Rekordsegeln: Hydroptère im Stand-By-Modus

Vor dem Rasen: Warten, warten, warten!

Jacques Vincent (vorn) im Hauptrumpf der Hydroptère beim Wetterrouting©Thomas Lesage

Jacques Vincent (vorn) im Hauptrumpf der Hydroptère beim Wetterrouting©Thomas Lesage

Nein, die Franzosen sind noch nicht ungeduldig. Sie wussten schon vor Jahresfrist, zu Beginn ihres Abenteuers: „it never rains in California!“  Und wohl aus genau diesem Grund will sich ein sehnlichst erwartetes Hochdruckgebiet im nördlichen Pazifik nicht an der richtigen Stelle positionieren; „rester zen“ nennen sie flapsig die Warterei auf den richtigen Wind, die richtige Welle.

Im „Dreamteam des französischen Hochseesegelns“ (Thébault, Parlier, Alphand, LeCam, Vincent) hat Letztgenannter als Co-Skipper ausgerechnet im „Rainbow Harbour“ von Long Beach eine besonders wichtige Position inne. Er gilt unter den Hochseehelden als derjenige mit der „besten Nase“ für den Wind – sei’s draußen beim Ausspähen der Windfelder oder „im Trockenen““ beim Beobachten der Wettersituation am Computerbild­schirm, beim Auswerten der Satellitendaten, beim Ausloten der Launen von Aeolus.

 „Unser“ Hochdruckgebiet

Jacques Vincent ist sich sicher, dass es für den (ganz sicher noch) kommenden Rekordversuch der Hydroptère nur eine optimale Wettersituation den Start veranlassen wird – ein „vielleicht“ oder „könnte klappen“ darf und wird es nicht geben. „Die ideale Position für „unser“ Hochdruckgebiet wäre der nördliche Pazifik, so weit oben wie möglich. Eine ganz leichte Verschiebung nach West oder Ost wäre zudem wünschenswert – dann käme der Wind aus der exakt richtigen Richtung, um uns auf möglichst direktem Wege von L.A. nach Honolulu zu bringen.“

Von beiden Szenarien bevorzugen die Franzosen übrigens die „westliche“ Variante – dann sind die Winde entlang der kalifornischen Küste nicht ganz so stark und eine eher gemäßigte Dünung (im Gegensatz zur sonst häufig auftretenden hohen, aber kurzen Hackwelle)  dürfte den Foiler-Trimaran sicher auf den offenen Ozean bringen.

Banger Blick nach Norden

„Yves Parlier und ich sind vor Ort im Dauerzustand mit dem Wetter beschäftigt, die anderen betreiben ihre Wetterbeobachtung auf ihre Weise und geben uns zusätzlichen Input. Wir können derzeit grosso modo über einen Zeitraum von ca. 10 Tagen die kommende Wettersituation abschätzen,“ erklärt Vincent. Was wiederum reichen dürfte, um alle, die gerade nicht in der Nähe des Schiffes sind, zurück zu holen.

Das größte Problem für die Hydroptère wird allerdings nicht der Wind sein. Auf den kann sich der Trimaran (der im letzten Winter für die Hochseeraserei umgebaut und modifiziert wurde) mit Veränderung der Segelfläche durchaus einstellen. „Das eigentlich Problem für uns sind die Wellen und die Richtung, aus der sie kommen,“ stellt Vincent klar.

Denn im Gegensatz zu allen anderen Rekordhaltern auf der Strecke zwischen Kalifornien und Hawaii, wird die Hydroptère bekanntlich auf Foilern unterwegs sein. Und deren „Klassenfeinde“ sind nun mal die Wellen – je glatter die See, desto schneller das Tragflächenschiff.

 „Nur“ 30 kn Reisegeschwindigkeit!

Am Anfang ihrer Reise, bis zur Insel Catalina, peilt Skipper Thébault eine Geschwindigkeit von ca. 18 kn an, bei der vielleicht das eine oder andere Mal „ein Bein gehoben“ wird, um über 20 kn zu kommen. Nach der Insel müssen ungefähr 25 kn im Schnitt gefahren werden. Nach 150 sm Strecke soll die Hydroptère dann für den längsten Zeitraum auf 30-35 kn Reisegeschwindigkeit kommen.

„Kurz vor Oahu/Hawaii wird der Wind nach rechts drehen und wir werden nur noch 25-30 kn fahren,“ prognostiziert Vincent. Werte, die weit entfernt sind vom eigentlichen Potential des Schiffes, das als erstes der Welt die 50kn-Schallmauer durchbrach. Doch die Hydroptère ist eben derzeit nicht im 100m- sondern im Marathon-Modus unterwegs!

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Michael Kunst

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