Streiflicht: Über Sicherheitstraining, Leckbekämpfung, Rettungsinseln, Feuerlöscher

Gib mir Feuer!

Feuerübung für Segler bei der Marineschule für Schiffssicherung. © www.seefieber.de

In der Marineschule für Schiffssicherung in Neustadt/Holstein können Segler einen Lehrgang besuchen, in dem sie unter anderem Leck- und Brandbekämpfung sowie den Umgang mit Rettungsmitteln üben können. Ich war dabei und kann ihn jedem Segler nur wärmstens ans Herz legen.

Denn grau ist alle Theorie und wie es sich anfühlt bei Wellengang in einer Rettungsinsel zu sitzen, kann kein Buch vermitteln. Im Rahmen der Leckbekämpfungsübung fand ich es erstaunlich, wie viel Wasser selbst aus kleinen Leckagen ins Schiff strömt.

Alle Mann in die Rettungsinsel beim Training im Wellenbad. Beim Singen von Seemannsliedern kommt man sich näher. © www.seefieber.de

Und sobald das Wasser im Schiffsinneren einmal über das Leck gestiegen ist, ist es nur noch sehr schwer möglich, die Wassereintrittsstelle zu lokalisieren. Fazit: bei der Leckbekämpfung zählt jede Sekunde.

Bei der Feuerlöschübung hat mich überrascht, wie schnell so ein Feuerlöscher leer geschossen ist und wie teuflisch das Löschpulver in jede noch so kleine Ritze wandert. Jedenfalls habe ich jetzt verstanden, warum der Schaden durch das Löschpulver nicht selten größer ist, als der des damit bekämpften Feuers. Da ist eine Löschdecke oft die bessere Wahl.

Im Wellenbad des Ausbildungszentrums konnte man sich in Ölzeug und der eigenen Automatikweste in die Fluten stürzen. Nach 10 Jahren ohne Wartung wollte meine Weste nicht mehr automatisch aufgehen, aber ein beherzter Zug an der Reißleine hat sie dann mit CO2 gefüllt.

Erstaunlich für mich, wie überschaubar der Sichtkreis wird, wenn man einmal in der Weste hängt, zumal mein Exemplar wegen des fehlenden Schrittgurtes aufgeblasen sehr hoch am Hals saß.

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Das Highlight des Lehrgangs war sicherlich der Aufenthalt in der Rettungsinsel. Zwar klappte das Einsteigen in die Insel trotz der aufgeblasenen Rettungsweste problemlos, ich kann mir gut vorstellen, dass dies im Seenotfall mit der dann wahrscheinlich einhergehenden Erschöpfung zu einem ernsten Problem werden kann. So würde ich immer versuchen, von Bord in die Insel zu springen, zumal man dabei auch nicht so nass wird. Das verringert die Unterkühlungsgefahr.

Auch wenn ich in der Insel von Seekrankheit verschont worden bin, war der Aufenthalt darin nicht gerade angenehm. Dies lag weniger daran, dass meine Mitinsassen meinten, mir bis dahin unbekannte Seemannslieder anstimmen zu müssen, sondern an der Enge zusammen mit dem Gefühl, im Ernstfall nicht viel mehr machen zu können, als passiv auf Rettung zu warten.

Meine Bereitschaft im Seenotfall um mein Boot zu kämpfen ist durch diese Erfahrung jedenfalls um rund 1.000 Prozent gesteigert worden.

Infos zu den Lehrgängen

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Uwe Röttgering

… der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert – ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.

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http://nouveda.com

8 Kommentare zu „Streiflicht: Über Sicherheitstraining, Leckbekämpfung, Rettungsinseln, Feuerlöscher“

  1. avatar bowman sagt:

    Weiß jemand, wo das Sicherheitstraining außer in Neustadt noch angeboten wird?

    Die Anbieterliste auf der DSV Website scheint mir etwas überholt, obwohl Kenntnisse im Survival nach ISAF Offshore Racing Regulations inzwischen für 30% der Crew Pflicht ist.

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    • avatar Tobias Schultze sagt:

      Hallo,

      eine weitere Ausbildungseinrichtung, die den ISAF Sicherheitslehrgang durchführt, ist das Maritime Kompetenzzentrum Elsfleth. Hier wird unter realistischen Bedingungen der Lehrgang absolviert.

      Bei weiteren Fragen könnt ihr euch ja einfach melden.

      Gruß

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  2. avatar Uwe sagt:

    Die Kurse werden noch von Sailing Island angheboten. Siehe hier: http://www.sailingisland.de/theoriekurse/seminar_ueberleben_auf_see.html

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  3. avatar Frank sagt:

    Oder in Hamburg:

    http://www.nordische-segelschule.de/sicherheitstraining.htm inkl. ISAF Certf.

    Gruß Frank

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  4. avatar Klaus sagt:

    Beim Hineinspringen in die Rettungsinsel hätte ich so meine Befürchtungen, Herr Röttgering. Trifft man sie, kippt sie womöglich?

    Auch ich habe im Jahr 2000 diesen Lehrgang in Neustadt gemacht (übrigens das bestangelegte Geld, das ich je in die Segelei reingesteckt habe). Unser Lehrgangsleiter stellte uns die Frage: “Wie kommen Sie in die Rettungsinsel?” Nach einigen Antworten wie “über den Wulst aus dem Wasser” oder “von Bord hinein springen” gab er folgende Methode vor: “in die RI schreitet man mit einem kleinen Schritt.”
    Warum? Wer springt, dessen Boot schwimmt noch ziemlich hoch und könnte es noch sehr lange tun. Und an Deck auch eines halbvoll gelaufenen Bootes ist man allemal besser aufgehoben als in der tanzenden RI. Darum sollte das Boot erst verlassen werden, wenn das Deck ca. auf Höher der Wasseroberfläche angekommen ist, und damit erst direkt vor dem Sinken. Das versinnbildlicht das “Schreiten” auf gleicher Höhe.

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  5. Ich werde diesen Kurs mit meiner Vorschoterin besuchen:
    http://www.sku-duesseldorf.de/download/sku-sicherheitstraining-flyer20110226.pdf
    Er wird inhaltlich nicht ganz dem Kurs in Neustadt entsprechen, aber als Einstieg und Sensibilisierung
    für das Thema bestimmt toll.
    Gruß
    Walter

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    • avatar Wilfried sagt:

      Solche Kurse sind auf jeden Fall besser als nichts, aber auch nicht vergleichbar mit den Kursen in Neustadt etc. Ich habe selber eine Woche Schulung in Neustadt bekommen als ich vor vielen Jahren bei der Marine Schnellboot gefahren bin und zum Schiffssicherungstrupp gehörte, dann einen Sea Survival Lehrgang in Travemünde. Elsfleth ist auch zu empfehlen, dort werden unter anderem auch die Arbeiter für die Offshore-Windkraft ausgebildet da dort auch das HUET (Helicopter Underwater Escape Training) durchgeführt werden kann. Weitere Trainingscentren gibt es bei Falck Nutec in Rotterdam, Esbjerg und Emden. Durch die Offshore-Wirtschaft wurden und werden zahlreiche Trainingszentren errichtet.Diese Trainings sind nicht billig aber das Geld für den passenden Lehrgang auf jeden Fall gut angelegt.

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