Helmut Schmidt: Wie sein Laser zu politischen Verwicklungen führte

"Segeln befreit von belastenden Gedanken"

Mit Helmut Schmidt ist ein bedeutender Staatsmann gegangen. Aber er zählte sich auch zur großen Segelfamilie. Gerne mit Conger und Laser auf dem Brahmsee.

Schmidt versucht, seinen Laser zu berherrschen...Mit sehr losem Traveller.

Schmidt versucht, seinen Laser zu beherrschen…Mit sehr losem Traveller.

Wenn Politiker segeln gehen, weiß man immer nicht so genau, ob sie sich inszenieren, oder ob es ihnen ernst ist mit der Leidenschaft. Helmut Schmidt hat eine glaubwürdige Beziehung zu dem Sport. In einem Interview mit dem Abendblatt sagte er einmal: “Segeln befreit –  wenn auch nur vorübergehend –  von schwierigen und belastenden Gedanken.”

Damit beschreibt er zielsicher einen Effekt des Segelns, der von vielen Fans des Sports geschätzt wird und besonders zur Faszination beiträgt. “Man muss konzentriert auf Wind und Boot achten, Kopf und Körper sind voll gefordert”, sagt Schmidt weiter. “Es gibt keine Möglichkeit, anderen Gedanken nachzuhängen oder gar zu träumen. Bei böigem oder hartem Wind verzeiht meine Jolle kaum einen Fehler, und große Fehler sind die Ursache dafür, daß man sich plötzlich im kalten Wasser wiederfindet.”

Der ex Bundeskanzler fühlt sich dem Segeln sehr verbunden. Schon während seiner Zeit in der HJ war er dem Sport nahe gekommen. Dabei frönte er der Leidenschaft weniger auf luxuriösen Yachten, wie einige seiner schillernden Amtskollegen, sondern überwiegend mit einem Conger (Porträt) auf dem Brahmsee zwischen Rendsburg und Neumünster.

Spartanisch am Brahmsee

Der Kanzler an seinem Steg rustikal mit Jeans und Schwimmweste.

Der Kanzler an seinem Steg rustikal mit Jeans und Schwimmweste.

Dort hatte Schmidt ein 3000 Quadratmeter großes Ufergrundstück für rund 7000 Mark erworben. Außerordentlich spartanisch eingerichtet wurde es für mehr als 40 Jahre das Feriendomizil 1958 der Familie  abgeschottet von der Öffentlichkeit.

“Ein Zimmer für die Eltern, ein Kinderschlafraum, eine winzige Küche, ein Plumpsklo und Petroleumlampen -so fing es an”, schreibt ein Reporter, der ausnahmsweise Einblick in das Heiligtum der Schmidts erhielt. “Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung. Im Winter heizte ein Petroleumofen.”

Der soll einmal fast zu einen schweren Unfall geführt haben. Durch den fehlenden Abzug sei Loki in einer Nacht von den Abgasen ohnmächtig geworden und aus dem Bett gefallen. Das Geräusch weckte Helmut Schmidt auf – “sonst wären wir beide tot gewesen”, sagte Schmidt dem Reporter.

Conger wegen der Stabilität

Den Baum unter dem Arm. Segeln als echte Leidenschaft.

Den Baum unter dem Arm. Segeln als echte Leidenschaft.

Am Brahmsee segelt der Kanzler seinen Conger. “Mit Großsegel und Fock oder, wenn der Wind nicht so heftig bläst mit dem größeren Vorsegel, der Genua.” Er bevorzugt den Conger, “weil diese Jolle wegen ihrer Größe und Stabilität für die schleswig-holsteinischen Seen sehr gut geeignet ist. Bei mäßigem bis frischem Wind kann ich das Boot noch sehr gut allein segeln. Bei stärkerem Wind brauche ich einen Vorschotmann.”

“Weil ich als Politiker diesem Sport nur ziemlich selten und unregelmäßig nachgehen kann, ist diese Jolle für mich das geeignetste Boot. Jedes größere Boot verlangt einen zweiten Mann oder eine ganze Besatzung, und wer hätte schon Lust, ständig auf meine Terminschwierigkeiten Rücksicht zu nehmen?”

Schmidts Hobby wurde umso bekannter je mehr er in das Rampenlicht der Weltpolitik rückte. So zeigte er sich bei der Kieler Woche oder segelte er mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Pierre Trudeau zu einer Konferenz nach Dänemark.

Ein Laser aus Kanada

Dieses Treffen mag den Kanadier dazu gebracht haben, Schmidt einen Laser zu schenken, der von dem Landsmann Bruce Kirby konstruiert wurde und zum Siegeszug um die Welt ansetzte.

Helmut Schmidt mit Loki 1981

Helmut Schmidt mit Loki 1981

Mit 60 auf einem Laser? Schmidt schien das kippelige Schiffchen nicht zu mögen, und so machte sogar das Gerücht die Runde, der Kanzler habe das Boot verschenkt. Es hieß, die  freundschaftliche Verbindung zu Kanada werde getrübt.

Daraufhin soll  Schmidt seinen Staatssekretär zu einer offiziellen Note an die Kanadier veranlasst haben, die besagt, dass die Jolle nach wie vor im Bootsschuppen am Brahmsee liege. “Das Plättbrett”, wie Schmidt den Laser nannte, sei aber nicht ganz einfach zu segeln, und er traue sich auch angesichts seines fortgeschrittenen Alters nicht bei jedem Wetter damit aufs Wasser.

“Schlechter Steuermann”

Ganz unbeobachtet konnte er sich nicht auf seinem kleinen See dann doch nicht bewegen. So sorgte schon mal eine Kenterung für Aufregung in der Boulevard-Presse. Und der Spiegel zitierte Reaktionen aus Bayern auf den Vorfall: “Es dürfte doch klar sein”, schrieben die Bayern höhnisch, “einen so schlechten Steuermann (Segler) kann man nicht länger als Bundeskanzler brauchen. Es ist dann wahrscheinlich, daß wir uns in Wirklichkeit alsbald keinen Schnaps mehr leisten können, sondern nur noch die SPD-Bonzen.”

Als schönste Segel-Erlebnisse beschrieb Helmut Schmidt seine Sommertörns mit Freunden auf einem größeren Kielboot auf der Ostsee. Dabei ließ er sich auch von einer Windhose bei Neustadt in der Lübecker Bucht nicht aus der Ruhe bringen.

Ein Törn auf der Unterelbe zwischen Krautsand und Stadersand war für Schmidt das brenzligste Erlebnis. Auf einem Jollenkreuzer mit Bruder und Freund geriet er in eine Flaute und trieb mit auflaufendem Wasser in die Fahrrinne, wo zahlreiche Frachter fuhren.

Aus der Flaute wurde plötzlich ein handfestes Gewitter und die Dampfer kamen gefährlich nahe. Erst als hinter der Elbinsel Lühesand der Anker fiel atmete die Crew auf. “Wir haben erst mal einen getrunken”, erzählte Schmidt.

Farewell Helmut Schmidt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Helmut Schmidt: Wie sein Laser zu politischen Verwicklungen führte“

  1. avatar wet rabbit sagt:

    Is nich war, hier gibt’s ein Conger Portrait? Was bin ich froh, im Osten segeln gelernt zu haben ;o)

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 13

  2. avatar Olli sagt:

    So schlimm ist die Conger auch nicht. Kommt natürlich nicht an die Ixylon heran, kann sich ästhetisch aber durchaus mit der Hiddensee messen. Zwar beides sehr unterschiedlich im Konzept, aber ich wüßte auf Anhieb nicht zu sagen, welches Boot häßlicher ist.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

    • avatar wet rabbit sagt:

      Da hast du völlig recht. Nur hat die Hiddensee mehr Platz, ist durchaus seetauglich und zumindest bei Wind verhältnismäßig schnell. Ist ja auch bisserl größer. 5 junge Leute auf Tour mit ‘nem Vereins-Hiddensee, das hat schon Spaß gemacht.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  3. avatar Thosi sagt:

    … schön dass der Segelreporter diesem großen Mann zum Abschied einen Artikel gewidmet hat! Danke!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 1

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