Sailing Conductors: Abenteuer unter Segeln kurz vor Kolumbien

Glückskinder

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Die Dirigenten im Glück © sailing conductors

Oft weiß man ja eigentlich erst hinterher, wie gut man es gehabt hat. Es gibt Leute, die sehnen sich zurück in ihre Kindheit, die anderen in die Schule und dann noch welche zurück in die Studium-Zeiten. Das kann ich persönlich hier jetzt so nicht unterschreiben, auf der „Segelyacht“ in der Karibik… Nein, ich muss zugeben: Das hier ist die schönste Zeit und das größte Glück meines/unseres Lebens.

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Auch “Marianne” schwojt im Glück – kann es schönere Ankerplätze für FahrtenDICKschiffe geben? © sailing Conductors

Glück #1 – Maschine läuft

Trinidad und Tobago können wir doch tatsächlich noch im Sonnenuntergang und unter laufender Maschine verlassen. Mit gemütlichen fünf Knoten tuckern wir so von Chaguaramas (auch Drag-uaramas genannt, die Segler wissen, was gemeint ist) durch den Drachenschlund der vorgelagerten Huevos Inseln, wo wir vor sechs Wochen zweieinhalb Tage sinnlos herumgetrieben sind und dann geht es eigentlich auch schon los.

Glück #2 – Wind und Strömung

Wir drehen auf Raumschots, Spinnaker-Baum raus, Genua hoch, Motor aus, Selbststeuerungsanlage ran und da ist es, das Gefühl, das süchtig macht. Mit Maximalgeschwindigkeit zieht Marianne ohne unser Zutun durch die Nacht, das Wasser rauscht am Rumpf vorbei und wir stehen auf dem Vorschiff und genießen die rasante Fahrt in der schwarzen Suppe – unser Navi verrät uns dann, dass die Fahrt über Grund sogar noch einen Knoten schneller ist. Als wäre das noch nicht genug, taucht aus dem Nichts eine Gruppe von Delfinen auf und tänzelt zu dem wummernden Beat unseres Minimal-Techno vor „Mariannes“ Bug herum.

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Wir wissen nicht, was genau die beiden da machen, aber es scheint wichtig zu sein. © Sailing conductors

Glück #3 – Keine Piraten

Eigentlich wollten wir ja auch einen Hafen von Venezuela ansteuern, doch viele Segler haben uns auf Grund der aktuellen Piratenangriffe davor gewarnt. Da ist natürlich viel Seemannsgarn dabei, doch nach dem wir Rob aus Irland kennen gelernt haben, der gerade aus Venezuela kam und dem eine Pistole an den Kopf gehalten wurde, während die Piraten alles aus seinem Boot geräumt haben, entscheiden wir uns doch für einen größeren Bogen um die Küste Venezuelas.

Wir haben in der Nacht schon ordentlich Strecke gemacht, als im Morgengrauen, etwa zwanzig Meilen vom Land entfernt, plötzlich ein kleines Motorboot mit fünf/sechs Menschen und hoher Geschwindigkeit auf uns zu hält. Die sehen nicht wirklich aus wie Fischer und haben auch kein Zeug zum Fischen dabei. Das Boot ist eigentlich auch für die offene See viel zu klein, aber ein „Mutterschiff“ kann ich auch nicht erkennen.

Alles viel zu seltsam und als ich den Captain wecke, muss ich mich schon sehr anstrengen, die in mir aufkommende Panik für mich zu behalten. Harpune? Schlagstock? Silvesterknaller? Kampflos aufgeben? Ich bereite mich unter Deck auf das Ende vor, während Benni von draußen den Jungs zuwinkt, nein, wir wollen keinen Fisch kaufen und da drehen sie auch schon ab, mit ihren beiden pinken Außenbordmotoren.

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Der Leuchtturm von Klein Curacao – rosige Zeiten brechen an © sailing conductors

Glück # 4 – Paradies auf dem Umweg

Kurz vor Abfahrt hatte mir noch Corinna von der „SY Ivalu“ den Tipp gegeben, wir sollten doch auf Klein Curaçao unbedingt Stopp machen. Für sie war es auf der Reise einer der schönsten Orte und dort gäbe es nichts außer einem Leuchtturm, einem Wrack und Schildkröten. Wir sind ja sonst eher so die Großstadtsegler, aber nun sind wir so schnell unterwegs, dass wir jeden Tag knapp hundertvierzig Seemeilen zurücklegen (das ist so in etwa die Strecke von meiner Heimat Rostock bis nach Berlin) und zeitlich ruhig einen kleinen Umweg einschieben können.

Die Freude ist groß, als Klein Curaçao nur noch eine Nacht entfernt im Westen liegt und plötzlich ein dicker Fisch an unserer Angel hängt. Hach, beim Einholen läuft mir das Wasser im Mund zusammen, was für ein Timing, morgen machen wir ein schönes Lagerfeuer am Strand und es gibt gegrillten Fisch, wir ganz alleine auf einer karibischen Insel, wenn wir doch nur noch Bier hätten… und da reißt die Leine.

Am nächsten Morgen sehen wir schon aus einiger Entfernung den Leuchtturm, das Wrack und bei den ersten geschwommenen Zügen im türkisblauen, achtundzwanzig Grad warmen Wasser, um die Leinen an der Boje festzumachen auch gleich eine Schildkröte. Doch es kommt noch besser!

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Sogar Einsiedlerkrebse sind hier gar nicht einsam © sailing conductors

Wir dachten ja (Wikipedia übrigens auch), die Insel wäre unbewohnt, doch als wir ein paar Hütten erkennen, rattert es in meinem Kopf. Curaçao? Gehören die nicht zu Holland? Ob man da wohl mit Euro bezahlen kann? Sollten wir zu unserem Glück etwa Bier kaufen können, hier, auf dieser eigentlich unbewohnten Insel? Voller Vorfreude marschiere ich zu den Hütten, aha, „MY irgendwas“ steht da, das ist hier wohl so ein Ausflugsziel, und ja, dort liegt jemand in einer Hängematte – Halloooo! – und noch bevor ich meinen Namen sagen kann, antwortet es, nein, befiehlt es mir: „Nimm dir ein Bier!“

Bei einem kühlen Bier erzählt uns Gutschieta (so, oder so ähnlich geschrieben), dass hier drei Mal in der Woche ein Boot mit hundertfünfzig Touristen anlegt und er für die Leute dreißig Kilo Burger, dreißig Kilo Rippchen und dreißig Kilo Hähnchen grillt. Gutschieta kann „eine kleine wenig Deutsch spreche, aber l-a-n-g-s-a-m!“ und erzählt etwas von Kartoffelsalat. Super Idee!

Anstatt des nicht gefangenen Fisches machen wir einen ordentlichen, deutschen Kartoffelsalat nach Insel-Art. Alle Zutaten kommen entweder auf, oder in Alufolie gewickelt, in den Grill, (beinahe hätte ich auch die Eier gegrillt – hat das schon mal jemand gemacht?), schön Majo, Gurken und Tamarindt Sauce dazu. Gutschieta haut ordentlich rein, schmatzt und macht Geräusche des körperlichen Glückes wie „Mhhhh“ und nimmt sich noch mal nach.

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Lockeres Gespräch unter Männern. Themen: Bier, Kartoffelsalat, Bier © sailing conductors

Hinterher erzählt er, dass er eigentlich drei Mal in der Woche auch kiloweise Kartoffelsalat geliefert bekommt und Kartoffelsalat eigentlich nicht mehr sehen kann. Und wir machen ausgerechnet: Kartoffelsalat! Nach dem Essen haut er sich wieder in seine Hängematte und wir setzen uns mit zwei Stühlen in die erste Reihe an den Strand, trinken ein paar Bier und freuen uns über das türkise Wasser in der fast Vollmond hellen Nacht. Auf der Insel nur wir zwei, Gutschieta und hunderte kleiner „Pagurus bernhardus“, Einsiedlerkrebse in Schneckenhäusern. Jedes Mal, wenn man beim Bierholen an ein paar Dutzend dieser Müllbeseitiger vorbei geht, ziehen sie sich blitzschnell in ihre Häuser zurück, was auf dem Steinboden ein klickendes Geräusch macht. Klick, klick, klickklick, klick.

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2 Kommentare zu „Sailing Conductors: Abenteuer unter Segeln kurz vor Kolumbien“

  1. avatar Erbsenzähler sagt:

    Sympathisch durchgeknallt die Jungs, Klasse!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 3

  2. avatar sven sagt:

    Jungs Eure CD dudeln hier immer noch, nur mein Sailing Conductors Bier ist alle………war das nicht ein Abo ?

    Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

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