Klassiker-Replik: Französische Fregatte „Hermione“ segelt in die USA – nach 20 Jahren Bauzeit

Im Zeichen der Freundschaft

Vor 235 Jahren kam General Lafayette auf „Hermione“ den amerikanischen Revolutionstruppen zu Hilfe. Am Samstag stach ihr 25-Millionen-Euro-Nachbau in See.

Am 20. März 1780 startete die französische Kriegs-Fregatte „Hermione“ unter größter Geheimhaltung mit 300 Mann und 26 Kanonen der 12-Pfünder-Klasse an Bord zu einer Transatlantik-Überquerung. Für die Verpflegung der Besatzung und Soldaten wurden fässerweise Stockfisch und Gemüse gebunkert, aber auch 100 lebende Schafe und fünf Ochsen.

Der Atlantik ruft © hermione2015

Der Atlantik ruft © hermione2015

Unter Führung des noch jungen, aber bereits legendären General Lafayette sollte das Kriegsschiff eine entscheidende Rolle im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer spielen.

11 Monate hatte die Konstruktion der „Hermione“ und drei baugleicher Schwesterschiffe gedauert – ein für die damalige Zeit unglaublich anmutendes Meisterstück der Bootsbaukunst.

Unter französischer und amerikanischer Flagge © hermione

Unter französischer und amerikanischer Flagge © hermione

Die „handlichen Fregatten“ überzeugten  vor allem durch Schnelligkeit und Wendigkeit, was sich als schlacht- und somit kriegsentscheidend herausstellen sollte.

Konstruktionspläne verbrannt

Am 18. März 2015, also fast auf den Tag genau 235 Jahre später, stach eine originalgetreue Replik der „Hermione“ erneut in See. An Bord sind 80 Personen Besatzung (25 Profis, 55 „aktive Gäste“), darunter ein Drittel Ausländer und ein Drittel Frauen. Zentnerweise wurde für die Überfahrt tiefgefrorenes Gemüse eingelagert – Fleisch wird es nur aus Dosen geben.

Unter Vollzeug © hermione2015

Unter Vollzeug © hermione2015

Fast 20 Jahre dauerte der originalgetreue Nachbau der „Hermione“, mehr als 25 Millionen Euro kostete der zum Teil mit alten Werkzeugen in alter Tradition geschaffene Nachbau.

Die “Hermione”  begann ihre Reise an der Ile d’Aix zwischen La Rochelle und Rochefort. Am Steuerrad steht Kapitän Yann Cariou, der mit der französischen Marine schon sieben Mal die Welt umrundete.

Die Konstruktionspläne der Original-“Hermione” waren kurz nach Fertigstellung des Kriegsschiffes aus Sicherheitsgründen verbrannt worden. Nur mit Hilfe englischer Historiker, die in ihren Archiven dennoch (offenbar spionierte) Pläne fanden, und eines relativ gut erhaltenen Schwesterschiffes, bei dem Maß genommen wurde, konnte die „Hermione“ ziemlich originalgetreu aufgebaut werden.

2014 verließ die Fregatte mit drei Masten aus Oregon-Pine das Trockendock für erste Erprobungen zu Wasser. Seitdem haben sie mehr als 60.000 Personen am Steg besucht.

25 Millionen Euro Baukosten

Mehrfach wurde der Bau der Replik aus finanziellen Gründen unterbrochen, Gesamtbauzeit und Kosten waren sogar mehrmals Grund für parlamentarische Anfragen seitens französischer Politiker. Dennoch (oder gerade deshalb) wurde “Hermione” von der französischen Öffentlichkeit sehr wohlwollend aufgenommen. Es gehe eben um die Symbolik dahinter, argumentierte man. Zuletzt wurde der Dreimaster zu mehr als 20% von privaten Spenden finanziert – den „Rest” bezahlte der französische Steuerzahler, die EU und die französische Marine.

Start bei "eingeschränktem Bootsverkehr" © hermione2015

Start bei “eingeschränktem Bootsverkehr” © hermione2015

Als die „Hermione“ nun am vergangenen Wochenende gen USA zur Wiederholung ihrer historischen Fahrt aufbrach, standen erneut Tausende Schaulustige an den Ufern der französischen Atlantikküste, um dem Schiff Farewell und Bon Voyage zu wünschen. Unter militärisch strengen Sicherheitsauflagen (absolutes Drohnen-Flugverbot, stark eingeschränkter Bootsverkehr) segelte die Fregatte Richtung Südwest.

Der französische Staatpräsident Francois Hollande verabschiedete sie höchstpersönlich unter „dem Zeichen der Freundschaft“ mit Amerika. US-Präsident Barack Obama schickte einen freundlichen Gruß und unterstrich, dass beide Nationen von 1780 bis heute immer „Seite an Seite“ für die Freiheit gekämpft haben. Und dies auch in Zukunft so beibehalten wollen.

Zur US-Ostküste

Anfang Mai wird die „Hermione“ auf den Kanarischen Inseln erwartet. Von dort geht es (je nach Wetterlage) ab dem 6. Mai Richtung USA. Am 5. Juni wird die Klassik-Replik voraussichtlich in Yorktown anlegen, der ersten von insgesamt elf Stationen (wie Baltimore, New York, Annapolis, Philadelphia, Newport, Boston) in den USA.

Klein, wendig, handlich © hermione2015

Klein, wendig, handlich © hermione2015

In Yorktown schlugen die Amerikaner gemeinsam mit ihren französischen Alliierten am 19. Oktober 1781 die Engländer vernichtend.

Höhepunkt dürfte die Einfahrt der „Hermione“ in die Bucht von New York werden, wo vor der Freiheitsstatue am 4. Juli der amerikanische Unabhängigkeitstag gefeiert wird. Diesmal mit einem besonderen deutsch-französischen Akzent.

Website L’Hermione

Blog Hermione

 

Hermione

Lüa: 64, 2 Meter

Lwl: 44,2 Meter

Breite: 11, 55 Meter

Tiefgang: 5,78 Meter

Verdrängung: 1.166 Tonnen (leer)

Segelfläche an drei Masten:1.650 – 2.200 Quadratmeter

Laufendes Gut: 27 km

Errechnete Höchstgeschwindigkeit: 15 Knoten

 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *