Ostseetörn Teil 3: Svenja und Maike von Burgstaaken nach Strib auf Fünen

Mädels auf Tour

Beim Segeln lernt man eben die kleinen Dinge zu schätzen, meint Maike. Sie ist mit ihrer Schwester Svenja auf Herbstour in der südlichen Ostsee. Mit ihrem IF-Boot kommen sie immer zu spät los, aber wer kennt das nicht. Teil 3 der 4-teiligen Serie führt von Fehmarn nach Strib auf Fünen.

Wie in einem Traum © Maike Christiansen

Wie in einem Traum © Maike Christiansen

Burgstaaken – Baagenkop: Leuchten

Bei diesigem Wetter steuert uns Kezia heute munter die 30 Meilen nach Bagenkop. Wir anderen dösen mehr oder weniger vor uns hin (Svenja und Sunke) oder schmieden in der Stille des eigenen Kopfes Pläne zur Rettung der Welt (ich) oder liegen tot in der Bilge (nein, kein Crewmitglied! Ich meinte die geräucherte Makrele…). Da wir mal wieder unglaublich spät losgefahren sind, ist es stockduster, bis wir auch nur die Ansteuerungstonne erreicht haben.

Ist aber super. So können wir nämlich alle das Meeresleuchten bewundern. Na ja, fast alle. Svenja legt sich auf den Bug, zieht immer wieder einen Tampen durchs Wasser und ruft nach hinten ermunternde Sprüche wie „Oooooh, guckt mal, das leuchtet“ und „Das ist ja soooooooo schön“ und „Wenn man jetzt badet, dann kann man das noch besser sehen!“. Wir anderen gucken auf Seekarte und Hafenhandbuch, kochen Kartoffeln, holen Festmacher hervor und halten Ausschau nach Tonnen und Richtfeuern.

Baagenkop – Lyö: Sonnenuntergang in der dänischen Südsee

Lecker! © Maike Christiansen

Lecker! © Maike Christiansen

Sunke ist ab sofort unser Smutje an Bord. In einer heldenhafter Aktion produziert er unter schrecklichen Arbeitsbedingungen (Schräglage, Nässe, Gefahr wegen durch die Gegend rutschenden Messern) ein Tomaten-Käse-Wurst-Salat-Pesto-Sandwich nach dem anderen.

Wir Mädels vergnügen uns derweil auf der Rauschefahrt durch die Gewässer der dänischen Südsee. Abends nimmt der Wind etwas ab, und der Sonnenuntergang ist so spektakulär, dass wir fast an Lyö vorbeifahren. Lyö ist aber auch wirklich kaum erkennbar: Es sind nur vier Schiffe im Hafen! Normalerweise erkennt man Lyö ja daran, dass man mit dem Fernglas nach dem dichtesten Mastenwald sucht.

Lyö – Sonderborg: Nass, kalt und hungrig

Die letzten Netze? © Maike Christiansen

Die letzten Netze? © Maike Christiansen

Es ist dunkel. Und es regnet. Und ich hab den Zeitpunkt verpasst, an dem es sich noch lohnt, die Kapuze aufzusetzen. Das Wasser pladdert über meine Haare, in meinen Nacken und bahnt sich tröpchenweise seinen Weg über meinen Rücken. Uäääh. Sunke hat es gut. Der hat sich, schlau wie ein Fuchs, vor einer halben Stunde in die Kajüte verzogen unter dem Vorwand, dass er als Smutje ja die Aufgabe habe, uns zu versorgen, und er deswegen jetzt Brühe machen wolle. Hier draußen gibt es auch Brühe. Von oben und kalt.

Schietwedder - am liebsten möchte man sich in seinem Schneckenhaus verkriechen © Maike Christiansen

Schietwedder – am liebsten möchte man sich in seinem Schneckenhaus verkriechen © Maike Christiansen

Anlegen ist blöd, wenn es regnet. Dann muss man sich bewegen und nasse Tampen aufschießen und auf glibschige Stege springen und so. Und danach muss man die Kuchenbude auf dem nassen Schiff aufbauen und dann weiß man nicht, wo man sein triefnasses Ölzeug aufhängen soll. Bei vier Personen an Bord ist dafür nur eher begrenzt Platz.

So ein Schietwedder hat zum Glück aber auch seine positiven Seiten: Nach nur kurzer Zeit sitzen wir frisch getrocknet unter Deck und schlürfen heiße Brühe, während der Regen auf das Zelt trommelt. Der Gemütlichkeitsfaktor ist bei ungefähr tausend angelangt. Beim Segeln lernt man eben die kleinen Dinge zu schätzen.

Sonderborg – Dyvig: Tiefenentspannung

Ich sitze auf Janthina und lese. Svenja pütschert wie in alten Zeiten mit Gummischwein, unserem Schlauchboot, herum. Gummischwein ist das wahrscheinlich älteste und meistgeliebte Schlauchboot der Welt. Oder kennt noch jemand ein Schlauchboot, das dreißig Jahre alt ist?

Ankern in der Dyvig © Maike Christiansen

Ankern in der Dyvig – unser IF-Boot “Janthina” © Maike Christiansen

Wir sind im Moment wieder zu zweit unterwegs. Kezia und Sunke sind von Sonderborg aus wieder nach Hause gefahren, Svenja und ich haben noch einen schönen Tag mit einem meiner ältesten Freunde in Sonderborg verbracht und ankern jetzt in der Dyviger Bucht. Ich kuschele mich unter die Sprayhood und strecke meine Beine in der Sonne aus. Entspanne. Genieße das Plätschern des Wassers und den leichten Wind, der durch die Haare streift. Ein Schweinswalpärchen prustet 50 Meter von mir entfernt. Was für ein Leben.

Dyvig – Baagö: Leere Weite

Ein wunderschöner dänischer Zwölfer bei Lyö © Maike Christiansen

Ein wunderschöner dänischer Zwölfer bei Lyö © Maike Christiansen

Boah, wir kommen wirklich immer später los. 14:30 Uhr. Zwar immer noch nicht unsere Top-Ablegezeit aus Lyö (15:00 Uhr), aber schon verdammt nah dran. Macht aber nichts: Der kleine Belt ist leer und der Hafen in Baagö auch. Man sollte immer um diese Jahreszeit auf Törn gehen.

Baagö – Strib: MMM – Motor macht Mist!

Baagö mag unseren Motor nicht. Letztes Jahr hat der Motor beim Reinfahren gestreikt. Jetzt beim Rausfahren. Wir liegen an einem Pfahl und wollten eigentlich ganz entspannt den Motor anwerfen, um dann gegen den Wind aus der Hafeneinfahrt zu fahren. Tja. Daraus wird wohl nichts. Na gut, dann segeln wir eben. Ist sowieso viel cooler.

Unter den Augen des gesamten Hafens setzen wir erst Großsegel und Genua, dann stoßen wir uns vom Pfahl ab und kreuzen mit winzigen Schlägen zwischen einer Hallberg Rassy und der Mole aus dem Hafen raus. Diese unvorhergesehenen Vorfälle machen das Leben doch spannender. Obwohl wir auf Motorprobleme schon gerne verzichten würden. Wir brauchen den Motor zwar wirklich nicht oft, aber die Wartung kostet schließlich Geld und eine lose Schraube (die für die Probleme verantwortlich ist) sollte da eigentlich vermeidbar sein.

Der Leuchtturm von Strib im Nebel © Maike Christiansen

Der Leuchtturm von Strib im Nebel © Maike Christiansen

Teil 1  Es geht wieder los!
Teil 2  “Nachts segeln ist schööööön!”
Teil 3  Mädels auf Tour
Teil 4  Im Schwebezustand

Svenja entspannt sich. Unser Motor, der nicht mag © Maike Christiansen

Svenja entspannt sich. Unser Motor in Baagö aber nicht… © Maike Christiansen

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2 Kommentare zu „Ostseetörn Teil 3: Svenja und Maike von Burgstaaken nach Strib auf Fünen“

  1. avatar Piet sagt:

    Sehr schön geschrieben 🙂

    Wollt Ihr nicht öfters Schreiben?
    Bitte bitte bitte !!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  2. avatar christian1968 sagt:

    Der Piet hat recht, bitte, bitte, bitte mehr schreiben !!!!!

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