Jugendsegeln: Schweizer Initiative OYS baut Hochseekatamaran am Bodensee

Vom See auf See

In den kommenden zehn Jahren sollen 1.600 Jugendliche und junge Erwachsene vom Projekt des Ocean Youth Sailing OYS profitieren – beim Bau am See und beim Segeln auf See.

Naiv oder draufgängerisch? Vor eineinhalb Jahren verspürten 30 Jugendliche und junge Erwachsene des Segelvereins JSS im Schweizer Steckborn am Bodensee Lust auf „mehr“ und „Meer“: Sie wollten sozusagen den Sprung vom „Schwäbischen Meer“ auf die großen Ozeane wagen und Jugendliche direkt im Salzwasser zu Hochseeseglern ausbilden. Dafür gründeten sie einen weiteren gemeinnützigen Verein namens Ocean Youth Sailing (OYS).

Von der Pike auf lernen

So weit, so gut. Doch anstatt sich beispielsweise in bestehende Initiativen einzuklinken oder etwa Boote für die seglerische Ausbildung der Jugendlichen zu chartern, gingen die Enthusiasten noch einen Schritt weiter: Warum nicht schon gleich mit dem Bau eines Hochseekatamarans sozusagen die Kunst des Hochseesegelns von der Pike auf erlernen?

Liest sich ein wenig naiv? Könnte auch genau so gewesen sein… nur: die jungen Leute beim OYS sind Macher. Das haben sie schon beim Aufbau ihres Clubs gezeigt, das beweisen sie Jahr für Jahr durch rege Regattateilnahmen und durch konsequente Ausbildungen von interessierten Jugendlichen auf dem Bodensee.

Jugend, Hochsee, Katamaran, Schweiz

Die “Arrow” soll von den Jugendlichen selbst gebaut werden © OYS

Also begannen sie ihre Ziele auch mittel- bis langfristig näher zu formulieren. Demnach wollen sie nicht „nur“ Seesegeln lernen und später anderen Gleichaltrigen näher bringen, sondern ebenso „Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Eigenständigkeit der teilnehmenden Segler fördern“.

Praktische Lernerfahrungen sollen nicht nur in der Ausbildung und beim Bau des Katamarans, sondern später auch bei der Umsetzung von gemeinnützigen Projekten wie zum Beispiel einer mobilen Werkstatt, Beach-Cleaning Aktionen oder Arbeitsintegrationsprojekten gewonnen werden. Dabei verfolgt das OYS keine kommerziellen Zwecke, strebt keinen Gewinn an.

Bau-Kit für 13,60 Meter-Kat

Soweit zur Theorie. Doch die Praxis ließ nicht lange auf sich warten. Unter der Leitung von Lukas Ruppen, einem Maschinenbaustudent, machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Katamaran-Modell für den angestrebten Selbstbau und praktischerweise auch gleich nach einer passenden Örtlichkeit für die „Werfthalle“.

Jugendsegeln

Zur “boot” nahmen sie ein selbstgebautes Modell ihres Traumschiffes mit © OYS

Gönner stellten ein Grundstück zur Verfügung, auf dem sie später ein Zelt errichten wollen. Dort wollen die OYS-Segler und -Bootsbauer bereits Anfang April 2016 mit dem Bau eines „Arrow 1360“-Katamarans von Schionning Designs beginnen. Die Firma hat sich auf Kit-Systeme für Hochsee-Mehrrumpfer spezialisiert.

Reichlich Unterstützung

Stellt sich nur die Frage nach den leidigen Finanzen. Doch auch hier sind die jungen Schweizer Macher schon erstaunlich weit vorangekommen. Sie beziffern die Gesamtkosten des Katamaran-Baus auf ca. 270.000 Euro. Um in Kürze mit dem Bau des Katamarans beginnen zu können, benötigen sie gut 107.000 Euro für die Bootspläne, den Baustandort, die Werkzeuge und den Katamaran-Bausatz.

Durch Promotion des Projektes im näheren Umkreis kamen dabei durch private Gönner, Sponsoren und Stiftungen bereits 80.500 Euro zusammen. Die fehlenden 27.000 Euro wollen sich die OYS-Enthusiasten durch eine Crowdfunding-Aktion auf der Website „100Days“ finanzieren.

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Jugendliche unterrichten Jugendliche: eines der Prinzipien des Steckborner Vereins © OYS

Die Schweizer haben ihr Projekt auf der „boot” in Düsseldorf vorgestellt und sind dort auf „ungewöhnlich hohe Bereitschaft zur Unterstützung“ gestoßen. Viele Ausrüster-Firmen und sonstige segel-affine Unternehmen wie die Weseler Firma von der Linden haben ihre Mithilfe durch spezielle Rabatte angekündigt.

Wer also bei so viel Enthusiasmus für ein nicht ganz gewöhnliches Segel-Projekt in Spendierlaune verfällt, sollte sich die „Booster“ Seite des Crowdfunding –Projektes zu Gemüte führen. Lesenswert sind hier vor allem die mittlerweile bei fast allen derartigen Projekten üblichen „Goodies“, also kleine bis große Prämien und Geschenke, die man im Gegenzug für die (steuerabzugsfähige) Spende erhält. Orignell: wer rund 900 Euro spendet, bekommt Besuch von einer OYS-Abordnung, die dann das gesamte Unterwasserschiff der eigenen Yacht streicht.

Website Ocean Youth Sailing

Crowdfunding/Spende

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Originelle Spendenprämien: von der selbstgemachten Schokolade bis zum individuellen Karbontisch für die Yacht des Spenders © OYS

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Michael Kunst

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