Rimini-Unglück: Warum die Maschine der Bavaria 50 ausgefallen ist – Crewmitglied erklärt

Das Rätsel der Bavaria-Havarie

Nach dem Unglück der Bavaria 50 in Italien kommen immer mehr Einzelheiten zu den Umständen zu Tage. So könnte die Frage geklärt sein, warum die Maschine ausgefallen ist.

Die zerstörte Bavaria 50 Cruiser auf der Mole von Rimini. © Coast Guard

Der schwere Unglücksfall vor dem Hafen von Rimini bereitet den Ermittlern nach wie vor Kopfzerbrechen. Wie konnte es passieren, dass die Maschine vor der Mole des Hafens ausfiel und das Schiff auf die Steine geworfen wurde? Und warum war die Yacht bei den herrschenden Extrembedingungen überhaupt losgesegelt?

Alge im Tank?

Michele Capra, ein Freund des Skippers, der auch Bavaria Händler ist und das Unglücksschiff verkauft hat, wird von italienischen Medien zitiert, die nach einer Antwort auf die Frage zum Maschinenausfall suchen. Capra äußert den Verdacht, dass Dreck im Tank des zwölf Jahre alten Schiffs oder schlechte Diesel-Qualität dafür verantwortlich sein könnte.

Er habe kürzlich einen Fall erlebt, als sich sein Schiff bei 30 Knoten unter dem Einfluss einer großen Welle schwer auf die Seite legte, der Propeller kurze Zeit frei schlug und Minuten danach die Maschine ausging. Bei der Untersuchung des Schiffes in Ravenna habe er den Tank geöffnet und am Ansaugstutzen vor dem Diesel-Filter eine Alge gefunden, die den Zugang verstopfte. Capra glaubt, dass verunreinigter Treibstoff dafür verantwortlich war. Ob es auch der Grund für das Unglück ist?

Warnung vom Freund

Capra war einer der letzten, der vier Crewmitglieder zuletzt lebend gesehen hat. Seinen Aussagen zufolge sei die Yacht “Dipiú” in Ravenna direkt neben einem Schiff festgemacht gewesen, das er zu der nahen Werft überführen musste. Er sah davon ab, als die ersten schweren Böen einfielen und riet auch seinem Freund, den geplanten Törn angesichts des Wetterberichtes zu verschieben. Aber der bereitete weiter das Auslaufen vor und verwies auf Informationen, denen zufolge sich die Bedingungen bessern würden.

Bei dem Skipper handelte es sich um einen 68 Jahre alten pensionierten Profi, und wenigstens ein 64 jähriger Mitsegler war ebenfalls sehr erfahren. Er hat schon eine Weltumsegelung absolviert. Entsprechend entspannt und kontrolliert soll der Eigner mit dem Hafenmeister von Rimini gesprochen haben, als er über Funk nach einem Platz fragte. Er soll sogar zu Scherzen aufgelegt gewesen sein.

Das passt zu dem Szenario, dass die sechsköpfige Crew sehr plötzlich und unerwartet erst in unmittelbarer Nähe der Mole in Schwierigkeiten geraten ist. Die Zeitung Il Resto del Carlino sprach mit dem 39-jährigen Überlebenden L.N. , und seinen Angaben zufolge ergibt sich eine andere Lesart des Unglücks.

Wassereinbruch in die Kajüte

Er habe sich mit seiner Freundin und einem der älteren Crewmitglieder unter Deck befunden, als plötzlich durch den Niedergang viel Wasser in die Kajüte floss. Dabei ist es nicht klar, ob der Wassereinbruch allein durch eine große Welle erfolgte, oder das Schiff auf die Seite geworfen wurde.

Das Wasser im Schiff habe jedenfalls schnell Hüfthöhe erreicht und sei in den Maschinenraum geflossen. Dabei sei der Motor ausgegangen. Die drei Segler stürzten an Deck und erkannten, dass ihre Kameraden nicht mehr an Bord waren. L.N. erzählt, dass seine Freundin von Bord sprang, um die Küste zu erreichen.

Er selber habe die Mitsegler im Wasser gesehen, sei aber schließlich der Freundin hinterhergesprungen. Sie sei auf den Steinen der Mole gelandet und er habe sie noch erreichen können. Aber dann wurde er von den Wellen fortgetragen.

Diese Version scheint allerdings unwahrscheinlich. Denn andere Quellen sprechen davon, dass L.N. einigermaßen unversehrt im zerstörten Schiff gefunden wurde. Er konnte den Unglücksort zusammen mit den Ermittlern schon wieder besuchen.

Der andere gerettete Segler sei eine Stunde nach dem Unfall aus dem Wasser geborgen und mit schweren Unterkühlungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Sicher ist, dass die Bora an diesem Tag mit extremer Stärke zugeschlagen hat. Zwei Fähren, die von Griechenland nach Italien unterwegs waren haben zwei Stunden lang vor dem Hafen von Ancona gewartet bis sich das Wetter beruhigte.

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *