisch oder auch „Mola Mola“ ist eine der faszinierendsten Kreaturen unserer Meere. Er bevorzugt zwar warme Gewässer, wurde aber auch schon vor Skandinavien und im nördlichen Atlantik gesehen. Er ist in nahezu allen Meeren unseres Blauen Planeten anzutreffen und legt über Jahre hinweg teils lange Wanderstrecken zurück.

Französische, spanische und britische Hochseesegler berichten immer mal wieder von Sichtungen unweit ihrer Küsten und viele Meeresbiologen gehen davon aus, dass manche der in den letzten Jahren gemeldeten UFO-Havarien eben nicht mit Containern und Walen als Kollisionsgegner stattfanden (die man nach der Kollision eher „identifizieren“ bzw. ausmachen kann), sondern eben mit Mondfischen, die rasch nach „Berührung“ oder Kollision absinken und nur schwer zu erkennen sind.

Wie nah uns Mondfische kommen, zeigt das spektakuläre Video (oben): Es wurde vor der portugiesischen Küste aufgenommen.

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Havarie: Mondfisch versenkt Yacht in der Bass-Straße – dramatische Rettungsaktion“

  1. avatar RVK sagt:

    Schade um das schöne Schiff. Das war die alte LivingDoll. Schwesterschiff von OrientExpress V in Istanbul. Ein tolles Farr-Design, als Alternative zur Offshore-fähigen TP52…

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  2. avatar N. T. Rüstet sagt:

    Was für ein rücksichtsloses A…loch von Taucher! Warum steckt er ihm den Blitz nicht gleich ganz ins Auge??? Traurig, solche Leute ohne Respekt vor den Wundern dieser gefährdeten Erde.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

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